Jesmyn Ward: Singt, ihr Lebenden und Ihr Toten, singt

Friedhof Rom, Foto: Stefan Groß

Jesmyn Ward: Singt, ihr Lebenden und Ihr Toten, singt. Roman, Antje Kunstmann Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-95614-224-6, 22 Euro

Die Autorin Jesmyn Ward ist stellvertretende Professorin für Kreatives Schreiben an der University of South Alabama und mehrfach preisgekrönte Autorin. Ward entstammt einer afroamerikanischen Familie und wuchs in der kleinen Gemeinde DeLisle auf dem Lande in Mississippi auf, wo dieser Roman auch spielt. Die Werke der in Mississippi geborenen Autorin erzählen allesamt von Afroamerikaner und ihrem Leben in den Südstaaten der USA.

Sie gewann für ihren Roman Sing, Unburied, Sing zum zweiten Mal den National Book Award. Nun liegt das Werk in deutscher Übersetzung vor. Das Werk porträtiert eine afroamerikanische Familie in einer fiktionalen Kleinstadt in Mississippi, in der Zeit nach dem Hurrikan Katrina, unter dem sie sie und ihre Familie selbst litten. In dieser Zeit wurde ihr Haus überflutet, die gesamte Familie musste bei fremden Leuten unterkommen. Während die Kinder bei den Großeltern Mam und Pop aufwachsen, sitzt der Vater im Gefängnis, die Mutter Leonie ist drogenabhängig. Ihre Visionen von ihrem toten Bruders werden in der Geschichte ausgebreitet. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, Pop ist allein verantwortlich für den Haushalt Jojos Erziehung. Spannend wird die Geschichte, als Leonie ihren Mann aus dem Gefängnis zu seiner Entlassung abholt.

Der Roman wird aus der Sicht des Jugendlichen Jojo und seiner Mutter Leonie erzählt, ein selten praktizierter Erzählstil, der die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und verschiedenen Gefühlen bereichert.

Der Roman ist ein Abbild des schweren Lebens für die Nachkommen der früher als Sklaven gehaltenen Afroamerikaner in den Südstaaten der USA. Hier werden die Lebensumstände, die Gefühle der Hauptperson, ihre Einstellung zum Leben mit einer spannenden Handlung kombiniert.

Der empfehlenswerte Roman ist aber auch als Reaktion auf den verstärkten Rassismus Donald Trumps und seiner bisherigen Amtsführung zu verstehen. Dieser Rassismus hat gerade in den Südstaaten eine lange Geschichte, die Hautfarbe ist immer noch entscheidend für die Lebensumstände und Chancen. Als ergänzende Lektüre zu diesem Buch ist folgendes Werk zu empfehlen: Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika, C.H. Beck, München 2017

 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.