Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa

Sonnenuntergang am Bodensee, Foto: Stefan Groß

Der Erste Weltkrieg, der Zerfall Altösterreichs Ende Oktober 1918 durch die Gründung der Tschechoslowakei, des SHS-Staates und des Staates Deutschösterreich und den Abfall Galiziens, der Austritt Ungarns aus der Realunion per 31. Oktober 1918 sowie 1919 der Vertrag von St. Germain und 1920 der Vertrag von Trianon führten zum bzw. besiegelten das Ende von Österreich-Ungarn.

Die Aufteilung des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn und die jungen Nationalstaaten gingen nicht spurlos an der Kunst vorbei. Mit diesen Folgeerscheinungen beschäftigt sich die Ausstellung „Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa“ vom 23.3. bis 26.8. im Unteren Belvedere in Wien: „Welche Folgen dieser Umbruch für Kunstschaffende hatte, welche Einschränkungen er mit sich brachte, welche neuen Perspektiven sich eröffneten, welche Kontinuitäten bestehen blieben, diesen Fragen möchte diese Ausstellung nachgehen.“ (S. 6) Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung.

Der Katalog beginnt mit einem grundlegenden Essay über den Zerfall der Habsburgermonarchie und seine Auswirkungen. Dann folgen vier Beiträge über die Kunst während des 1. Weltkrieges, die noch von Vielfalt geprägt war. Im nächsten Abschnitt geht es um Kriegsmaler und Propagandisten der Habsburger Monarchie. Danach werden die künstlerischen Entwicklungen nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie in Österreich und den neuen Nationalstaaten präsentiert. Anschließend folgt die Entwicklung in der Zwischenkriegszeit, wo Künstler aus dem Donauraum sich vorwiegend an internationalen Bewegungen wie Abstraction-Creation, dem Surrealismus, dem Bauhaus und anderen orientierten, jenseits der staatlichen willkürlichen Grenzziehungen. Die Entwicklungen bis zum „Anschluss“ Österreichs 1938 zum NS-Staat, die durch Verfolgung, Widerstand, Emigration und das Ende des internationalen Austausches gekennzeichnet, bilden den Abschluss. Werke der in den Essays genannten Künstler werden innerhalb der Texte abgebildet. Im Anhang findet man noch eine Auflistung der Künstler sowie die Werke der Ausstellung, einen Personenindex, Angaben zu den Autoren sowie einen Bildnachweis.

Der Katalog zur Ausstellung ist ein Abriss der Kunstgeschichte Mitteleuropas zwischen 1914 und 1938 und der Umgang der Kunst mit den politischen Umwälzungen und Ereignissen. Es ist ein spannender Zusammenhang zwischen historischen Ereignissen und künstlerischen Entwicklungen zu sehen. Dennoch sind die jeweiligen Künstler individuelle Subjekte, deren persönliche Umgebung oder Kunstvorstellung auch den Anstoß zu ihren Werken gaben. Spannend ist auch die Präsentation der bislang wenig bekannten Künstler in der Tschechoslowakei und Ungarn, die vorwiegend nicht in Nationalstaaten dachten.

Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa, Hirmer Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-7774-3058-4, 45 EURO (D)

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.