Der Kruzifix-Vorstoß von Markus Söder

Markus Söder, Foto: Stefan Groß

Der neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat mit seinem Kruzifix-Vorstoß eine Debatte angestoßen, die viel über die Deutsche Nation aussagt. Aus dem grünen Lager hagelt es Kritik. Die Religion werde instrumentalisiert, die weltanschauliche Neutralität stehe auf dem Spiel. Doch Söder weiß genau, was er tut.

Seit Tagen wird der Bayerische Ministerpräsident Markus mit seinem Kruzifix-Vorstoß mit Hohn und Spott überzogen. Heftige Kritik kam dabei aus der grünen Multikulti-Ecke. So kritisierte Katrin Göring-Eckardt Söders Kruzifix-Pflicht als beschämend für Christen. „Das Kreuz ist keine heimelige Wand-Deko“, sondern wird für plumpes Wahlkampfgetöse missbraucht. Auch der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof kritisierte Söder und die Kreuzespflicht in allen staatlichen Behörden. Das Kreuz sei kein Symbol für Bayern „und erst recht kein Wahlkampflogo.“ „Wer im Geist des Kreuzes handeln will, der muss die Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns stellen, und zwar besonders die Menschen in Not.“ Nun ist beim Vorwurf des Bischofs kein Kausalzusammenhang zu erkennen denn Bayern ist sowohl in Sachen Flüchtlingskrise als auch bei der Integration Vorreiter.

Kirche kritisiert Kreuz-Vorstoß

Das ausgerechnet Kritik von Seiten der Kirche kommt, ist nicht nur befremdlich, aber vielleicht verständlich, wenn man sich an den Besuch von Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm am Tempelberg erinnert, wo die Kreuze einfach in der Tasche verschwanden, um religiöse Gefühle nicht zu verletzten. Der allgemein hervorgebrachte Vorwurf, Söder instrumentalisiere die Religion samt Kreuz und verletzte damit die Neutralität des Staates in Sachen Religionsfreiheit, bleibt absurd, denn Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Religionsfreiheit garantiert und dazu verpflichtet, weltanschaulich und religiös neutral zu sein, wird durch das Aufhängen von Kreuzen nicht tangiert. Weder wird dadurch das Kreuz auf ein kulturelles Symbol reduziert noch zum Symbol des Staates verklärt. Auch der Vorwurf einer „populistischen Symbol-Wahlkampfaktion“, wie sie der sonst umsichtige FDP-Chef Christian Lindner in den aufgewühlten Diskurs wirft, mag nicht tragen, sondern eher befremden. Wie groß muss die Illusion denn sein, um mit dem Kreuz eine Landtagswahl zu gewinnen?

Der neue Ministerpräsident selbst lässt sich durch den anschwellenden Gesang der Kritiker nicht aus dem Schritt bringen. In Sachen Kruzifix bleibt er unnachgiebig. Er weiß eben um die Kraft des Symbolischen – anders als seine Gegner, die ihn hier deutlich unterschätzen. Traurig nur, dass Söders Kreuzesvorstoß zum leidigen Kreuzweg des Ministerpräsidenten selbst wird, der im aufbrechenden Kulturkreuzkampf zum letzten Verteidiger des Christentums avanciert.

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Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz, Magister und DEA-Master (* 5. Februar 1972 in Jena) ist ein deutscher Philosoph, Journalist, Publizist und Herausgeber. Er war von 2017 bis 2022 Chefredakteur des Debattenmagazins The European. Davor war er stellvertretender Chefredakteur und bis 2022 Chefredakteur des Kulturmagazins „Die Gazette“. Davor arbeitete er als Chef vom Dienst für die WEIMER MEDIA GROUP. Groß studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte in Jena und München. Seit 1992 ist er Chefredakteur, Herausgeber und Publizist der von ihm mitbegründeten TABVLA RASA, Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeitete und dozierte er ab 1993 zunächst in Praktischer und ab 2002 in Antiker Philosophie. Dort promovierte er 2002 mit einer Arbeit zu Karl Christian Friedrich Krause (erschienen 2002 und 2007), in der Groß das Verhältnis von Metaphysik und Transzendentalphilosophie kritisch konstruiert. Eine zweite Promotion folgte an der "Universidad Pontificia Comillas" in Madrid. Groß ist Stiftungsrat und Pressesprecher der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung. Er ist Mitglied der Europäischen Bewegung Deutschland Bayerns, Geschäftsführer und Pressesprecher. Er war Pressesprecher des Zentrums für Arbeitnehmerfragen in Bayern (EZAB Bayern). Seit November 2021 ist er Mitglied der Päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice. Ein Teil seiner Aufsätze beschäftigt sich mit kunstästhetischen Reflexionen und einer epistemologischen Bezugnahme auf Wolfgang Cramers rationalistische Metaphysik. Von August 2005 bis September 2006 war er Ressortleiter für Cicero. Groß-Lobkowicz ist Autor mehrerer Bücher und schreibt u.a. für den "Focus", die "Tagespost".