Der Pakt von Mekka verändert die Machtverhältnisse – Pakistan, Türkei und Saudi-Arabien rücken zusammen

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Ein Angriff auf einen soll künftig als Angriff auf alle gelten. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben einen gemeinsamen Verteidigungspakt geschlossen. Von einer „islamischen NATO“ zu sprechen, wäre dennoch voreilig. Aber gerade für Indien und den Nahen Osten ist das Bündnis strategisch bedeutsam.

Am 7. August unterzeichneten der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif in Mekka ein bemerkenswertes Abkommen.

Der Mecca Joint Defence Agreement bestimmt, dass ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Vertragsstaaten als Angriff auf alle betrachtet werden soll. Reuters und AP bestätigten die entsprechende gegenseitige Verteidigungsklausel. Das erinnert zwangsläufig an Artikel 5 des NATO-Vertrags. Trotzdem sollte man die inzwischen gebräuchliche Bezeichnung „islamis che NATO“ mit Vorsicht verwenden.

Noch keine zweite NATO

Zum einen sind die militärischen Verpflichtungen des neuen Paktes weniger genau definiert. Reuters wies unmittelbar nach der Unterzeichnung darauf hin, dass zunächst offenblieb, welche konkrete militärische Unterstützung die drei Staaten im Ernstfall tatsächlich leisten müssen.

Zum anderen unterscheiden sich ihre Interessen erheblich. Die Türkei ist NATO-Mitglied und verfügt über das zweitgrößte Heer des Bündnisses. Saudi-Arabien ist seit Jahrzehnten eng mit den USA verbunden. Pakistan wiederum ist eine Atommacht mit einer besonderen sicherheitspolitischen Beziehung zu China.

Die South China Morning Post zitierte deshalb Experten, die den Vertrag ausdrücklich als noch weit entfernt von einem NATO-ähnlichen Militärbündnis einschätzen. Unterschiedliche strategische Interessen und eine bislang nur begrenzt ausgearbeitete gemeinsame militärische Struktur seien erhebliche Hindernisse.

Gleichwohl wird der Pakt konkretisiert. Reuters berichtete am 13. August über Pläne für politische und militärische Koordinierungsmechanismen sowie gemeinsame Übungen zu Land, zu Wasser, in der Luft und im Cyberraum. Auch Kooperation bei Drohnen, elektronischer Kriegsführung, Künstlicher Intelligenz und Rüstungsproduktion ist vorgesehen.

Indien blickt auf Pakistan

In Neu-Delhi wird besonders die pakistanische Rolle beobachtet. Die SCMP berichtet, indische Analysten beschäftige die Frage, ob Islamabad den Vertrag nutzen könnte, um sein sicherheitspolitisches Netzwerk mit weiteren muslimisch geprägten Staaten auszubauen.

Türkische Regierungsvertreter erklärten unterdessen, der Vertrag richte sich nicht gegen Iran oder irgendein anderes bestimmtes Land. Außenminister Hakan Fidan bezeichnete ihn als defensives Instrument. Zugleich wurde die Möglichkeit weiterer Mitglieder nicht ausgeschlossen. Associated Press berichtete, dass etwa Ägypten als möglicher Kandidat genannt wurde.

Der Pakt entsteht inmitten einer außergewöhnlich angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten. Reuters sieht darin auch den Versuch Saudi-Arabiens, seine Verteidigung stärker über regionale Partnerschaften abzusichern.

Ob daraus langfristig ein institutionell starkes Bündnis wird, ist offen. Gerade deshalb sollte man es weder kleinreden noch größer machen, als es derzeit ist.

Die Fakten reichen schon aus: Eine Atommacht, ein NATO-Mitglied mit einer großen Armee und die wichtigste Golfmonarchie verpflichten sich erstmals gemeinsam zu gegenseitiger Verteidigung. Das allein verändert die strategische Rechnung in einer Region, in der Sicherheitsgarantien bisher überwiegend von den Vereinigten Staaten abhängig waren.