Justine van Lawick/Margreet Visser: Kinder aus der Klemme. Intervention in hochkonflikthaften Trennungen

Wendeltreppe, Foto: Stefan Groß

Die systemische Therapie unterscheidet sich nach Angaben deren Vertreter dadurch, dass weitere Mitglieder des für den Patienten relevanten sozialen Umfeldes in die Behandlung mit einbezogen werden. Die systemische Therapie wird seit 2008 in der BRD als wissenschaftliches Psychotherapieverfahren anerkannt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, dessen Schwerpunkt auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen, insbesondere auf Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie und deren sozialer Umwelt liegt. In Abgrenzung zur Psychoanalyse betonen Vertreter dieser Therapierichtung die Bedeutung impliziter Normen des Zusammenlebens für das Zustandekommen und die Überwindung psychischer Störungen (Familienregeln). Allerdings berücksichtigen auch andere Therapieformen wie zum Beispiel die Kognitive Kurzzeittherapie unter anderem den systemischen Aspekt.

In diesem Buch der systemischen Therapie geht es um die Situation, wenn nach einer Trennung der Eltern die Kinder zwischen die Fronten geraten und nicht nur unter der Trennung leiden, sondern sich auch zwischen Vater und Mutter hin und hergerissen fühlen. Sie stecken dann in der Klemme und einen Loyalitätskonflikt. Wie Kinder besser mit dieser Ausnahmesituation umgehen können, wird in diesem Buch erklärt. Dabei spielt die Multifamilientherapie eine besondere Rolle: „Es findet eine Elterngruppe parallel zu einer Kindergruppe statt. Statt wie gewohnt zu zweit in alte Muster zu verfallen (…), werden die Eltern angeregt, neue Sichtweisen zu entwickeln, werden auch kritisch von den anderen gespiegelt. Es entsteht ein ansteckendes Entwicklungsklima, das Mut zum Ausprobieren machen kann. Die Gruppe ist dabei Treibhaus und Schutzraum zugleich.“ (S.9)

Das Buch beginnt mit den theoretischen Grundlagen und charakteristischen Merkmalen von hochkonflikthaften Trennungen oder Scheidungen. Dann geht es um die Methodik und die Vorstellung der Multifamilientherapie, den Aufbau der Sitzungen und deren Verlauf. Im Anhang findet man noch Muster von Formularen und anderer Materialien für die Gruppen mitsamt von Übungen sowie ein Literaturverzeichnis.

Dieses hier im Buch vorgestelltes System ist aus der Zusammenarbeit des niederländischen Lorentzhuis, Zentrum für systemische Therapie, Ausbildung und Beratung und dem Traumazentrum für Kinder und Jugendliche in Haarlem entstanden. In der Praxis hat es in den Niederlanden sich schon bewährt. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass es auch in der BRD anwendbar ist. Es ist verständlich erklärt, mit vielen Praxisbeispielen versehen und leicht anzuwenden. Es ist besonders für Vertreter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Jugendhilfe und der Erziehungsberatung zu empfehlen.

Justine van Lawick/Margreet Visser: Kinder aus der Klemme. Intervention in hochkonflikthaften Trennungen, Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2017, ISBN: 978-3-8497-0170-3

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.