Pressemitteilung – Am 21. Juli werden an Häusern in der Prinz-Ludwig-Straße Erinnerungszeichen für sieben Münchnerinnen und Münchner gesetzt, darunter Lina, Josefa und Charlotte Thannhauser. Sechs ihrer Angehörigen reisen aus diesem Anlass aus den USA und aus Israel nach München. Die Gedenkveranstaltung beginnt um 15 Uhr im Innenhof der Gabelsbergerstraße 11. Teilnehmen werden auch Bürgermeisterin Mona Fuchs in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Jörg Franzen, CEO der Münchner Wohnen. Um 16 Uhr werden die Erinnerungszeichen in der Prinz-Ludwig-Straße 6, 6a und 10 gesetzt.
Das ist der feierliche Abschluss eines erinnerungskulturellen Projekts, das die Münchner Wohnen und Public History im Kulturreferat der Landeshauptstadt München zum vierten Mal gemeinsam umgesetzt haben. Zwölf Auszubildende der Münchner Wohnen erforschten unter fachlicher Anleitung die bisher unbeleuchteten Lebenswege der sieben Münchnerinnen und Münchner, die in der Prinz-Ludwig-Straße in Wohnungen der GEWOFAG und GWG lebten.
Charlotte Thannhauser (Jahrgang 1863), ihre Schwester Lina Thannhauser (Jahrgang 1865) und deren Tochter Josefa „Josy“ Thannhauser (Jahrgang 1888) lebten gemeinsam in der Prinz-Ludwig-Straße 6. Charlotte Thannhauser starb am 21. November 1933. Josefa, genannt Josy, durfte nach Beginn der NS-Herrschaft nicht mehr als Geigerin auftreten. Ihre Schwester Bella floh nach Palästina. Josy Thannhauser wurde am 4. April 1942 in das polnische Ghetto Piaski deportiert. Wenig später, am 26. Juni 1942, beging Lina Thannhauser Suizid.
Emma Kitzinger (Jahrgang 1876), lebte in Haus Nummer 8 (heute 6). Ihr Sohn Fritz floh nach Beginn der NS-Herrschaft in die USA und versuchte vergeblich, seine Mutter nachzuholen. Am 3. Juli 1942 deportierte die Gestapo Emma Kitzinger in das Ghetto Theresienstadt. Dort erlag sie am 22. Oktober 1942 den katastrophalen Lebensbedingungen.
Der Immobilienmakler Theodor Mendle (Jahrgang 1876) wohnte mit seiner Frau Elsa Mendle (Jahrgang 1883) und Tochter Gerda in der Prinz-Ludwig-Straße 14 (heute 8-10). Weil er in der NS-Zeit keine Aufträge mehr erhielt, musste er unter Druck seinen Grundbesitz verkaufen, unter anderem an die Stadt München. Gerda floh 1937 nach Palästina. Am 4. April 1942 deportierte die Gestapo Theodor und Elsa Mendle nach Piaski. Dort verliert sich ihre Spur.
Johanna Maurus (Jahrgang 1886) wohnte mit ihrem Mann Wilhelm und Sohn Kurt in der Prinz-Ludwig-Straße Nummer 12 (heute 6a). In der NS-Zeit galt die Ehe als „Mischehe“, Kurt als „Mischling“. Kurz vor der ersten Deportation von Münchner Jüdinnen und Juden beging Johanna Maurus am 13. November 1941 Suizid. Ihr Sohn Kurt überlebte die NS-Herrschaft.
Programm am Dienstag, 21. Juli 2026
15 Uhr: Gedenkveranstaltung
Grünfläche im Innenhof der Gabelsbergerstraße 11
Es sprechen: Bürgermeisterin Mona Fuchs in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Jörg Franzen, CEO der Münchner Wohnen, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern
Lindsay Knisely, Margaret Beyer und Jonathan Tsevi, Nachkommen der Familie Thannhauser
Nicole Pucyk, Auszubildende bei der Münchner Wohnen
Endrit Ferati und Dr. Christiane Fritsche (über eine Studienfahrt der Auszubildenden der Münchner Wohnen nach Kaunas)
Dr. Svenja Jarchow, Bezirksausschuss 3 – Maxvorstadt
16 Uhr: Anbringung der Erinnerungszeichen in der Prinz-Ludwig-Straße
Auszubildende bei der Münchner Wohnen verlesen vor Ort die Biografien:
Prinz-Ludwig-Straße 6
für Emma Kitzinger, Lina, Josefa und Charlotte Thannhauser
Prinz-Ludwig-Straße 6a
für Johanna Maurus
Prinz-Ludwig-Straße 10
für Elsa und Theodor Mendle
Zu den Erinnerungszeichen: Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.
