Umfrage-Beben: Weidel liegt klar vor Merz – AfD wird für enttäuschte Unions- und SPD-Wähler zur Machtfrage

Wahlplakat der AfD

Die Ergebnisse der Sonntagsfragen zeigen die Veränderungen in der politischen Landschaft Deutschlands. Die Union erhält weniger Zuspruch als die AfD, die SPD weniger Zuspruch als die Grünen. Doch wie sieht’s aus, wenn’s konkret wird? Von wem möchten die Deutschen regiert werden? 21 Prozent sähen gerne die AfD führend an der Regierung, weitere 13 Prozent sähen sie mindestens gerne an der Regierung beteiligt. Zusammen würde also gut jeder Dritte (34 Prozent) die AfD gerne, ob führend oder mitregierend, an der Regierung sehen. Die CDU/CSU würden 17 Prozent gerne führend an der Regierung sehen, weitere 26 Prozent mitregierend. Insgesamt also würden 43 Prozent die CDU/CSU gerne in die Regierung eingebunden sehen. Das ist mehr als das maximal mögliche Potential der Union und der höchste Wert aller Parteien. Danach kommt die SPD mit 35 Prozent und dann – wie schon erwähnt – die AfD mit 34 Prozent.

Bei einer hypothetischen Kanzlerdirektwahl zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Oppositionsführerin Alice Weidel würden 22 Prozent für Merz und 33 Prozent für Weidel stimmen. 36 Prozent sind für keinen der beiden. Es fällt auf, dass Weidel 87 Prozent der AfD-Wähler von sich überzeugen könnte, Merz nur 55 Prozent der Unionswähler.

Wenn gefragt wird, wie die Stimmung sich nur so verändern konnte, drängt sich die Frage auf, welche Parteien die Befragten schon einmal bei einer Bundestagswahl gewählt haben und nie wieder wählen würden. Hier waren Mehrfachantworten möglich. Etwa jeweils jeder Fünfte nennt CDU/CSU (20 Prozent) und SPD (19 Prozent). Die beiden alten Traditionsparteien haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten offensichtlich viele ihrer Wähler enttäuscht. Und wenn man schaut, welche Wähler diese Enttäuschten heute wählen, dann sagen 38 Prozent der jetzigen AfD-Wähler, dass sie schon einmal die Union bei einer Bundestagswahl gewählt hätten, das aber nie wieder tun würden. Weitere 32 Prozent der jetzigen AfD-Wähler sagen das über die SPD. Sehr viele aktuelle Wähler der AfD haben also früher schon einmal Union und/oder SPD gewählt. Wenn also überlegt wird, weshalb Schwarz-Rot keine Große Koalition mehr ist, dann sind die von CDU/CSU und SPD enttäuschten Wähler, die jetzt für die AfD stimmen, ein Teil der Antwort.

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Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.