Laura Strohschneider verlässt nach fast zehn Jahren die CDU und legt sämtliche Parteiämter nieder. Die bisherige Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg erhebt schwere Vorwürfe gegen die eigene Parteiführung und die Bundesregierung. Besonders hart fällt ihr Urteil über die Glaubwürdigkeit der CDU aus.
Laura Strohschneider hat am Donnerstag ihre Ämter niedergelegt und zugleich ihren Austritt aus CDU und Junger Union erklärt. Die 29-Jährige war seit 2016 Mitglied der CDU und führte seit 2023 die Junge Union Brandenburg. Nun zieht sie einen Schlussstrich. Ihre Begründung ist keine knappe persönliche Erklärung, sondern eine politische Abrechnung mit dem Kurs ihrer Partei.
„Diesen Glauben habe ich verloren“
Fast zehn Jahre lang habe sie sich politisch engagiert, weil sie davon überzeugt gewesen sei, dass ihre Partei Deutschland wieder nach vorne bringen könne, schreibt Strohschneider in ihrer veröffentlichten Erklärung. Diesen Glauben habe sie verloren. Ihre Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Junge Union und die Menschen, mit denen sie dort zusammengearbeitet hat, sondern gegen die politische Entwicklung der CDU.
Besonders schwer wiegt ihr Vorwurf, die Partei habe an Glaubwürdigkeit verloren. Die Politik der Bundesregierung entspreche nicht mehr dem, wofür die Union Wahlkampf gemacht und Stimmen erhalten habe. In ihrer Erklärung an die Mitglieder wird sie noch deutlicher. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur schrieb sie, sie schäme sich für die Bundespolitik.
„Diesen Glauben habe ich verloren.“
Kritik an Koalition, Steuern und Sozialabgaben
Strohschneider wirft der CDU vor, sich politisch in eine Abhängigkeit vom sozialdemokratischen Koalitionspartner gebracht zu haben. Aus Sorge um den Bestand der Koalition würden Reformen nicht in dem Umfang durchgesetzt, den sie für notwendig hält. Statt Fehlentwicklungen zu korrigieren, würden teilweise neue geschaffen.
Sie nennt dabei die Änderung der Schuldenbremse und die Einkommensteuerreform und verweist zugleich auf steigende Sozialabgaben. Von einer CDU-geführten Bundesregierung habe sie sich eine Politik versprochen, die Leistung und wirtschaftlichen Wohlstand stärker in den Mittelpunkt stellt. Diese Erwartung sieht sie enttäuscht.
„Ich glaube nach allem leider nicht mehr daran, dass die CDU die Partei ist, die Deutschland ‚wieder nach vorne‘ bringen kann.“
Die eigene Partei nicht mehr verteidigen wollen
Eine Passage ihrer Erklärung zeigt, wie weit die Entfremdung bereits gegangen war. Strohschneider beschreibt, dass sie Gesprächen über ihr eigenes politisches Engagement zunehmend ausgewichen sei, weil sie die Politik ihrer Partei nicht mehr habe rechtfertigen wollen.
Das ist für die CDU ein unangenehmer Befund. Wenn eine Landesvorsitzende des eigenen Nachwuchses die Entscheidungen der Parteiführung nicht mehr nach außen vertreten will, geht es nicht nur um einen persönlichen Konflikt. Es geht um die Bindung derjenigen, die eine Partei vor Ort tragen, Wahlkämpfe organisieren und um Zustimmung werben.
„Ich habe angefangen, mein politisches Engagement in Gesprächen zu umschiffen.“
Lob für die Junge Union
Mit der Jungen Union selbst rechnet Strohschneider dagegen nicht ab. Sie bezeichnet den Nachwuchsverband als ihren „Hoffnungsschimmer“ und würdigt die Menschen, mit denen sie dort zusammengearbeitet hat.
Auch auf ihre Zeit als Landesvorsitzende blickt sie positiv zurück. Nach ihren Angaben habe die JU Brandenburg in den vergangenen drei Jahren ihre Strukturen gestärkt und entgegen dem bundesweiten Trend Mitglieder hinzugewonnen. Gerade deshalb wolle sie nicht an einem Amt festhalten, für das sie nach eigener Einschätzung nicht mehr die notwendige Kraft aufbringen könne.
Neben dem Landesvorsitz gibt Strohschneider weitere Funktionen in CDU und JU auf. Dazu gehörte auch ihr Amt als Ostbeauftragte der Jungen Union Deutschlands. Ihr Schritt geht damit weit über einen Rückzug aus der ersten Reihe hinaus: Sie verlässt die Partei, der sie fast zehn Jahre angehört hat.
Der Fall dürfte die innerparteiliche Debatte weiter anheizen. Strohschneider stellt die Frage, ob Wahlkampfversprechen, politischer Anspruch und Regierungshandeln der Union noch zusammenpassen. Dass diese Kritik ausgerechnet von einer bisherigen JU-Landesvorsitzenden kommt, macht ihren Austritt für die CDU in Brandenburg und darüber hinaus politisch brisant.
