Wer die aktuellen Ergebnisse der Sonntagsfrage ernst nimmt, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Es gibt keine Partei, die auf Bundesebene auch nur den Hauch einer Chance auf eine eigene parlamentarische Mehrheit hat. Die Zeiten, in denen Union und SPD jeweils, zumindest beim maximal möglichen Potential, über 40 Prozent kamen, sind längst vorbei. Inzwischen liegt das maximal mögliche Potential von Union, AfD und SPD bei jeweils etwa einem Drittel der Wählerstimmen. Ohne einen Koalitionspartner kann also keine Partei regieren. Deshalb wollten wir einmal wissen, mit welcher Partei, die Partei, die die Befragten wählen würden, am ehesten eine Koalition bilden sollte. Die Unionswähler nennen hier vor allem SPD (36 Prozent), FDP (22 Prozent) und AfD (12 Prozent). AfD-Wähler wünschen sich am häufigsten keinen der derzeit theoretisch möglichen Koalitionspartner (25 Prozent), dann kommt das BSW (24 Prozent) und die CDU/CSU (20 Prozent). SPD-Wähler nennen am häufigsten Bündnis90/Die Grünen (28 Prozent), die CDU/CSU (26 Prozent) und die Linkspartei (11 Prozent). Favorisierter Koalitionspartner der Grünen-Wähler ist die SPD (40 Prozent), es folgen die Linkspartei (23 Prozent) und die CDU/CSU (18 Prozent). Linke-Wähler sprechen sich am häufigsten für eine Koalition mit den Grünen (38 Prozent) und der SPD (24 Prozent) aus. BSW-Wähler nennen vor allem Linkspartei (26 Prozent) und AfD (16 Prozent) und FDP-Wähler CDU/CSU (26 Prozent), AfD (18 Prozent) und Grüne (13 Prozent). Alle anderen möglichen Optionen kommen jeweils nur auf einstellige Prozentwerte. Die Debatte um den richtigen Koalitionspartner dürfte für alle Parteien sehr herausfordernd werden.
Die Stimme jedes Wählers zählt gleich, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Herkunft etc. Übrigens auch unabhängig davon, wie sehr man sich mit Politik beschäftigt. Knapp jeder Vierte (24 Prozent) findet, dass er sich sehr häufig mit Politik beschäftigt, 38 Prozent sagen, dass sie sich eher häufig mit Politik beschäftigen, 24 Prozent selten und neun Prozent sehr selten bzw. nie. Dass sich nach ihrer Selbsteinschätzung über 60 Prozent der Deutschen häufig mit politischen Themen beschäftigen, weckt auch das Interesse daran, wie stark sich die Wählerschaften der Parteien mit Politik beschäftigten. Am häufigsten sagen AfD-Wähler, dass sie sich mit Politik beschäftigen (30 Prozent sehr häufig und 44 Prozent eher häufig), am seltensten sagen das die Wähler der FDP (25 Prozent sehr häufig und 34 Prozent eher häufig). Aber wie gesagt, die Stimmen sind gleich viel wert, ob man sich viel oder wenig mit Politik beschäftigt.
Es gibt aber einen Punkt, wo die Beschäftigung mit Politik für die jeweilige Partei ein besonderer Gewinn sein kann. Das ist dann der Fall, wenn man im Wahlkampf Helfer benötigt, die für die Partei werben. Deshalb haben wir gefragt, wer für die Partei, die er wählen würde, im Wahlkampf werben würde. Knapp jeder dritte Wähler (31 Prozent) ist dazu bereit, fast jeder Zweite (45 Prozent) will sicher nicht mitmachen. Die höchste Bereitschaft, sich für die Partei im Wahlkampf zu engagieren, der man seine Stimme gibt, findet sich unter AfD-Wählern (38 Prozent ja, 38 Prozent nein), am seltensten bekunden FDP-Wähler (25 Prozent, 57 Prozent nein) diese Bereitschaft. Je besser es Parteien gelingt, aus potentiellen Wählern Mitstreiter zu machen, umso erfolgreicher sind sie für einen zukünftigen Wahlkampf aufgestellt.
