Die SPD ordnet ihre Mitgliedschaftskonditionen neu: Verbitterung ist ein Ausschlußgrund

SPD Logo, Foto: Stefan Groß

Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, kann das Wasser nicht halten. Noch konnte er Thilo Sarrazins‘ Buch „Feindliche Übernahme“ nicht lesen und doch weiß er schon genau, dass das Buch ein Sarrazin-Ausschlußgrund ist. Die Grundlagen seiner Überlegungen, sofern es tatsächlich Überlegungen sind, sind für Lars Klingbeil Sarrazins „Verbitterung“, dessen „Gewinnstreben“ und „absurde“ Thesen. Damit betritt die SPD in Person ihres Generalsekretärs parteienstatuarisches Neuland:

– Angenommene Charaktereigenschaften zur Beweisaufnahme erinnern an den „Hexenhammer“ des 15. Jahrhunderts. Das Gottesurteil scheint auch schon festzustehen: Frau Merkels öffentlich-rechtliche Meute steht Lars Klingbeil tapfer wie Weiland Kurt Hagers Ideologietruppen bei.

– „Gewinnstreben“ war der SPD bis vor kurzem nicht fremd. Zum Glück. Marktwirtschaftliches Verständnis war immer ein Teil des SPD-Erfolgs. Warum nun ausgerechnet Thilo Sarrazin auf Gewinnstreben verzichten soll, nur weil die SPD Ferdinand Lassalle zu vergessen gewillt scheint, das können vielleicht nur noch Psychiater klären helfen.

– „Absurde Thesen“ sind genauso lange zumindest Rufmord, bis diese Thesen wissenschaftlichen Prüfungen nicht standhalten. Soweit ist es aber noch nicht und es steht sehr infrage, ob solch‘ ein Prädikat am Ende verliehen wird. Sarrazin hat sich beim Schreiben wissenschaftlich beraten lassen. Sagt er. Sein kürzlicher Erfolg vor Gericht gegen seinen bisherigen Verlag gewann er jedenfalls auch mit dieser Aussage. Die SPD sollte also vorsichtig sein. Die Blamage von 2011 ist noch nicht vergessen.

Wem „gehört“ eigentlich die SPD? Natürlich den SPD-Mitgliedern. Sie gehört nicht dem Vorstand, nicht dem Generalsekretär, nicht dem Juso-Vorsitzendem, nicht Thilo Sarrazin, selbstverständlich auch nicht mir. Das wäre ja noch schöner. Einem SPD-Konkurs beiwohnen genügt mir, mein eigener Konkurs muss es nun nicht noch werden.

Um es festzuhalten, die SPD gehört ihren Mitgliedern und sonst niemandem!

Fragen wir doch die Mitglieder, die sich vor Ort quälenden Sozialdemokraten, ob Sarrazin raus muss oder ob nicht vielleicht in schleichendem Prozess über mehrere Jahre die SPD inzwischen aus der SPD ausgetreten ist? Denn, wenn ich mir Willy Brandts‘ Anwerbestopp von Ausländern oder Helmut Schmidts Warnung „Wer die Zahlen der Muslime in Deutschland erhöhen will, nimmt eine zunehmende Gefährdung unseres inneren Friedens in Kauf.“ so ansehe, dann sind SPD und SPD zwei Paar Schuhe.

Ziehe ich noch den linken Sozialdemokraten Martin Neuffer ( „Die Reichen werden Todeszäune ziehen“) zu Rate, dann bleibt der SPD nur noch, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Martin Neuffer nach Chemnitz umzutopfen.

Hat die SPD tatsächlich angesichts ihres grandiosen Versagens seit 2015 keine anderen Sorgen? Muss die eigene Basis wirklich völlig zerlegt werden? Muss die SPD wirklich und wahrhaftig einen Sozialdemokraten alter Schule im Zuge einer hysterischen Stimmungsmache „hinrichten“ ohne sich mit dessen Buch inhaltlich auseinanderzusetzen? Weiß die SPD nicht, wie nahe sie auf diese Weise der Ulbricht- und Honecker-SED auf den Pelz rückt?

Die SPD ist eine Partei der Freiheit, auch der Gedankenfreiheit! Sage ich mal so dahin – ohne Nachzudenken. So wie es mein Generalsekretär mir ja vormacht.

Mein Rat an Thilo Sarrazin: Lassen Sie den Rechtsstaat arbeiten und eventuelle Ausschlußverfahren über sich ergehen. Am Ende steht nach den Parteigerichten die weltliche Gerichtsbarkeit in Form eines Prozesses vor einem ordentlichen Gericht.
Wetten, dass die SPD hier wieder eine lange Nase ziehen darf? Außerdem will die gesamte Öffentlichkeit an ihrem Beispiel wissen, was Parteien dürfen und was sie nicht dürfen. Und das lohnt den Schweiß der Edlen allemal.

 

Gunter Weißgerber   

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