Startschuss für das neue KONZERTHAUS MÜNCHEN

(C) OMNIS TERRA MEDIA Von links Architektenteam Cukrowicz Nachbaur ZT, Bregenz, Staatsministerin Marion Kiechle, Ministerpraesident Markus Soeder, Staatsministerin Ilse Aigner

Wenn gleich zu Beginn des feierlichen Empfangs für das neue Konzerthaus München im Prinz-Carl-Palais von der Lebensqualität in München die Rede ist, dann fühlt man sich erinnert an den Brief von Cosima von Bülow-Liszt an König Ludwig II., verfaßt am 19. September 1865. Darin beschreibt sie mit poetischen Worten ihren Spaziergang mit Richard Wagner und dem Architekten Gottfried Semper entlang der Isar – flüssig gewordener Smaragd – zum gewählten Ort des geplanten Festspielhauses. Im finanzpolitischen Hickhack kam dieser Bau erst gar nicht zustande. Mit ähnlichen Parametern, aber doch ganz anders stellt sich die Situation heute dar.

Über 150 Jahre später hat es zwar auch ein zähes Ringen um den neuen Musentempel gegeben, aber nun liegt das Ergebnis von Quartiers- und Stadtentwicklung auf höchstem Niveau im Werksviertel vor: Alle haben an einem Strang gezogen, Staatskanzlei, zwei Ministerien, der Bayerische Landtag, die Landeshauptstadt München und eine Reihe von Förderern und Mäzenen, die Stiftung Konzerthaus München und der Konzertsaalverein.

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Im Klartext mit eindeutiger Zielvorgabe heißt das: Der große Konzertsaal im Herzen des Gebäudes soll dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein klangvolles, neues Zuhause geben. Junge, musikbegeisterte Menschen sollen mit der Hochschule für Theater und Musik in das Konzerthaus einziehen. Auch die Freien Konzertveranstalter werden ein wesentlicher Bestandteil der neuen Spielstätte für 2600 Besucherinnen und Besucher sein. So drücken Ministerpräsidenten Markus Söder und die beiden Ministerinnen Marion Kiechle und Ilse Aigner voller Elan den roten Knopf für die nächsten Planungsschritte. Gewonnen haben die Ausschreibung die österreichischen Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT, die als junges Team mit Anton Nachbaur-Sturm in einer flammenden Rede um das Vertrauen aller Beteiligten werben. Musik soll lebendig vermittelt werden und München in der musikalischen Champions League an der Spitze national wie international stehen. Für die erlesenen Musikerlebnisse sollen Drittmittel erfolgreich eingeworben werden. Und dies ertönt als Echo auf den sich ständig wiederholenden Überlebenskampf in der Kunst – und Kulturwelt. Wenn nun Ministerpräsident Söder die Bedeutung solcher Investitionen für die Menschen aktuell herausstellt, dann hat er allen Anwesenden aus der Seele gesprochen. Man kann es kaum erwarten, daß es los geht. Welche strategischen Vorteile solch ein Engagement mit sich bringt, lässt sich an der Dynamik der Reden und dem beinahe ungewohnt wirkenden Tatendrang der Drahtzieher erkennen. „In Bayern geht’s voran“. Der erfolgreiche Start unter weißblauem Himmel gleicht dem Stimmungsbarometer, das die Kraft des beflügelnenden Teamgeistes dokumentiert.

Dazu gehört eigentlich die Anerkennung eines großen fast vergessenen Meisters, ohne den es in München sicher nicht diesen Zeitgeist in seiner berauschenden Fülle gäbe. Es ist der Dirigent, Komponist und Kulturmanager Hermann Levi, der mit König Ludwigs II. München auch als musikalischen Leuchtturm zum Glänzen brachte.

Nach der nationalsozialistischen Verdrängung von Hermann Levi aus der Münchner, bayerischen und internationalen Musikgeschichte und nach der Zerstörung seines Mausoleums in Garmisch-Partenkirchen wäre es eine „Wiedergutmachung“, in der Adresse des neuen Konzerthauses München oder via multimedialer Ausstellung an den einst berühmten und wegweisenden Dirigenten der Uraufführung des Parsifals zu erinnern.

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Über Angelika Weber 24 Artikel
Angelika Weber, M.A., studierte Bayerische Geschichte, Anglistik, Theaterwissenschaft, Philosophie und Geschichte der Medizin. Sie arbeitet mit nationalen und internationalen TV – Anstalten zusammen. 1997 erhielt sie für ihre Film- und Dreharbeiten das Bundesverdienstkreuz.