Karl Ove Knausgärd: Im Winter

Winterlandschaft, Foto: Stefan Groß

Karl Ove Knausgärd: Im Winter. Mit Bildern von Lars Lerin, Luchterhand Verlag, München 2017, ISBN: 978-3-630-87515-6, 22 EURO (D)

 

Dieses Buch ist der zweite Teil der Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgärd, die eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie sind. Der erste Band „Im Herbst“ erschien im September 2017, der zweite Band „Im Winter“ Ende 2017, die anderen beiden Werke „im Frühling“ und „Im Sommer“ kommen im Laufe des Jahres 2018 heraus.

Knausgärds Zyklus der Jahreszeiten haben viele bekannte Vorbilder in Kunst und Kultur. Die vier Jahreszeiten sind das wohl bekannteste Werk Antonio Vivaldis. Es handelt sich um vier Violinkonzerte mit außermusikalischen Programmen; jedes Konzert porträtiert eine Jahreszeit. Die Ikonographie der vier Jahreszeiten hat in der bildenden Kunst Europas zu jeder Zeit eine wichtige Rolle gespielt. Meist als vierteiliger Zyklus angelegt, symbolisierte die Abfolge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter den ewigen Kreislauf der Natur, dem der Mensch unterworfen ist, das Werden und Vergehen, Wachsen und Reifen, Vergänglichkeit und Erneuerung.

Der Band „Im Winter“ enthält Briefe an seine neugeborene Tochter, sinnliche Betrachtungen über die Weihnachtszeit, das Feuerwerk zwischen den Jahren, Schneegestöber, den Charme und die Inspiration des Winters und weiteres mehr. Dies alles wird von Winterlandschaften des Künstlers Lars Lerin visualisiert.

In dem Band spiegelt sich seine Lebenslust, die sinnlich erfahrbare Welt zu genießen. Die Empfänglichkeit für die verschiedenen Sinnesempfindungen, besonders aber für solche psychischen Ereignisse, welche sich zunächst an Sinnesempfindungen anschließen, stehen bei ihm im Vordergrund. Dies ist also einerseits die Auffassung der uns umgebenden Erscheinungswelt nach Stoff und Form, die Wahrnehmung und Unterscheidung der außer uns befindlichen Dinge, ihrer Eigenschaften und Veränderungen.

Knausgärd lässt die Leser literarisch teilhaben an der Geburt seiner Tochter und schreibt ein Wintermärchen für die Sinne und die Wahrnehmung der ihn umgebenden Welt. Persönliche Höhepunkte werden mit der Erfahrung des Erlebbaren und Sichtbaren vermengt und schafft eine träumerische, emotionale Atmosphäre, die ein Bild der Schönheit des Lebens entwirft und den Leser im Laufe der Lektüre in eine andere (heile) Welt versetzt.

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.