M&A-Boom 2026: Warum deutsche Unternehmen trotz wirtschaftlicher Unsicherheit weiter fusionieren

Industrie und Wirtschaft, Quelle: Chat GPT

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Während Zölle, der Krieg im Nahen Osten und eine schwächelnde Konjunktur eigentlich für Zurückhaltung sprechen sollten, kaufen und verkaufen deutsche Unternehmen in diesem Jahr so intensiv wie lange nicht mehr. Nach Zahlen von Goldman Sachs hat sich das M&A-Volumen in Deutschland 2026 auf rund 145 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Wer in den vergangenen Jahren auf eine Beruhigung des Übernahmemarkts gewartet hat, wird gerade eines Besseren belehrt.

Schon 2025 deutete sich die Trendwende an: Laut dem „Global M&A Report“ von Bain & Company wuchs das gesamte deutsche Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr um 39 Prozent auf etwa 125 Milliarden Dollar, während die Zahl der Deals über 30 Millionen Dollar um 11 Prozent zulegte. Für 2026 rechnen laut KPMG-Umfrage 42 Prozent der befragten Entscheider mit einer weiteren spürbaren Belebung. Investoren planen im Schnitt 13 Prozent mehr Zukäufe, der durchschnittliche Dealwert soll von 822 auf 913 Millionen Euro steigen.

Warum ausgerechnet jetzt?

Die Erklärung liegt weniger in geopolitischer Zuversicht als in nüchterner Unternehmenslogik. Stabile Zinsen und hohe Kapitalmarktstände haben Finanzierungen wieder planbar gemacht, gleichzeitig wächst der Druck, Wachstum einzukaufen, statt organisch darauf zu warten. Die Beratungsgesellschaft WTW spricht für 2026 von einem klaren Trend zu „Buy-and-Build“: Konzerne trennen sich von Randgeschäften und stärken im Gegenzug ihr Kerngeschäft durch gezielte, oft kleinere Zukäufe. Besonders gefragt sind dabei Energie, Verteidigung, Biopharma und Technologie – Branchen, in denen sich Marktanteile derzeit schneller über Zukäufe als über eigene Entwicklung sichern lassen.

Hinzu kommt eine Rückkehr der ganz großen Transaktionen. Der finnische Aufzughersteller Kone verhandelt über die Übernahme von TK Elevator, Private-Equity-Investoren verkaufen reihenweise Portfoliounternehmen an strategische Käufer, und auch sogenannte Public-to-Private-Deals – der Rückzug börsennotierter Unternehmen von der Börse durch Investoren – nehmen europaweit deutlich zu. Laut Handelsblatt beziffert Goldman Sachsdas Plus bei Transaktionen mit Beteiligung von Finanzinvestoren europaweit auf 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Markt mit zwei Geschwindigkeiten

Ganz ungetrübt ist die Erholung allerdings nicht. PwC beschreibt den globalen M&A-Markt 2026 in seinem aktuellen Branchenausblick als „K-förmig“: Große, gut kapitalisierte und meist technologiegetriebene Käufer ziehen deutlich davon, während der Rest des Markts zurückbleibt. Gleichzeitig ist der Anteil des Kapitals, der überhaupt für Übernahmen eingesetzt wird, laut Bain auf den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten gefallen – Unternehmen stecken ihr Geld verstärkt in eigene Investitionen und Forschung, bevor sie zukaufen. Wer heute eine Transaktion angeht, muss also strenger begründen können, warum sich der Zukauf lohnt, als das noch vor wenigen Jahren nötig war.

Auch geopolitisch bleibt die Lage fragil. Das europäische Transaktionsvolumen war in den ersten Monaten des Jahres um 40 Prozent gestiegen – der stärkste Jahresauftakt seit 2018 –, bevor der Krieg am Golf die Erwartungen dämpfte. Steigende Energiepreise, Zinsunsicherheit und geopolitische Risiken stehen, wie ein Goldman-Sachs-Banker es kürzlich formulierte, inzwischen ganz oben auf der Agenda vieler Vorstände.

Due Diligence wird zum eigentlichen Nadelöhr

Trotz aller makroökonomischen Unwägbarkeiten entscheidet sich der Erfolg einer Übernahme selten am Kaufpreis allein, sondern an der Sorgfalt der Prüfung im Vorfeld. Genau hier hat sich in den vergangenen Jahren am meisten verändert. Wo Käufer und Verkäufer früher wochenlang Aktenordner durchgingen, läuft die Datenraum Due Diligence heute digital, oft unter erheblichem Zeitdruck und mit deutlich mehr beteiligten Parteien gleichzeitig – Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Investmentbanker, teils auf mehreren Kontinenten verteilt.

Bereits in der Vorbereitung eines Deals entscheidet sich deshalb, ob die Wahl eines virtueller datenraum anbieter durchdacht war oder improvisiert. Wer einen Datenraum M&A aufsetzt, achtet inzwischen weniger auf reine Speicherkapazität als auf granulare Zugriffsrechte, lückenlose Protokollierung und die Fähigkeit, Tausende Dokumente in kurzer Zeit strukturiert bereitzustellen. International hat sich dafür der Begriff virtual data room durchgesetzt, unabhängig davon, ob es um einen deutschen Mittelständler oder einen milliardenschweren Konzernverkauf geht – die Anforderungen an Sicherheit und Nachvollziehbarkeit unterscheiden sich kaum.

Auch inhaltlich verändert sich der Prüfprozess selbst. Laut PwC ist Künstliche Intelligenz längst kein isoliertes Investitionsthema mehr, sondern beeinflusst die Due Diligence direkt: Dokumente werden automatisiert klassifiziert, Auffälligkeiten schneller erkannt, Rückfragen effizienter zwischen den Parteien koordiniert. Das verkürzt Prozesse, die früher Wochen dauerten, teils auf wenige Tage – ein Vorteil, der angesichts der aktuellen Deal-Dichte zunehmend über Zeitpläne und letztlich über den Zuschlag entscheidet.

Wie es weitergehen dürfte

Für die zweite Jahreshälfte 2026 rechnen Marktbeobachter mit einer starken Pipeline, insbesondere bei Verkäufen aus Private-Equity-Portfolios. Ob sich der Schwung angesichts anhaltender geopolitischer Risiken hält, wird sich erst zeigen – die Zahl der M&A-Deals in Deutschland schwankte historisch schon mehrfach stark zwischen einzelnen Quartalen. Fest steht schon jetzt: Der deutsche M&A-Markt hat sich von der Zurückhaltung der vergangenen Jahre gelöst – nicht trotz, sondern in gewisser Weise wegen der Unsicherheit, die viele Unternehmen dazu zwingt, ihre Portfolios aktiver zu gestalten, statt abzuwarten.

Für mittelständische Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Wer heute verkaufsbereit sein will, sollte die eigene Dokumentenlage nicht erst dann ordnen, wenn ein konkretes Angebot auf dem Tisch liegt. Berater berichten übereinstimmend, dass unvollständige Unterlagen der häufigste Grund für Verzögerungen oder gescheiterte Preisverhandlungen sind – ein Problem, das sich mit sauberer Vorbereitung vermeiden ließe, lange bevor der erste Interessent überhaupt anruft.

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