Zum 67. Mal: Europäische Wochen Passau

Der Stephans Dom zu Passau - ein Spielort der europäischen Wochen 2019 , Foto: Hans Gärtner

Im Hohen Dom St. Stephan zu Passau zelebriert Domkapitular Claus Bittner am 2. Sonntag der Festspielzeit der Europäischen Wochen (EW; 21. Juni bis 28. Juli) um 9.30 Uhr den Katholischen Festgottesdienst. Im Festspielprogrammheft fehlt (gewiss unabsichtlich) der Hinweis „Eintritt frei“, der für den um 12 Uhr angesetzten „22. Passauer Tetralog“ mit demThema: „Europa hat gewählt – welche Wahl hat Europa?“ im Audimax der Universität nicht vergessen wurde. Zwischen „Geistlicher“ und „Zukunfts“-Musik steht quasi die 67. Ausgabe des länderübergreifend beachteten, seit 1952 bestehenden Festivals am Dreiländereck im deutschen Südosten. Österreich und Tschechien sind einbezogen. „Gemeinsame Werte und kulturelle Traditionen verbinden die europäischen Nationen“. So leitet Bayerns Ministerpräsident sein Grußwort ein. Dr. Markus Söder ist – mit Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer und der südböhmischen Bezirkschefin Ivana Straska – Schirmherr zahlreicherkultureller Darbietungen mit internationalen Künstlerpersönlichkeiten und Ensembles an nicht weniger als 16 Austragungsstätten von Grafenau bis Burghausen, von Niederalteich bis Reichersberg.

An drei Orten stellte der neue künstlerische Leiter Dr. Carsten Gerhard in der ersten Maihälfte das umfangreiche, vielgestaltige Programm vor. An seiner Überzeugung, die „EW verstanden und verstehen sich als europäische Werbeplattform mit den Mitteln der Kunst“ hält der promovierte Germanist und Musikwissenschaftler, Inhaber einer 2007 gegründeten Münchner Kulturmarketing-Agentur, fest. Sein funkelndes, mit Optimismus und Weitsicht präzisiertes Angebots-Spektrum ist so breit, dass „für jeden etwas dabei“ ist. Unter www.ew-passau.de erhält man Auskunft. Karten sind über Telefon +49851-56096-26 bzw. online unter kartenzentrale@ew-passau.de zu bekommen.

Professor Jan Assmann hält die Eröffnungs-Festrede, Stefan Sieh liest Victor Hugos Rede zum Friedenskongress 1849, Astrid Jacob spielt „Gertrude und Tucholsky“, Lina Prosa zeigt eine deutsche Erstaufführung, Christian Torkler liest aus „Der Platz an der Sonne“ – die Interessen, die der EW ansprechen, sind so unterschiedlich in Anspruch und Genre wie sie in den zu erwartenden „musikalischen Sternstunden“ von Virtuosen der Vokal- und Instrumentalkunst geboten werden. Von einer Lesung von Professorin Aleida Assmann („Der europäische Traum“) bis zum „10. Osterhofener Kocherlball“, vom Liederabend der norwegischen Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland bis zu einem Konzert mit dem Ensemble Concerto Köln („Bach in Italien“), von G. F. Händels Oratorium „Der Messias“ in englischer Originalsprache und einer Performance des Monika Drasch-Quartetts („Auf der böhmischen Grenz`“) dürfte jeder Geschmack getroffen sein.

Exklusiv bei den EW: Ludwig van Beethovens „große musikalische Akademie“. Noch-Nicht-Intendant Carsten Gerhard interessierte dabei, „unter welchen Bedingungen Konzertveranstalter früher gearbeitet haben“. Beethoven trat, das ist kaum bekannt, am 2. April 1800 selbst als sein eigener Manager auf. „Wir stehen in dieser Zeit am Anfang des europäischen Konzertlebens, das damals allmählich begann, ein Teil der bürgerlichen Identität zu werden“, sagt Gerhard mit Blick auf das kulturell immer wieder neu einzupendelnde heutige Publikum.  

Diese Beethoven-Veranstaltung (20. Juli, Studienkirche St. Michael zu Passau) ist in ihrer Einmaligkeit nur noch mit der weit vom zentralen Aufführungs-Zeitraum im Sommer 2019 entfernt liegenden, zu toppen: Am 8. November sorgt der Münchner Theaterakademie-Regisseur Cornel Franz im Burghausener Ankersaal unter dem Titel „Der Zitherspieler“ mit einer musikalisch-performativen   Begegnung mit Georg Elser für einen ganz ungewöhnlichen, bislang noch nie praktizierten Abschluss der EW. Die Zither, die Georg Elser von 1926 bis zu seinem gewaltsamen Tod am 9. April 1945 im KZ Dachau spielte, übernimmt die Stimme des erfolglosen Hitler-Attentäters. Kunst und Politik gehen in dieser Schlussveranstaltung eine Verbindung ein, die den EW den besonderen Stempel aufdrücken.

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Hans Gärtner
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Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.