Berliner Schloss und Humboldt Forum: Ein Bildband über Geschichte, Architektur und Zukunft der Berliner Mitte

Lausbergs Buchtipp

Bild von Udo Röbenack auf Pixabay.

Das Buch ist ein Sammelwerk, das sich aus vielen Perspektivenmit der Architektur, dem Städtebau und der Nutzungsgeschichte des Gebäudes in Berlins Mitte beschäftigt; einem Gebäude, das wie kein anderes für Auf- und Weiterbau, Zerstörung und Wiederaufbau steht – symbolisch auch für die Glanzpunkte und Abgründe der Geschichte der Stadt. Es lenkt seinen Blick auch auf künftige Möglichkeiten des Weiterbauens und der Umnutzung des 2021 eröffneten Humboldt-Forums im Berliner Schloss.

In Texten und großformatigen Bildern thematisiert das Buch den vielschichtigen „überzeitlichen Dialog“ des Schlosses mit den Gebäuden, Plätzen und Denkmalen in seiner näheren Umgebung und beschäftigt sich mit Fragen der „Authentizität rekonstruierter Gebäude“ sowie der Konzeption und der Planung der „neuen“ und „alten“ Fassaden sowie der wiedererrichteten Kuppel. Es zeigt, wie die einstige Residenz der brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Könige und deutschen Kaiser in der Zeit der Weimarer Republik in ein Museum umgewandelt wurde, auch in ein Zentrum der Wissenschaft, der Verwaltung und des Sports.

Das Buch beginnt mit Abbildungen und Panoramabildern des Schlosses. Danach wird es in vier Kapitel eingeteilt. In der Rubrik „Geschichte und Städtebau“ wird zunächst das Weiterbauen seit 1433 ausführlich geschildert. Danach folgt ein Fotoessay über das Berliner Schloss und seine Nachbarn. Die Berliner Mitte im überzeitlichen städtebaulichen Diskurs schließt die erste Rubrik ab.

Die Architektur steht dann im Vordergrund. Ein kritisches Essay über die Authentizität rekonstruierter Gebäude leitet dies ein. Die Entstehung der Fassaden und der Kuppel, der Eingang im Humboldtforum und die künftige Möglichkeiten des Weiterbauens und der Umnutzung werden dann skizziert. Außerdem werden der Eosanderhof und der Schlüterhof beschrieben. Eine geografische Karte von Mitte mit bekannten Bauwerken und Plätzen beschließt dies.

Die Nutzung im Wandel der Zeit ist der dritte Bereich. König Friedrich Wilhelm IV,  Alexander von Humboldt, Karl Friedrich Schinkel und das Berliner Schloss und das Schloss, die Frauen und die Republik werden zunächst behandelt. Die Zerstörung 1945 und die Schlossruine als Ort für Ausstellungen und Dreharbeiten der DEFA folgt anschließend. Ein Ausblick der Nutzung des Humboldtforums als Ort für eine künftige Weltfriedenskonferenz kommt dann zur Sprache.

Die vierte Rubrik gibt Einblicke in das komplexe technische Innenleben des Humboldtforums. Danach wird die Frage gestellt, ob das Berliner Schloss Humboldtforum jemals fertig gebaut wird. Es folgt eine Fortsetzung des Fotoessays aus dem ersten Teil. Der Umgang mit der Geschichte in Architektur und Städtebau und die Offenheit der Deutung des Humboldtforums rundet die Beiträge ab.

Dies ist eine holistische Betrachtung des Berliner Schlosses in Geschichte und Gegenwart. Der interdisziplinäre Zugang von Nutzungsgeschichte über Städtebau bis hin zur Architekturfotografie aus vielen Perspektiven ist alles dabei.  Hier werden auch einige Fragen, die die Zukunft betreffen und auch schon öffentlich schon fast in Form eines Kulturkampfes diskutiert werden, angerissen.

Dieser Bildband hat aber nur die Absicht, eine vollständige Orientierung des Berliner Schlosses textlich und bildlich zu geben, was auch gelungen ist. Er könnte auch für auswärtige Besucher*innen von Interesse sein.

Das Berliner Schloss und seine Nachbarn. Architektur, Städtebau, Geschichte, Wasmuth, Berlin 2023, ISBN 978-3-8030-2387-2, 54 EURO (D)

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Über Michael Lausberg 633 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.