Leben, Lehren, Glauben im Kloster

„Zugeneigt. Leben, lernen, glauben im Ursulinenkloster Landshut“, Katalog zur Ausstellung des Diözesanmuseums Freising im Kloster der Ursulinen in Landshut

Gipfelkreuz, Foto: Stefan Groß

DAS BUCH: Christoph Kürzeder (Hrsg.): „Zugeneigt. Leben, lernen, glauben im Ursulinenkloster Landshut“, Katalog zur Ausstellung des Diözesanmuseums Freising im Kloster der Ursulinen in Landshut – 12. Mai bis 11. November 2018, mit einem Vorwort des Herausgebers und Beiträgen von Manuel Götz, Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus und Manuela Klotzbücher, mit zahlreichen Abbildungen, 448 Seiten, im Museumsladen 35 Euro, Diözesanmuseum Freising 2018, ISBN 978-3-930618-07-01

Vieles, was in dieser Jubiläumsausstellung gezeigt wird – vor 350 Jahren kamen die ersten Ursulinen aus dem Schwäbischen nach Landshut, um hier sesshaft zu werden, segensreich zu wirken und in der Neustadt das Kloster St. Joseph zu gründen – ist, Stück für Stück, eine Rarität. Und dies nicht nur in kunst- sondern auch in frömmigkeitsgeschichtlicher Hinsicht. Was die fleißigen und erzieherisch regen Landshuter Schwestern im Lauf der Jahrzehnte in ihren Mauern rund um den Klostergarten bewahrten, wird in der Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert: Dokumente des Klosterlebens, Bilder auf Leinwand oder Papier, Altäre, Skulpturen, Bücher, Schriftstücke, Klosterarbeiten, Fotos und Gegenstände des Alltags aus Küche, Keller und Kirche.

Die Klosterkirche selbst ist mit der Sakristei in die Ausstellung als „Museum“ einbezogen. Sie bildet den Mittelpunkt der Schau. Der Haupt- und Gnadenaltar, mehrfach verändert im Lauf der Jahrhunderte, weist als erhöhtes Zentrum das wohl zwischen 1660 und 1680 entstandene „wunderthätige“ Bild der Muttergottes „mit dem geneigten Haupt“ auf. Es sind nun 50 Jahre, dass dieses Bild – Ölmalerei auf Leinwand in einem Silberrahmen – wieder „auf dem reich getriebenen und vergoldeten Kupfertabernakel von 1718 präsentiert (wird), dahinter das Altarbild mit der hl. Ursula in der Glorie von Antonio Triva (München, 1679)“. So schreibt Manuel Götz im Ausstellungskatalog (S. 298). Von ihm ist auch zu erfahren, dass es sich bei dem vieltausendfach in gedruckter und gemalter Form im Volk verbreiteten Wallfahrtsbild um eine Kopie handelt, was viele nicht wissen. Das Ursprungsbild mit der hl. Maria, die ihr Haupt neigt, wird nämlich in der Wiener Karmeliterkirche verehrt. Der Kanonikus Johann Jakob Schmiedhofer von Landshut-St. Martin, der den Ursulinen als Beichtvater diente, schenkte es 1680 der Ursuline Maria Viktoria von der Auferstehung Christi Jäger.

Wer nicht das Glück hat, einer Führung durch die weitläufige Schau zu folgen, aber auch wer sich mit den darin gezeigten Objekten und ihren historisch nicht immer von vorneherein klaren Zusammenhängen ausgiebig befassen will, kommt nicht umhin, sein Wissen aus diesem stattlichen Katalog zu schöpfen bzw. zu vertiefen. Die Einteilung folgt der der Präsentation selbst: Das Ursulinenkloster Landshut; Bräute Christi; Jesuskindverehrung; Nachfolge Christi; Vorbild Maria; Muttergottes mit dem geneigten Haupt; Klosterarbeiten; Erziehung im Kloster; Hauswirtschaft. Diesem Katalogteil gehen drei umfangreiche Aufsätze über das Landshuter Ursulinenkloster mit seinem geistlichen Leben und seiner Hauptaufgabe, der Mädchenerziehung, voraus.

Man begegnet in dieser Ausstellung mehrfach den meist anonym gemalten Konterfeis ehemaliger Klosternonnen – seien sie nun der Fantasie entsprungen, lebensecht oder allegorisch. Zu den eigenwilligsten Nonnen-Porträts zählt das auf Seite 261 abgebildete: „Allegorie klösterlicher Tugenden“, 128 cm x 81 cm groß, Öl auf Leinwand, 1. Hälfte des 18. Jh. (s. Foto oben!) Es wurde vom Freisinger Diözesanmuseum ausgeliehen, wohin es aus dem Inventar eines nicht näher benannten Karmeliterklosters gekommen war. In diesem Bild ist so viel zu lesen wie in kaum einem zweiten seines Ausmaßes, und dies in einer Form, die in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist. Der Katalogtext spricht davon, dass auf dieser Darstellung – eine gekreuzigte, dornengekrönte Nonne, der die Augen verbunden und die Lippen verschlossen sind – „das Ordensleben als Christusnachfolge auf die Spitze getrieben“ sei. Die ideale Ordensfrau, so wird auf den das Nonnenkreuz umflatternden Spruchbändern vermerkt, die sich auf den Paulusbrief an die Galater beziehen, zähme ihre Ohren, faste und wache, kasteie sich, schweige, lebe in Keuschheit, Gehorsam, williger Armut, der Übung guter Werke, andächtigem Gebet, entsage den Verlockungen der Welt und der Fleischeslust und widerstehe den Versuchungen des Satans. Der Höllenrachen im Bild unten rechts ist weit aufgerissen, aus ihm entsteigt ein Teufel, der seine Pfeile auf die gekreuzigte Nonne schießt, um sie dazu zu bringen, vom Kreuz herabzusteigen. Die Befolgung der verordneten Total-Askese – „Seye beständg biß zum End“ – wird von Christus mit der Krone der Heiligmäßigkeit belohnt. Angeblich fand dieses eigenartige Bild, das selbst bei betroffenen Klosterfrauen Irritation auslösen dürfte, „als prunkvoller Einblattdruck weite Verbreitung in Klöstern“, etwa in Reutberg und Beuerberg.

Foto:

„Allegorie klösterlicher Tugenden“, Ölgemälde, 2. Hälfte 18. Jh. – Aufnahme: Hans Gärtner

 

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Hans Gärtner
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Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.