Faktencheck: Wo Sarrazin irrt: Der misslungene Faktencheck

Rote Ampel, Foto: Stefan Groß

In der der Aachener Zeitung, die da aufgekauft nun überregional unter verschiedenen Namen erscheint (was nicht zufällig an Asylsuchende erinnert, die an verschiedenen Orten unter verschiedenen Namen gemeldet sind), wird ein philosophischer (sic!) Text propagiert. Er wird gemäß dem durchschnittlichen Leser in einfachen Worten geschrieben und nennt sich einfach und plakativ:

Faktencheck: Wo Sarrazin irrt

Es behandelt das neueste Buch des bekannten SPD-Mitgliedes Thilo Sarrazin „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht “, welches mit geringer Verspätung am 28.08.2018 erscheint.

Zuvor: Ich habe nicht das ganze Buch gelesenen, sondern nur Teile des 1. Kapitels, soweit Amazon das kostenlose Herunterladen erlaubt. Trotzdem kann ich niemandem empfehlen, das Buch zu kaufen oder es zu lesen. Sarrazins Text ist – freundlich ausgedrückt – durchsetzt von Ungenauigkeiten, die auf wundersamer Weise Sarrazin zu richtigen Schlüssen verleiten. Insbesondere ist es eine vergebliche Mühe, den Koran in Deutsch, selbst in der (genialen?!) Übersetzung von Rudi Paret zu studieren, der in der Hitlerzeit ein artiger NS-Gefolgsmann und Judenhasser gewesen ist. Denn der Koran erschließt sich nur im Arabischen Original, wobei das Original mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Aramäisch mit alt-arabischen Buchstaben geschrieben worden ist.

Nach Wikipedia lautet die Definition von Faktencheck wie folgt:
Der Faktencheck bezeichnet ein journalistisches Konzept, das eine Aussage anhand von nachprüfbaren, rationalen und objektiven Fakten überprüft. Diese Definition ist immer wahr, da eine Tautologie, kurz gefasst: Faktencheck ist Fakten checken!

Der Leser wird nun auf den Aachener Zeitungsartikel gespannt sein, da eine solche anspruchsvolle Arbeit des Faktenchecks Wald- und Wiesen-Journalisten nicht zuzutrauen ist. Der „ Faktencheck“ beginnt mit folgenden Worten:

Der Ex-Bundesbanker hat ein neues Buch veröffentlicht. „Feindliche Übernahme“ wimmelt von unwahren Tatsachenbehauptungen, Widersprüchen und Küchenpsychologie.

Mit diesem Hinweis werden die Wald- und Wiesen-Journalisten die Verkaufszahlen des Buches in die Höhe treiben. Mit Küchenpsychologie ist der langjährige Leser der Aachener Zeitung vertraut. Wenn man die Fakten nicht kennt, ist ein Faktencheck sinnlos. Man sollte folglich, um die Fakten zu kennen, das interessante Buch Sarrazins käuflich erwerben und anschließend lesen, obwohl das Buch nicht empfehlenswert ist. Somit stoßen wir bereits jetzt auf den wichtigsten Widerspruch des Sarrazin-Buches.

Journalisten kennen keine Fakten. Diese werden ihnen vorgekaut und zensiert übermittelt, damit sie sie verbreiten. Journalisten sind keine Gesinnungsschreiber, sondern praktische Menschen! Außerdem leben wir auch Dank der Journaille in einer Zeit, in der Fakten keine Rolle mehr spielen. Entscheidend sind Fake-News, die meist von Journalisten kreiert werden (s. Chemnitz). Jeder Naturwissenschaftler und jeder Philosoph weiß, dass heutige Fakten schon morgen Makulatur sein werden.

Hier eine Auswahl der „besten“ Faktencheck-Argumente, die in Schrägschrift erscheinen. Sarrazins Behauptungen erscheinen als Überschrift in Fettschrift.

Der Islam ist eine Gewaltideologie im Gewand einer Religion.

Das stimmt mit Sure 2,191: „Kämpft gegen sie und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft“, heißt es im Koran zum Kampf gegen Nichtmuslime. Nun sind Gewaltexzesse auch in der Bibel – insbesondere im Alten Testament – keine Seltenheit. Dennoch ist das Christentum eine Friedensreligion. Es kommt also auf die Lesart an. Wer die Texte buchstabengetreu auslegt, wird der Gewalt nahestehen. Jede historische Lesart stellt die Anweisungen in den geschichtlichen Zusammenhang. Denn oft sind es Antworten auf Fragen der damaligen Zeit. Darum: Wie kann ein verorteter Text in arabischer Sprache aus dem 7. Jahrhundert für alle Orte und zu allen Zeiten gültig sein?

Das Alte Testament in seiner unveränderbaren hebräischen Form gehört nicht zum Christentum, sondern dem Judentum. Das christliche Neue Testament kennt ebenfalls Gewaltexzesse, so die Kreuzigung des Juden Jesus, damit er Teil der Dreieinigkeit wird. Die barbarische Kreuzigung des künftigen christlichen Gottes richtet sich gegen einen Juden! Mohammed, den es so nie gegeben hat, ruft hingegen nur wenige Jahrhunderte später dazu auf, die anderen, die ihm nicht folgen und nicht gehorchen, zu massakrieren und ihn, Mohammed, zu verschonen. Deshalb gilt das Christentum als Friedensreligion, der Islam, eigentlich der Mohammedanismus, als Gewalt- und Kriegsreligion.

Die Frage, warum ein Text in arabischer Schrift aus dem 7. Jahrhundert oder auch einige Jahrhunderte später überall und immer gültig ist, ist dürfen Ungläubige stellen. Die offizielle islamische Antwort lautet: Weil Allah es so will! Hoffentlich lesen keine gläubigen Muslime diesen islamfeindlichen Artikel der AZ. Ist die Strafe durch Allah und seinen wahren Gläubigen den Journalisten bekannt? Sie, die Journalisten, sind nun gewarnt und können noch ihre Blasphemie, auf die die Todesstrafe steht, bereuen! Ich empfehle den verantwortlichen Journalisten, die den Artikel mit Namen gekennzeichnet haben, islamische Staaten und islamische Bezirke in Deutschland großräumig zu umfliegen und umfahren. Ein lebenswichtiger Tipp: Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, welches nicht islamisch dominiert ist.

Dem Islam wohnt die Gefahr inne, dass sich seine Sicht auf die Gesellschaft bei allen Muslimen durchsetzt.

Zwei Denkfehler finden die Journalisten. Zum einen wird vorausgesetzt, dass der Islam keine spirituelle, sondern eine Gesetzesreligion ist, die auch das gesellschaftliche Leben der Gläubigen regelt. Zum anderen unterstellt Sarrazin, dass es nur eine Sicht des Islams gebe. Gerade die Vielschichtigkeit der Lehre des Islams kennzeichnet die Religion.

Der Islam ist eine typische Gesetzesreligion, typischer noch als das Judentum! Der Muslim, der dies verneinen wollte, sollte vor den wahren Anhängern Mohammeds auf der Hut sein! Nur nebenher ist der Islam eine spirituelle Religion. Die penible Einhaltung der Gesetze der Scharia, die jeder Gläubige blind aufsagen kann, ist das Alif und Ta der von Allah über Mohammed, dem allerletzten Propheten, an die Gläubigen übermittelten Befehle.

Es gibt nur eine Sicht des Islams. Diejenigen, die weitere Sichtweisen suchen und finden, sind keine Muslime und werden aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgestoßen. So wird die Ahmadiyya von den anderen Muslimen nicht in den Religionen-Dialog aufgenommen, den es in vielen deutschen Städten gibt, da Ahmadiyya-“Muslime“ nicht an Mohammed als letzten Propheten glauben. Es gibt starke Ähnlichkeiten zwischen dem Islam und dem Katholizismus.

Der heute gelebte Islam ist mit westlichen Werten nicht vereinbar; Fundamentalisten sind auf dem Vormarsch.

Es existieren also Säkularisierungstendenzen im Islam wie im Christentum. Diese Entwicklungen sind derzeit dort am stärksten, wo der religiöse Druck und die Bevormundung am größten sind; beispielsweise im Iran. Viele Muslime wollen nicht permanent über ihre Religion definiert werden. Der Glaube ist Teil ihres Lebens, aber eben nicht das ganze Leben.

Ein säkularer Islam ist kein Islam, ein säkularer Muslim ist kein Muslim!

Was ein säkulares Christentum sein soll, erkennt der Sehende an den leeren Kirchenbänken außerhalb Weihnachten. Im Iran soll es eine ausgeprägte Säkularisierung geben? Gibt es in der gesamten Mannschaft der Aachener Zeitung keinen Journalisten, der aus eigener Anschauung über den Iran wahrheitsgemäß berichten kann? Auch im Gazastreifen herrscht ein starker islamistischer Druck durch Hamas. Nach der Logik der Journalisten müsste es im Iran und im Gazastreifen starke Säkularisierungstendenzen geben!? Zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Wir wollen gerne glauben, dass viele Muslime nicht permanent über ihre Religion definiert werden wollen. Wer will das schon? Doch was hat dies mit dem hervorgehobenen Real Fakt Sarrazins zu tun, dass der heute gelebte Islam mit westlichen Werten nicht vereinbar ist und dass Fundamentalisten auf dem Vormarsch sind? Bisher erfahren wird mehr über die Aachener Faktenchecker als über den real existierenden Islam. Sicher interessant, dennoch Themaverfehlung.

Aus islamischen Staaten kommen keine Impulse für den Fortschritt der Menschheit.

In der Tat haben Muslime – einst Träger einer Hochkultur – führende Positionen in der Welt eingebüßt. Und es gibt erbarmungslose Expertisen dazu wie jene des Philosophen Peter Sloterdijk, wonach der Islam „bisher wenig vorzuweisen hat, was ihn befähigte, die technologischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Existenzbedingungen für die Menschheit des 21. Jahrhunderts kreativ fortzubilden“. Vor allem fehlt dem Islam eine Aufklärung, durch die hindurch das Christentum im 18. Jahrhundert seinen Weg finden musste. Allerdings gibt es Kräfte innerhalb des Islam, die genau diese Aufklärung vorantreiben. Etwa der Münsteraner Theologe Mouhanad Khorchide. Zudem sei daran erinnert, dass die katholische Kirche noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Religionsfreiheit und andere Menschenrechte nicht anerkannte.

Die Behauptung Sarrazins, dass aus islamischen Staaten keine Impulse für den Fortschritt der Menschheit kommen, wird von den Faktencheckern bestätigt. Der Grund mag die fehlende Aufklärung sein, was aber gleichgültig ist Betreff der fettgedruckten These Sarrazins. Hat es in China oder Japan im 18. Jahrhundert eine Aufklärung gegeben? Fakt ist, was jeder unvoreingenommener Faktenchecker bezeugen wird, dass Japaner und Chinesen sehr wohl die gesamte menschliche Zivilisation voranbringen. Muslime sollten sich eine andere Ausrede ausdenken, warum sie den zivilisatorischen und technischen Fortschritt bekämpfen, nur weil sie der altvorderen Vergangenheit anhängen.

Dass der Münsteraner Theologe Mouhanad Khorchide als einzige Ausnahme der erhabenen Regel erwähnt wird, ist zwar traurig, entspricht leider nicht der ganzen Wahrheit. Er treibt nicht nur die Aufklärung des deutschen Islams voran, sondern übt sich zuweilen im islamischen Täuschen (Taqiyya), was für sein Fortkommen notwendig und nachweisbar ist.

Zuletzt spielt es überhaupt keine Rolle, was die Katholische Kirche noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts nicht oder ja anerkannt hat. Sarrazins Thesen betreffen den Islam, auch wenn es im Katholizismus nach Meinung der Aachener Journalisten ähnlich zugehen mag.

Muslime sind schuld an der Abnahme der kognitiven Fähigkeiten in Europa.

Sarrazin verknüpft die Religionszugehörigkeit mit dem Bildungsgrad. Dass Schüler mit Migrationshintergrund bei Pisa-Studien schlechter abschneiden, belegt für ihn, dass der Islam die Leute dumm macht. Das ist unzulässig und falsch. Richtig ist, dass Kinder mit Migrationshintergrund etwa an Gymnasien unterrepräsentiert sind. Das liegt aber am „sozioökonomischen Hintergrund“ der Eltern und an der Sprache. Die Religion spielt keine Rolle.

Araber, vor allem wenn sie Muslime sind, sind nach Meinung der Aachener Journalisten nicht sprachbegabt (fehlender sozioökonomischer Hintergrund). Japanische, russische, spanische Kinder mit Migrationshintergrund sind in deutschen Gymnasien wohl repräsentiert. Folglich macht die Religion dumm oder nur dumme Muslime wandern in Deutschland ein bzw. zu. Das erklärt den Weg anderer Migranten, die erfolgreich sein können, wenn sie keine Muslime sind. Irgendwie reicht die journalistische Argumentation an Rassismus heran, auch wenn der Islam keine Rasse ist. Denn selbstverständlich sind Kinder nicht deshalb dumm, weil sie Muslime sind! Kinder verdummen, weil die genossene Erziehung dumm macht!

Die Einwanderung von Muslimen nach Europa muss verboten werden.

In Deutschland gilt das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte und in Europa das Recht auf Freizügigkeit. Beides verhindert, dass Sarrazins Traum Realität wird. Das Asylrecht sei zum Einfallstor für illegale Migration verkommen, behauptet er, was freilich ein Widerspruch in sich ist. Wem das Asylrecht gewährt wird, der ist auch nicht illegal im Land.

Sarrazin schlägt ein Verbot vor, dass momentan weder in Deutschland, noch in der EU juristisch durchsetzbar ist. Ist deshalb seine Forderung falsch? Staaten ändern sich, verschwinden, wenn sie sich nicht an den Realitäten orientieren. Vor gar nicht langer Zeit wird den europäischen Juden das Menschsein abgesprochen, obwohl dies in den Verfassungen verschiedener Staaten Europas nicht vorgesehen ist. Hat Deutschland daraus gelernt? Heute werden Meinungen von Lesern propagiert, die Israel und somit seine Juden das Existenzrecht abstreiten. Auch die Aachener Zeitung mischt fleißig mit, indem sie antisemitische Leserbriefe verbreitet. Warum soll es Muslimen in der Zukunft in Deutschland und in der EU besser ergehen? Weil sie keine Juden sind? Weil nur Juden drangsaliert werden dürfen?

Das Asylrecht sei zum Einfallstor für illegale Migration verkommen, behauptet er, was freilich ein Widerspruch in sich ist.“
Ich empfehle den Journalisten, es beim Faktenchecken zu belassen. Sprache ist nicht jedermanns Sache.

Wem das Asylrecht gewährt wird, der ist auch nicht illegal im Land.“
Ich empfehle den Journalisten, nicht auf inhaltsleere Formalismen zu beharren, stattdessen eine anständige Zeitung zu lesen.

Zusammenfassung: Setzen 6! Doch wir wollen gnädig sein. Irgendwelche für Schulen zuständige Konferenz hat beschlossen, bei der Schulnotenvergabe den gesellschaftlichen Hintergrund der Schüler zu berücksichtigen. Dann eben 5, mangelhaft!

 

 

Das könnte interessant sein Powered by AdWol Online Werbung

Der gebrochene Gesellschaftsvertrag

Der Bürger eines demokratischen Staates zahlt Steuern und bekommt dafür vom Staat Vorsorge, Sich...

Österreich wieder in den Mittelpunkt stellen

https://www.facebook.com/sebastiankurz.at/videos/410780549622151/ Sebastian Kurz Wir haben...

Der Sieger Erdoğan

Die Türkei ist Mitglied der NATO, selbst dann, wenn sie eine eingeschränkte Demokratie ist. Desha...

Nathan Warszawski
Über Nathan Warszawski 373 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.