Pflanzenjäger. Wie exotische Pflanzen in unsere Gärten kamen

Lausbergs Buchtipp

Bild von Nimrod Oren auf Pixabay

Ambra Edwards: Pflanzenjäger. Wie exotische Pflanzen in unsere Gärten kamen, Gerstenberg, Hildesheim 2022, ISBN: 978-3-836-92189-3, 40 EURO (D)

Die reiche Beute von Pflanzenjägern prägte Imperien, sorgte für wirtschaftlichen Aufschwung, revolutionierte die Medizin und förderte unser Verständnis der Naturwissenschaft, aber auch für koloniale Aneignung und eigenen Ruhm. Dieses Buch präsentiert außergewöhnliche Männer und Frauen – eifrige Forscher, verwegene Abenteurer, Mediziner und Diebe. Auf der Suche nach dem ‚grünen Gold‘ reisten sie in alle Winkel der Erde und nahmen unvorstellbare Strapazen auf sich.

Zu den Pflanzenjägern gehören: Sir Joseph Banks, Charles Darwin, David Douglas, Reginald Farrer, George Forrest, Robert Fortune, Tadeáš Haenke, Tom Hart Dyke, Alexander von Humboldt, die Gebrüder Lobb, John Sibthorp und Ernest Henry Wilson.

Zu Beginn gibt es eine Weltkarte mit den später vorgestellten Exemplaren.

In der Einleitung gibt es eine kurze Geschichte der  Pflanzenjäger durch die Jahrhunderte. Es werden auch Antrieb und Nutzen skizziert: „Pflanzenjäger sammelten aus unterschiedlichen Gründen. Sie wollten der Wissenschaft dienen oder hatten kommerzielle Interessen im Blick, wenn sie wirtschaftlich nutzbringende Pflanzen suchten, oder aber gartenwürdige für den aufblühenden Pflanzenhandel.“ (S. 13f)

Die folgenden Entdeckungsreisen und mitgebrachten pflanzlichen Exponate werden nach Kontinenten geordnet vorgestellt.

Dies beginnt mit Australien und dem Pazifik, wo unter anderem der Brotfruchtbaum oder die Wachsblume enthalten sind. Weiter geht es mit Asien und Exponaten wie Tee, dem Ginkgobaum oder dem Rhododendron. In Europa und der Levante gibt es die Tulpe oder den Safrankrokus zu entdecken. Afrika und Madagaskar bietet natürlich Kaffee, aber auch den Weihrauchbaum oder den Flammenbaum. Den Abschluss bildet Südamerika mit der Bougainvelia, dem Pfauenstrauch oder der Riesenseerose.

Jeder Eintrag ist mit botanischen Kunstwerken aus den Royal Botanical Gardens illustriert, insgesamt mehr als 100, von Kews  Sammlung historischer Illustrationen.

Im Anhang finden sich noch ausgewählte Literatur, ein Register zum Nachschlagen und der Bildnachweis.

Es gibt interessante Geschichten aus der Pflanzenwelt, wo nicht nur Biologie, Kulturgeschichte angesprochen wird, sondern auch der heutige Verwendungszweck und die dazugehörige Forschungsgeschichte behandelt wird. Das Highlight des Buches sind aber die tollen Bilder und Zeichnungen sowie historische Abbildungen.

Leider sind die Abenteuer des Pflanzenjäger auch Teil der kolonialen Geschichte Europas.

Dennoch: Die unglaubliche Leidenschaft, die in den Hauptfiguren steckt, die sie dazu trieb, alle Schwierigkeiten und Herausforderungen zu ertragen, nur um erstaunliche Pflanzen zu finden, die wir jetzt für selbstverständlich halten, ist inspirierend.

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Über Michael Lausberg 557 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.