Hat EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier das Wuhan-Labor mitfinanziert?

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Brisante Nachrichten kommen derzeit aus englischen Medien. Dort wir unter Bezug auf Insiderquellen der EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier verantwortlich für den Aufbau des Wuhan-Virus-Labor gemacht. Maßgebend unter dem Franzosen wurde der Ausbau des berüchtigten Labors, aus dem möglicherweise der Coronavirus stammt, angeschoben.

Seit dem Coronaausbruch wird heftig darüber diskutiert, woher das Virus stammt: vom Wildtiermarkt in Wuhan oder aus dem dortigen Labor? Seit es pandemische Ausmaße angenommen hat, entzweit die Suche nach den Ursprüngen des Virus die Trump-Administration und die chinesische Regierung. Gegenseitige Schuldvorwürfe stehen auf der Tagesordnung.  Unterdessen spekulieren englische Medien darüber, welche Rolle Frankreich und Brexit-Unterhändler Michel Barnier beim Aufbau des Wuhan-Labor gespielt haben.

Michel Barnier, der EU-Chefunterhändler koordiniert in Brüssel gerade den geordneten Brexit. Selbst wenn Barnier ein Mann der Mitte ist, bleibt ein weicher Brexit derzeit wohl eher eine Illusion. Die Fronten zwischen Frankreich und der Downing Street sind mehr denn je verhärtet. Boris Johnsons unverantwortliches Vorgehen bei der Bewältigung des Coronavirus haben die Gräben zwischen den beiden Ländern am Ärmelkanal noch vertieft. Johnson setzte zuerst auf Herdenimmunität und spielte die Gefahr des Virus herab. Ganz anders agierten die Franzosen, die frühzeitig Sicherheitsmaßnahmen im Kampf gegen die Pandemie errichteten und für einen strengen Lockdown plädierten. Nur zwei Parallelen gibt es derzeit noch zwischen Johnson’s England und Barniers Frankreich. Beide Politiker waren die ersten Opfer des Coronavirus und in beiden Ländern wütet das Virus mit einer überproportionalen Sterberate.

Nun holt Barnier das Thema Corona wieder ein. Wie mehrere englische Zeitungen, darunter der „The Telegraph“, „Daily Mail“ und „Express“ mit Berufung auf Insider des französischen Außenministeriums berichten, hatte Barnier den Bau des Wuhan-Virus-Labors als damaliger französischer Außenminister im Jahr 2004 abgezeichnet, bzw. den Kooperationsvertrag mit den Chinesen unterzeichnet. Das Wuhan-Labor wäre damit ohne die finanzielle Unterstützung der französischen Regierung samt Spitzentechnologie unmöglich gewesen. Dies ist umso brisanter, da das chinesische Labor immer wieder beschuldigt wird, das Coronavirus bewusst entwickelt und dadurch eine globale Pandemie ausgelöst zu haben. Fast beschwörend demgegenüber versichert Wang Yanyi, Direktor des Wuhan-Instituts für Virologie, dass die Wissenschaftler an keinem der Stämme geforscht hätten, die für die Corona-Pandemie verantwortlich gewesen seien. Auch Vorwürfe des US-Präsidenten, dass das Virus aus dem Labor entwichen sei, werden aus Wuhan strikt dementiert. Doch eine dunkle Wolke hängt über dem Wuhan-Labor und der chinesischen Regierung, die sich nach wie vor weigern, ausländischen Wissenschaftlern den Zugang zu gewähren. Aber auch die Franzosen, die derzeit von den Briten hart attackiert werden und mit ihren Medien eine aggressive Stimmungsmache gegen Emmanuel Macron fahren, rücken so in den Fokus, China unnötige Unterstützung bei der Entwicklung möglicher Biowaffen geleistet zu haben.

Ursprünglich war das Labor zur Bekämpfung des SARS-Virus gedacht

Michel Barnier, der nach einer Kabinettsumbildung Jean-Pierre Raffarins Nachfolger von Dominique de Villepin 2004 Außenminister wurde und in dieser Funktion nur ein Jahr im Amt war, ist mit der finanziellen Mitförderung des Wuhan-Laborprojektes in die Fußstapfen des ehemaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac getreten. Der später wegen illegaler Parteifinanzierung angeklagte Gründer der Partei „Rassemblement pour la République“, Chirac, drängte nach dem SARS-Ausbruch im Jahr 2003 zur Gründung eines Instituts im Kampf gegen Pandemien. So  etwas wie SARS, das sich schon damals über 26 Länder ausbreitete und für fast 800 Tote verantwortlich war, sollte sich nicht mehr wiederholen.

Doch anstatt mit europäischen Forschungseinrichtung im Kampf gegen Pandemien verstärkt zu kooperieren, hatten die Franzosen damals ausgerechnet den politisch-riskanten, höchst unzuverlässlichen und aggressiv-wirtschaftlich agierenden Rivalen China, die fast letzte große Bastion des Kommunismus, ins Boot geholt.

Jean-Pierre Raffarins chinafreundliche Politik

Eine nicht unerhebliche Rolle bei den Verhandlungen spielte der damalige französische Premier Raffarin. Er galt und gilt als überaus chinafreundlich, ist „Sonderbotschafter“ für China und wird gern von den chinesischen Staatsmedien zitiert. Gerade seine Offenheit China gegenüber, dem er beim Aufbau von Transeurasien eine Schlüsselstellung zuschreibt, ist ein gefundenes Vorzeigeschild für die kommunistische Nachrichtenagentur „Xinhua“.  Raffarins Chinaliebe ging so weit, dass er die „globale Rolle Chinas“ im Kampf „gegen die Umweltverschmutzung“ lobte, „weil es sich dem Pariser Übereinkommen über den Klimawandel verpflichtet fühlt”. Darüber hinaus forderte Raffarin, dass wir „in dieser Welt der Interdependenz“ unser „Denken über alle Formen des Nationalismus hinaus erweitern“ müssen, „um unser gemeinsames Schicksal anzunehmen. Für all dies wird China der Welt nützlich bleiben, so Raffarin auf „Xinhua“ weiter. So etwas ist Öl auf die Maschinen chinesischer Propaganda. Wie eng der Draht Raffarins zu China nach wie vor ist, dokumentierte auch ein Besuch des Politikers im Stab des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Beide besuchten die Volkrepublik 2018, genau in dem Jahr, wo das Wuhan-Institut seine Arbeit aufgenommen hatte.

Es ist diese unheilige Allianz zwischen Frankreich und China, wie sie englische Medien jetzt gern aufziehen und gegen Paris schleudern. Aber eine grundlegende Frage bleibt im Raum: Warum ausgerechnet die auf dem Gebiet der Virologie führenden Franzosen diese Handlungsbeziehungen nun unbedingt auf einem so heiklen Gebiet wie auf dem Sektor der Biowaffen geschmiedet haben, ist im Anbetracht des globalen Führungsanspruch Chinas und der damals schon sich abzeichnenden Machtverschiebung nach Asien erklärungsbedürftig, zumindest aus europäischer Sicht nicht nachvollziehbar.

Dass China in Sachen Biowaffen nicht der verlässlichste Partner der Franzosen sein würde, davor warnten schon vor sechzehn Jahren der französische Geheimdienst und die Generaldirektion für äußere Sicherheit. In geheimen Dossiers riet man Anfang der 2000er Jahre vor einer derartigen Kooperation ab. Die Angst, dass Chinas schlechter Ruf in Sachen Biosicherheit zu einem katastrophalen Leck führen könnte und das kommunistische System die Technologie für die Herstellung von Biokriegswaffen nutzen könne, stand schon damals auf der Agenda der Geheimdienstexperten. Sie waren sich schon früh einig, dass sich die Chinesen nicht an das Abkommen halten würden und Paris die Kontrolle über ein derartig brisantes Unternehmen verlieren könnte.

Barnier schlug Warnungen von Sicherheitsbehörden in den Wind

Dennoch, so der mediale Angriff aus England, soll Michel Barnier den Bau des P4-Labors unterzeichnet haben, wohl wissend, dass eine derartige Forschungseinrichtung nichts anderes als eine nukleare Wiederaufbereitungsanlage, eine bakteriologische Atombombe ist. Die Viren, die in einem P4-Labor getestet werden, sind extrem gefährlich. Daher gelten dort extreme Sicherheitsstufen, Taucheranzüge und Dekontaminationsschleusen inklusive. Diese Tatsache, das es sich hier möglicherweise um einen Teufelspakt mit unbekannten Ausgang handeln könnte, hätten dem sonst so umsichtigen wie aktenkundigen Ex-EU-Kommissar Barnier zumindest Anlass zu mehr Vorsicht geben können. Barnier ist politisch kein Schnellschießer, sondern ein kluger Taktierer, ein versierter Verhandler und bedächtiger Abwäger, der bei Krisen eher auf Vermittlung denn auf Aggression setzt – diesbezüglich der deutschen Kanzlerin wesensverwandt.

Auch später gab es kritische Stimmen – 2015 hatte der Milliardär Alain Merieux hingeworfen

Bereits 2015 hatte sich ein weiterer prominenter Unterstützer des Wuhan-Projektes, Alain Merieux, vom China-Viren-Projekt zurückgezogen. Der Milliardär, der mit seinem Lyoner Institut mit am Aufbau des Labors in Wuhan beteiligt war, schmiss mit der Begründung hin: „Ich gebe den Ko-Vorsitz von dem P4-Labor, einem chinesischen Werkzeug, auf. Es gehört ihnen, auch wenn es mit technischer Unterstützung aus Frankreich entwickelt wurde.“

Auch Insider aus dem diplomatischen Dienst warnten über Jahre hinweg vor der Unzuverlässigkeit der Chinesen. Wie „Le Figaro“ berichtet, waren die mit dem China-Deal verbundenen Risiken zu groß: „Wir kannten die damit verbundenen Risiken und dachten, dass die Chinesen alles kontrollieren und uns schnell aus dem Projekt werfen würden. Wir glaubten, dass die Lieferung dieser Spitzentechnologie an ein Land mit einer endlosen Machtagenda das Risiko mit sich brächte, Frankreich im Gegenzug bloßzustellen.“

Die Befürchtungen der Kritiker wurden noch dadurch befeuert als die chinesisch-kommunistische Volksrepublik mit ihrer neuen Politik der „Dual-Use“-Technologie im Jahr 2015 ihren Streitkräften erlaubte, jede zivile Technologie für militärische Zwecke zu nutzen. Damit war der Dammbruch in Sachen Biowaffen nur noch eine Sache der Zeit und die Schleusentore möglichen Missbrauchs weiter geöffnet.

Selbst wenn nach sechs Monaten nicht geklärt ist, woher der Corona-Infektionsherd tatsächlich stammt, ob aus dem französisch mitfinanzierten Labor oder doch vom Wildtiermarkt, die Kooperation der Franzosen, die so sehr auf ein vereinigtes Europa setzen und für den europäischen Binnenmarkt plädieren, mit den Chinesen wirft kein gutes Bild auf Frankreich als europäisch sich inszenierende Vorzeigenation. Derartige Deals, dies hätte auch der schon damals hoch erfahrene Politprofi Barnier wissen müssen, schließt man nicht mit den größten Konkurrenten Europas ab.

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Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz, M.A., DEA-Master, geboren 1972, studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte an den Universitäten Jena und München. 1992 gründete er die Tabula Rasa. Seit Jahren arbeitet er für die WEIMER MEDIA GROUP, so zuerst als Chef vom Dienst, später als stellvertretender Chefredakteur für The European und jetzt für die Gazette.