Juden und Muslime bilden in Deutschland keine Schicksalsgemeinschaft

Neues aus der Islamforschung

Flagge von Israel, Foto: Stefan Groß

Die folgende Rezension basiert auf einen Buchartikel aus dem „Der inspizierte Muslim“, herausgegeben 2018 von Schirin Amir-Moazami. In diesen Buch aus dem transcript-Verlag werden neueste Ergebnisse der Islamforschung vorgestellt.

In dem Buchartikel: „Zur Kategorisierung von Juden und Muslimen“ versuchen die Autoren Sultan Doughan und Hannah Tzuberi krampfhaft das Schicksal von Juden und Muslimen in Deutschland zu verknüpfen und gleichzeitig zu trennen. Sie benutzen zwei Narrative, von denen sie ausgehen, dass sie den nicht-jüdischen und nicht-islamischen Bewohnern Deutschlands noch in Erinnerung sind: das Gesetz, dass die Beschneidung des männlichen Kindes den Bundestag in namentlicher Abstimmung am 12. Dezember 2012 passiert und das Verbot des koscheren Schächten von Wirbeltieren ohne Betäubung. Das Verbot in Deutschland weist wenige irrelevante Ausnahmen auf. Da die Einfuhr von Fleisch geschächteter Tiere aus dem Ausland legal ist, wird koscheres Fleisch nach Deutschland importiert. Muslime nehmen das Verbot der Betäubung weniger Ernst als Juden und setzen sie sich regelmäßig über die BRD-Gesetze hinweg.

Das bundestägliche Beschneidungsgesetz wird notwendig, als eine muslimische Mutter ihr Kind bei einem muslimischen Arzt in Köln ambulant beschneiden lässt. Am nächsten Tag soll es Probleme durch die Zirkumzision gegeben haben, die zunächst nicht ärztlich behoben werden, da der behandelnde rechtgläubige Urologe nicht erreichbar ist. Die Mutter verlangt vom Arzt eine Entschädigung, wodurch das muslimische Geschäft öffentlich wird. Schnell finden sich atheistisch angehauchte Judentumkritiker in Köln, die die religiöse Beschneidung des männlichen Kindes als unnötige Körperverletzung deklarieren. Dass die Geschichte durch ein muslimisches Kind losgetreten wird, ist bald vergessen.

Merkel möchte die jüdische Beschneidung aus politischen Gründen weiterbestehen lassen. Das vom Bundestag eilig verabschiedete Gesetz erlaubt die religiöse Zirkumzision von männlichen Kinder, sofern sie Juden oder Muslime sind. Damit sind die Kölner Judenkritiker nicht zufrieden. Nun taucht die alte Geschichte als Artikel im oben erwähnten Buch auf, der die neuen Deutschen aus den islamischen Kulturkreisen vor den reaktionären Altbürgern schützen will.

Das thematische Zusammenführen der Zirkumzision bei Juden und Muslimen ist nur dann verständlich, wenn man die Unterschiede beider Religionen bewusst außer Acht lässt. Das jüdische Gesetz verlangt die Zirkumzision am 8. Lebenstag. Eine Verschiebung ist nur aus medizinischen Gründen (Neugeborenengelbsucht) möglich. Seltenst wird aus medizinischen Gründen auf die Beschneidung ganz verzichtet. Ein Jude definiert sich durch seine jüdische Mutter, somit ist ein unbeschnittener Jude ebenfalls ein Jude. Er wird jedoch in der jüdischen Gemeinschaft nicht als vollkommener Jude betrachtet, was dem unbeschnittenen Juden, der ja nicht gläubig sein kann, gleichgültig ist. Die Zirkumzision wird von einem Mohel ( jüdischer Beschneider) durchgeführt, der in Deutschland und der EU üblicherweise Chirurg oder Urologe ist.

Im Islam hingegen ist die männliche Beschneidung nicht zwingend. In der Türkei findet sie gewöhnlich im Vorschulalter statt; auf ärztliche Kautelen wird nicht nur in Anatolien verzichtet. Nebenher wird in vielen islamischen Staaten die weltweit verbotene Beschneidung präpubertärer Mädchen ohne Narkose, dafür mit unsauberen rostigen Messern oder Rasierklingen durchgeführt. Es handelt sich hierbei ähnlich dem Kopftuch der Frauen um eine Tradition (oder um einen koranischen Übersetzungsfehler) und nicht um ein religiöses Gebot.

In Deutschland leben knapp 100.000 Juden, die im Durchschnitt weit älter als die muslimische Bevölkerung sind und auch weniger Kinder produzieren. Bei 6.000.000 Muslimen in Deutschland liegt das Verhältnis von muslimischen zu jüdischen Zirkumzisionen bei 100 : 1, wenn nicht noch weit höher, da regelmäßige Mischehen selten zu jüdischen Kindern führen. Schätzungsweise werden jährlich etwa 500 jüdische Knaben beschnitten. Wäre die Beschneidung in Deutschland illegal, so wäre es ein Leichtes , die Zirkumzision im Ausland, z.B. in Israel, durchführen zulassen. Der Bundestag legalisiert die jüdische Beschneidung nur deshalb, weil selbst unter Hitler und im KZ Beschneidungen erlaubt gewesen sind.

Es ist klar, dass die Argumente bei überzeugten Judentumkritiker wirkungslos verpuffen, genauso wie die Argumente bezüglich der Schächtung.

Hoch geschätzt essen 20% der Juden in Deutschland regelmäßig bis selten koscher. Das Fleisch wird importiert. Überdurchschnittlich viele Juden sind Vegetarier. Die fleischige Nahrungsaufnahme ist im Judentum keine Pflicht. Die Menge des verzehrten koscheren Fleisches in Deutschland ist sehr gering und könnte von wenigen Metzgereien befriedigt werden. Zudem ist der Schochet (jüdischer Metzger) verpflichtet, das Tier nicht leiden zu lassen. Jedes Tier wird separat geschächtet, was das Fleisch im Gegensatz zu trefenen oder Halal-Fleisch sehr teuer macht. Eine Massentiertötung wie in laizistischen deutschen Schlachthäusern, bei denen kaum anästhesierte Tiere bei lebenden Leib gehäutet und zerlegt werden, ist im Judentum nicht vorgesehen. Auf die Zustände während einer islamischen Massenschlachtung zum Ende des Ramadans will ich nicht eingehen. Vor Kurzem lief ein Bericht in den 3. Fernsehprogrammen über die Zubereitung von türkischen Döner-Hackfleisch (halal), der dem Fernsehzuschauer nicht zumutbar war. Während Döner-Buden selbst in Dörfern sprießen, braucht der judentumkritische Tierfreund nicht zu befürchten, durch den Anblick eines koscheren Fleischgeschäftes in einer deutschen Großstadt gestört zu werden.

Seriöse Zahlen belegen, dass es in spätestens 20 Jahren in Deutschland keine jüdische Gemeinschaft geben wird. Somit wird das koschere Schächten und die Brit-Mila, der auch Jesus am 8. Tag unterzogen worden ist und den die Christen bis heute als Neujahr feiern, entfallen. Auf Grund der zahlenmäßigen Stärke und Zunahme der muslimischen Bevölkerung in Deutschland brauchen Muslime nicht das gleiche Schicksal wie Juden zu befürchten, auch wenn sie sich leidenschaftlich gerne die Opferrolle überstülpen, selbst wenn sie die Täter sind.

 

 

Über Nathan Warszawski 535 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.