Corona – Filmbrancheninfos #16

Mit "Break on through to the other side" von Rüdiger Suchsland

Bild von StockSnap auf Pixabay

Noch ein Riesenhilfsprogramm soll nun den Mittelstand retten. Soloselbständige werden derweil von den Hilfen abgeschnitten. Die Kulturstaatsministerin findet, dass alles funktioniert, die Betroffenen sehen das zum Teil anders. Und Studio Babelsberg kann nun doch kurzarbeiten.

Wuhan vor Corona: Von 2012 bis 2013 lebte Kai Zwettler ein Jahr lang im chinesischen Wuhan und unterrichtete Deutsch an einer Schule. Bis heute hat er viele Freunde in der Stadt. In der Corona-Krise richtet er sich nun mit einem Dokumentarfilm gegen antiasiatischen Rassismus.

Wer doch noch mal lachen will, mag sich beim „Postillon“ informieren. Danke für den Tipp.

Und was ist mit den vielen Tausend kurzzeitig befristeten Angestellten unter uns, die sich vergessen fühlen? Und denen die zwischen zwei Projekten Arbeitslosengeld 2 (auch „Grundsicherung“ oder „Hartz 4“ genannt) beziehen? Fragen wie diese erreichen uns jeden Tag … Am vorigen Donnerstag hatte die Arbeitsagentur die Bedingungen fürs Arbeitslosengeld 1 gelockert, vollständig beantwortet werden die Fragen durch die ersten Erklärungen aber nicht. Laut der Website der Arbeitsagentur wird der Bezug von Arbeitslosengeld 2 automatisch bis zum 30. August verlängert. Wir hatten die Behörde am Freitag um Klarstellung gebeten. Eine Antwort wurde uns für morgen zugesagt.

Die Situation für Filmschaffende ist schwer zu überschauen. Die Münchner Filmwerkstatt will morgen mit einem kostenlosen Online-Seminar etwas Licht ins Dunkel bringen. Zwei Stunden lang wird der Fachanwalt für Arbeitsrecht Steffen Schmid-Hug über Kündigungen, Kurzarbeit und mehr informieren. Das Seminar startet am morgigen Dienstag, 7. April, um 18 Uhr. Anmeldungen werden bis 12 Uhr an info@muenchner-filmwerkstatt.de erbeten.

Wann und wie hat sich „Die Zeit“ mit dem Corona-Virus angesteckt? Der Infografiker Christian Laesser unternimmt eine Exploration über die Erwähnung des Virus’ in der Wochenzeitschrift.

Jens Schröder ist Journalist und Daten-Analyst. Darum schaut er bei den aktuellen Nachrichten doppelt hin – und rät: Schaut auf die richtigen Zahlen! Ein erster Versuch, den Überblick über die Datenlage rund um Covid-19 in Deutschland zu systematisieren.

Das Coronavirus und instabile Regionen. Die Welt wird sich durch die Krise verändern, sagt der Politikwissenschaftler Johannes Varwick im Interview mit dem „Tagesspiegel“. Deutschland müsse dem Nationalismus widerstehen.

Seit Beginn der Corona-Krise ist Christian Drosten das Gesicht und die Stimme der Wissenschaft in Deutschland: Doch der Leiter der Virologie an der Berliner Charité fühlt sich von den Medien zunehmend missverstanden und in die Rolle des Entscheiders gedrängt, schreibt die „Taz“. Hat er Recht mit seiner Kritik?Darüber diskutieren zwei Wissenschaftspublizisten im Deutschlandfunk.

Der Virologe Hendrick Streeck sagt, das Hauptproblem in der aktuellen Diskussion seien fehlende Daten und Fakten, um Entscheidungen zu treffen. Die Wirkung der Maßnahmen vor der Kontaktsperre sei nicht ausreichend überprüft worden, außerdem fehlen Richtlinien für eine Exit-Strategie.

Die aktuelle „Weltwoche“ weist Artikel auf, die sich mit der Rolle Chinas in der Ausbreitung des Corona-Virus beschäftigen. Der chinesische Botschafter fordert nun eine Entschuldigung.

Ein neues Kreditprogramm für den Mittelstand beschließt die Regierung . Damit soll eine Pleitewelle infolge der Corona-Krise verhindert werden „Die Entscheidung lautet: Wer schon im letzten Jahr wirtschaftlich tätig war, wer im letzten Jahr schon Umsätze hatte, wer im letzten Jahr eine ordentliche wirtschaftliche Tätigkeit verrichtet hat und wer Gewinn gemacht hat, der kann auch drei Monatsumsätze als Kredit bekommen von der Bank“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz heute in Berlin. Der Bund verbürge diesen Kredit zu 100 Prozent, so dass keine eigene Bewertung der Bank mehr notwendig sei. „Und mit dieser 100-Prozent-Verbürgung ist es dann auch möglich, dass das ganz schnell ausgereicht werden kann.“
Antragsberechtigt seien Firmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Die Kredithöhe liege bei drei Monatsumsätzen des Jahres 2019 – maximal jedoch pro Unternehmen mit 11 bis 49 Mitarbeitern bei 500.000 Euro, bei Unternehmen ab 50 Mitarbeitern bei 800.000 Euro.

Die Hilfsangebote stehen, und „ich habe den Eindruck, dass es funktioniert“, sagtKulturstaatsministerin Monika Grütters im Telefongespräch mit der „Zeit“. Dass vieles davon an der Branche vorbeigeht, umschifft sie dabei. Die Zeitung fragt auch nicht nach.

Die finanziellen Hilfspakete für Kulturschaffende klingen gut, helfen aber vielen überhaupt nicht, schreibt der DJ, Fotograf und Musikwissenschaftler Lars Schmedeke in der „Zeit“: „Ich wäre besser dran, wenn ich mich infizieren würde.

„Das Geld fließt. Meistens.“ Viele freie Journalist*innen haben schon Zuschüsse aus Landesprogrammen erhalten. Die Verbände sind aber nicht komplett zufriedenmit den Verfahren, berichtet die „Taz“.

Wie laufen die Hilfsprogramme wirklich? Wir baten um Erfahrungen – hier ein Bericht aus Bayern: 
„Es ist schön, zu lesen, dass das mit der Hilfe scheinbar immer so schnell geht. Leider ist das nicht überall so. 
Ich habe meinen Antrag für Corona-Soforthilfe am 18. März an die Regierung von Mittelfranken gesendet. Leider ohne irgendeine Reaktion. Auf telefonische Nachfrage bekommt man nur die Aussage, dass mann warten muss!
Das nur mal als Feedback, läuft nicht immer so toll, wie es man bei Euch liest.“

Und dieser Leser machte Erfahrungen mit der finanziellen Beteiligung des Bundes: „Für die meisten Solo-Selbstständigen greift diese Hilfe nicht. Das Problem: Es dürfen nur Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Soloselbstständige haben aber in der Regel weder ein Büro, noch Ladengeschäft oder einen Leasing-Wagen. Soloselbständige im Haupterwerb beziehen ihren Lebensunterhalt aus ihrer selbstständigen Tätigkeit und müssen daher auch ihr eigenes Gehalt erwirtschaften, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In Nordrhein-Westfalen wurden die Antragskriterien bereits für Solo-Selbstständige angepasst. Ich wünsche mir, dass auch in den anderen Bundesländern nachgebessert wird, damit die Hilfe bei Soloselbstständigen ankommen kann.

Anscheinend ist dieser Erfahrungsstand aber schon nicht mehr aktuell, denn … 

Das Förderkonzept in Nordrhein-Westfalen ist in Gefahr, warnte der Kulturrat NRW am Samstag auf Facebook: Die Soforthilfe des Kulturministeriums läuft aus. Bis zu 2.000 Euro waren jeweils als Betriebsmittelzuschuss gedacht, wurden aber bisher auch für die Lebenshaltung wegen ausbleibender Honorare „unbürokratisch und schnell ausgezahlt worden“, so der Kulturrat NRW . „Diese Praxis soll auf Druck des Bundes jetzt entfallen, sodass nur die Grundsicherung durch die Jobcenter bliebe.“ 
Nach Darstellung des Kulturrats NRW ändere sich die „NRW Soforthilfe“ gravierend: „Bundesgeld fließt seit dieser Woche zu und damit neue Auflagen. (…) Die Bundesauflagen erkennen die von Soloselbständigen an sich selbst gezählten Gehälter nicht an.“ Die Landesregierung wolle es möglich machen, Lebenshaltungskosten als betriebliche Ausgaben der Soloselbständigen anerkennen zu lassen. „Falls das in Verhandlungen mit dem Bund nicht gelingt, sind Alternativen in der Überlegung.“

„Förderer und Sender dürfen nicht in eine Schockstarre verfallen“, mahnt Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz. Sein Verband will, dass die Fördermittel aus den Bundes- und Länderhaushalten aufgestockt werden.

Not in allen Einsatzbereichen: Theaterstopp, Drehabbrüche und Aufnahmestopp in Synchronstudios – der Bundesverband Schauspiel schlägt Alarm und verweist auf Hilfe. Auf seiner Website fordert der BFFS als vorübergehende Hilfen unter anderem den leichteren Zugang zum Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld auch für berufsmäßig Unständige, Grundsicherung ohne jegliche Vermögensanrechnung und die Anerkennung der „Betriebskosten“ der freiberuflichen Arbeitnehmer*innen.
Auch hierzu ist eine Petition online: Ein Rettungsschirm auch für freie Schauspieler*innen, die nicht zu den Soloselbstständigen gezählt werden.

Das Corona-Virus ändert alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Diese besondere Ausnahmesituation birgt aber nicht nur Gefahren in sich, sondern bietet der Gesellschaft auch die Möglichkeit für grundlegende Veränderungen. Fünf Kulturschaffende und Experten und ihre Sicht auf die Zeit jetzt und nach der Corona-Pandemie.

Vielleicht doch noch ein bisschen streamen … Nachdem in China Kinos zu früh wieder eröffneten, gab Chinas Nationales Filmbüro am Freitag seine erste öffentliche Erklärung seit Monaten heraus – und betonte das Angebot an Online-Streaming-Inhalten, statt die Kinos wieder in Betrieb zu nehmen, berichtet „Variety“ (auf Englisch).

In einer denkbar schwierigen Zeit für die Kinos hat „Kinocoach“ Julian Gorsanski die Arbeit als Koordinator für das Projekt „Netzwerk für Landkinos“ aufgenommen.

Die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) wird für die Dauer der Corona-Krise die Verbreitungskosten aller sächsischen Lokal-TV-Anbieter mit einem aktuellen Bewegtbildangebot zur Krise übernehmen, teilte die SLM am Freitag mit. Diese Regelung soll rückwirkend ab dem 1. März in Kraft treten und gilt zunächst bis zum 30. Juni 2020.

Während das Coronavirus die realen Krankenhäuser an die Leistungsgrenzen bringt, steht in der TV-„Sachsenklinik“ bald alles still, teilte der MDR zum Wochenende mit.

„Europäische Kinos, Verleiher, Festivals, Trainings und Märkte stellen sich auf die Lage ein“, meldet Media. Und umreißt, wie es trotz Covid-19 im audiovisuellen Sektor weitergehen soll.

Der Dachverband der Österreichischen Filmschaffenden drängt auf Notmaßnahmen: Ein Notkollektivvertrag mit Unterstützung des ORF soll Kurzarbeit ermöglichen, auch für Neue Selbstständige werden Anpassungen eingemahnt.

Rat und Links für Filmschaffende in Österreich bietet der Künstler-Sozialversicherungsfonds.

Studio Babelsberg beantragt jetzt Kurzarbeitmeldet Verdi heute. Nach Gesprächen mit der Agentur für Arbeit Potsdam sowie der brandenburgischen Landesregierung habe men die Genehmigung erhalten. Das Unternehmen habe daraufhin bereits am Donnerstag Kurzarbeitergeld für seine auf Produktionsdauer beschäftigten Filmschaffenden beantragt. 
Die Geschäftsführung von Studio Babelsberg hatte sich bisher auf die Arbeitsverwaltung Brandenburg berufen, dass „Kurzarbeit für befristet Beschäftigte grundsätzlich nicht möglich sei.“ Das sei falsch, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri und kritisierte, dass das Unternehmen den neuen Kurzarbeits-Tarifvertrag nicht anwenden wolle: „Die betroffenen Filmschaffenden erhalten nun lediglich die gesetzlichen 60 Prozent ihres ausgefallenen Nettoverdienstes für die Dauer der Kurzarbeit statt zusätzlich eine Aufstockung auf die volle Tarifgage. Andere Filmproduktionsunternehmen, auch in Babelsberg, haben hier deutlich mehr Fairness gegenüber ihren immer nur kurzzeitig beschäftigten Mitarbeiter*innen bewiesen.“

Nach Babelsberg horcht der Indiefilmtalk in dieser Woche : In seiner Sonderreihe spricht der Podcast mit dem Rechtsanwalt Steffen Schmidt-Hug über seine aktuellen Fälle, den Zusammenschluss von „Wir sind Babelsberg“ und die Rechtslage für Produzenten und Filmschaffende in Zeiten von Corona. Auch aufSpotify und I-Tunes.

Zum Kurzarbeits-Tarifvertrag nimmt auch der Bundesverband Beleuchtung & Kamerabühne (BVB) Stellung. Zweierlei wollten wir wissen: Wie schätzen Sie den Kurzarbeit-Tarifvertrag ein? Und was raten Sie Ihren Mitgliedern, denen Kurzarbeit angeboten wird?
Die Antwort des BVB: „Grundsätzlich begrüßen wir die rasche Bearbeitung und Verfassung dieses krisenbezogenen Kurzarbeit-Tarifvertrags. Weitgehend möchten wir eine nachhaltige Politik unterstützen, die die wirtschaftlichen Schäden für die Arbeitnehmer und für die Unternehmen in Grenzen hält und somit für den Erhalt eines gesunden Filmgeschäftes nach Überwindung dieser Krise sorgt. In diesem Sinne möchten wir unseren Mitgliedern dazu raten, angesichts der aktuellen Lage eine Kurzarbeit-Beschäftigung in Betracht zu ziehen und diese im Zusammenhang mit dem jeweiligen Einzelfall zu bewerten.
Zwei Anmerkungen zu dem Kurzarbeit-Tarifvertrag möchten wir in diesem Rahmen hinzufügen:
Zu Paragraf 1.3, Anwendungsbereich: Es muss unmissverständlich und nachvollziehbar sein, dass ein Drehstopp nur in Folge der Corona-Krise und nicht aufgrund anderen Umstände stattfindet. Nur diese Drehstopps werden nach dem Kurzarbeit-Tarifvertrag behandelt. Schlussfolgend kann man sich nicht für Drehstopps vor Covid-19 oder beziehungsweise nach Überwindung der aktuellen Krise auf diesen Tarifvertrag beziehen. Für anderweitige Anwendungen bedarf dieser Vertrag eine nachträgliche und umfangreichere Bearbeitung. Zu Paragraf 7.2, Tarifgage: Im Prinzip begrüßen wir den vorgesehenen Zuschussbetrag zuzüglich zum gesetzlichen Kurzarbeitergeld. Allerdings weisen wir auch daraufhin, dass dieser Zuschussbetrag für die auf Produktionsdauer Beschäftigten nur bis zur Höhe der „Mindestgagen“ gemäß Gagentarifvertrag vom 29. Mai 2018 (beziehungsweise bis zur Beitragsbemessungsgrenze) gedeckelt ist.
Insofern berücksichtigt dieser Zuschuss keinerlei der erbrachten Qualifikationen und Erfahrung des Arbeitnehmers: der Eintrag in der Gagentabelle gilt in diesem Zusammenhang sogar als Ausschlusskriterium, weshalb man sich nicht mehr auf die individuell vereinbarte Gage beziehen kann (was dagegen für diejenigen Gewerke möglich ist, deren Position nicht in der Gagentabelle aufgeführt ist). Diese Mindestgagen liegen deutlich unter den durchschnittlichen marktbezogenen Mindestgehältern, welche wir seit Jahren für unsere Berufsbilder anfordern.“

Das Filmfest München wurde für dieses Jahr komplett abgesagt. „Andere Szenarien sind nicht umsetzbar“, erklärt die Festivalleiterin Diana Iljine – und warum man sich dennoch generell keine Sorgen um Festivals und das Kino machen müsse.Die Gala Ende Mai wurde abgesagt. Der „Bayerische Fernsehpreis“ soll in diesem Jahr trotzdem verliehen werden – „Sobald es die Umstände zulassen.“

Ein Wettbewerb für alle Kreativen – „in der Hoffnung, dass das Preisgeld, wenigstens einigen hilft“, beschreibt Sebastian von Wurmb-Seibel von Fisch Will Wurm Media den Plan: „Wir wollen mit dem Wettbewerb ausdrücklich Kreative aus allen Bereichen ansprechen: Schauspieler, Kameraleute, Redakteure, Sprecher, Autoren, Comedians, Musiker, Designer, Grafiker, Fotografen, aber auch alle Medienschaffenden aus anderen Bereichen. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang, dass wir mit er Aktion keinerlei kommerzielles Interesse verfolgen, sondern jeden Euro eins zu eins weiter geben werden.“
10.000 Euro sind für das beste Projekt ausgelobt. Als Juroren konnten bereits Til Schweiger und Dennis Gansel gewonnen werden. Alles weitere wird hier erklärt.

Wie geht’s in der Isolation? Das Branchenportal Casting Network lässt unter dem Hashtag #BeCreativeAtHome! Filmschaffende aus aller Welt zu Wort kommen. Ein Interview mit mit Volker Helfrich in Peking.

Wenn alles auf Stopp steht: Der Filmemacher Tanner Shinnick gibt in seinem BlogTipps, wie sich die Zeit nutzen lässt. Und was auch noch geht (auf Englisch) …

Was passiert eigentlich da draußen? Die Filmwerkstatt Münster koordiniert „ein kollektives Filmprojekt in sonderbaren Zeiten“. Wie und was gedreht wird, ist freigestellt. Mehr Informationen hier. 

„Jede Stimme zählt“ ist ein gemischter Chor aus Kreuzberg, der Regisseur Florian Gärtner singt mit. Auf Youtube zeigt er seinen neuen Kurzfilm, entstanden mit dem Chor in der Videokonferenz: ”Da wir uns wegen der Coronakrise nicht zum Singen treffen konnten, mussten wir uns was einfallen lassen“, schreibt Gärtner. Gegeben wird „Naturfilme“ von Fanny van Dannen, arrangiert von Heidi Kull.

Für die Krise wurde das Corona Short Film Festival geschaffen: Filmemacher aus aller Welt können ab heute ihre Werke einreichen, die in der Isolation entstanden und höchstens fünf Minuten lang sind. 1.500 Euro sind als 1. Preis ausgelobt.

Das Internationale Dokumentarfilmfestival Amsterdam zeigt Filme und Projekte im Gratis-Stream. Fast 200 Titel sollen außerhalb der Niederlande zu sehen sein.

Auch das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) kommt heuer online . „Stay Animated – Go Online with ITFS“ heißt es vom 05. bis 10. Mai 2020. Das Online-Festival ist in drei Bereiche unterteilt neben kostenpflichtigen Zuschauer- und Profiprogramm git es auch einen Gratis-Stream.

Wir melden uns morgen wieder. Es folgt unser Blog.

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Break on through to the other side!

Maß halten und Maß messen: Apokalyptiker & Integrierte: Gedanken in der Pandemie 11. Von Rüdiger Suchsland

„Made the scene/ Week to week/ 
Day to day/ Hour to hour/ 
The gate is straight/ Deep and wide“
 
The Doors

„Handeln, im Unterschied zum Herstellen, ist in Isolierung niemals möglich; jede Isoliertheit, ob gewollt oder ungewollt, beraubt uns der Fähigkeit zu handeln.“ 
Hannah Arendt, „Vita Activa“

Es wird nicht leichter. Drei Wochen im Ausnahmezustand. Ein soziales Experiment. Ein Stresstest. Solche Beschreibungen habe ich schon von Freunden gehört – alles Euphemismen. Denn im Grunde genommen ist dieser erzwungene Hausarrest, und Sozialarrest natürlich eine Form der Freiheitsberaubung. Mit der Gewalt des Rechts und den Mitteln der Staatsmacht: Geldstrafen, Anzeige, Haft, etc. Sie mag ja aus guten Gründen geschehen, sie hat bestimmt auch die Mehrheit der Bürger hinter sich. Aber Demokratie ist eben etwas anderes, als die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit, sie bleibt immer noch der Schutz von Minderheiten gegen die Gewalt und Willkür der Vielen. Und dass die Vielen mit ihrem Schutz und ihrer Gesundheit argumentieren, und die Mehrheit der Wissenschaftler hinter sich haben, ist hier kein Gegenargument. 
Es ist begründungspflichtig, Freiheit einzuschränken, und der Staat muss begründen, warum es, wenn es für Menschen angeblich gefährlich ist, sich außer Haus aufzuhalten, nicht genügt, all das auf freiwillige Basis zu stellen. Wer Angst hat, kann ja zuhause bleiben, und soziale Kontakte meiden. Klar: Das Gegenargument lautet, dass man die Anderen gefährdet. Ich komme mir schon antiquiert vor, alter weißer Mann und so, wenn ich hier auf Freiheit poche. Auf eine ganz schlichte, klassisch liberale (ich rede hier nicht von der FDP) Idee von Freiheit, die darunter zuallererst eine „Freiheit von“ versteht. Von Zwängen, von Lasten, von Regulierungen. 
Natürlich wird diese Freiheit auch ohne Pandemie tagtäglich eingeschränkt – und das ist gut so. Schulen, in denen Menschen gezwungen werden zu lernen, und zwar das, was alle anderen lernen, sind ebenso richtig, wie Benimmregeln und Verkehrsampeln (auch wenn beides kein Dogma ist und auch nicht so behandelt werden muss: Bei Rot darf man schon mal über die Straße gehen, wenn kein Auto kommt. Aber wenn ein Polizist einen dabei erwischt, muss man halt die Strafe zahlen. Auch das ist Lebensrisiko). 
Aber ab und zu, und vielleicht gerade jetzt muss man daran erinnern, was diese ursprüngliche Freiheit bedeutete, und dass sie im Prinzip etwas Schönes ist, und verteidigenswert. 
Es kommt zu Exzessen der Freiheitseinschränkung, und für diese Exzesse möchte ich sensibilisieren – denn wir stumpfen ab gegenüber Exzessen, die die Freiheiten der Menschen beschneiden, erst recht, wenn sie so niedlich ummäntelt werden, wie mit dem Argument hier gehe es um Gesundheit. Oder hier gehe es darum die alten Menschen zu schützen. Oder noch niedlicher: Oma und Opa. 
Es ist alles nicht so einfach, schon deshalb, weil es das Allermindeste ist, dass auch Oma und Opa das Recht haben, selber zu entscheiden, in welche Gefahr sie sich begeben. Das genau wird in den nächsten Wochen verschärft debattiert werden: Denn weil das Konzept gescheitert ist, die Seuche damit allein zu bekämpfen, dass man die Kurve abflacht – falls die je das Konzept der Regierung war – beginnt man sich jetzt ganz sachte und ohne es so zu formulieren, dem zunächst verfemten schwedischen Modell anzupassen. Peu a peu werden Geschäfte, Lokale und Schulen nach Ostern wieder geöffnet werden, Großveranstaltungen bleiben verboten, peu a peu wird man die Alten wegsperren. Pardon: sehr hässliches Wort. 
Man wird natürlich schönere Worte finden: Zum Beispiel „Umkehrisolation“. So nennen Fachleute die Isolation bestimmter gefährdeter Gruppen.

Diese Trennung der Alten und Gefährdeten von Rest der Gesellschaft wird kommen. Die einzige Frage, die wir als Gesellschaft zu debattieren haben, ist, wie sie kommt. Wie stark der Zwang sein wird. 
Ich bin ganz klar dafür, Alte und Gefährdete nicht zwangsweise zu isolieren. Nicht, wie es leider schon jetzt geschieht, Besuchsverbote auszusprechen, und Altersheime anzuschließen. Warum sollen alte Menschen – ich rede nicht von Demenzfällen – nicht das Recht haben, selbst zu entscheiden, was sie riskieren wollen? Wobei dieses Risiko selbst mit übe 80 Jahren höchst überschaubar ist: Es liegt für infizierte über 80-jährige bei 87 Prozent Überlebenschance.

Schon jetzt gibt es weitere absurde Szenarien. Es ist zum Beispiel absurd, Leuten zu verbieten, sich im Park oder auf eine Bank hinzusetzen. Alleine. Nur mit dem Argument, davon könnten sich andere ermuntert fühlen. 
Man muss sich die Argumentation noch mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen: Weil ein Vergehen, das man nicht will, das aber auch kein Schwerverbrechen ist, irgendwann in der Zukunft möglich sein könnte, verbietet man eine Handlung jetzt, die im Prinzip auch im Rahmen der Seuchen-Sonder-Gesetze erlaubt ist. 
Oder die Polizisten, die mit Zentimetermaß den Abstand zwischen Spaziergängern nachmessen. Leute! Wo leben wir? Da muss der Staat Maß halten, nicht die Bürger, für die dieser Staat da ist.

Meine Stimmung schwankt zwischen gutgelaunt und deprimiert, auch wenn ich gerade viel schreibe. Denn mein Schreiben ist ja nichts, was ich im dunklen Kellerloch tue. Das könnte ich schon, und es gibt Schlimmeres, als mit Büchern und Filmen und Internet in einem Turm eingeschlossen zu sein, wie Rapunzel, oder meinetwegen wie Montaigne. Aber Eingeschlossen ist eingeschlossen.
Sondern ich schreibe in Auseinandersetzung mit allem anderen. Mein Schreiben ist eine Weise, mir Welt anzueignen und mich mit Welt auseinanderzusetzen. Dazu gehört es andere zu treffen, herumzustreunen, im Café zu sitzen. Auch allein und fremden Menschen zuzuhören und zuzuschauen.
Bei aller Vernunft, die für jetzige Politik spricht, wächst doch die Sehnsucht nach dem Vermissten, nach der anderen Seite, nach der Unvernunft. Sie wird zunehmen, auch bei anderen und mit ihr die Bereitschaft, Risiken einzugehen, für sich und andere. Das ist alles ein wunderbares Thema fürs Schreiben, für Stoffe, erst recht postapokalyptische.
Mitunter habe ich Angst, dass der Zustand „vorher“ nicht zurückkommt, ein Zustand, den ich ja doch in seiner Luxusposition, die er für fast alle, für mich auf alle Fälle bedeutet. Aber es geht nicht um meinen privaten Luxus, sondern um öffentliche Freiheit. Um das Ende unregulierter Freizügigkeit für den Einzelnen, die ich befürchte. Sie war schon vorher im Vergleich zu früheren Zeiten begrenzt. Diese Begrenzung wird, fürchte ich radikal zunehmen…
Immerhin ist es ein gutes Thema, alles andere daran ist nicht lustig.

Brancheninfo von crew-united und cinearte, erschienen auf out-takes

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