Deutschlandtrend: 86 Prozent blicken beunruhigt auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse

Deutschlandfahne

Der ARD-Deutschlandtrend vom Oktober misst eine außergewöhnlich hohe Beunruhigung. 86 Prozent der Befragten sehen die bestehenden Verhältnisse mit Sorge, nur zwölf Prozent mit Zuversicht. Besonders häufig wird die fehlende Einigung der Parteien auf zentrale politische Antworten genannt.

84 Prozent sorgen sich über fehlende gemeinsame Antworten

Infratest dimap befragte zwischen dem 28. und 30. September 1.303 Wahlberechtigte für den ARD-Deutschlandtrend. 86 Prozent sagten, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland gäben ihnen Grund zur Beunruhigung. Zwölf Prozent nannten Zuversicht. 84 Prozent waren sehr besorgt oder besorgt darüber, dass die Parteien auf zentrale politische Fragen keine gemeinsamen Antworten finden.

Weitere Sorgen verteilen sich auf unterschiedliche Themen. 66 Prozent fürchten einen Kontrollverlust bei Künstlicher Intelligenz; ebenso viele sorgen sich über Folgen der Politik des US-Präsidenten Donald Trump für Deutschland. 60 Prozent nannten den Klimawandel, 54 Prozent einen möglichen russischen Angriff auf weitere europäische Staaten. 51 Prozent befürchten, ihren Lebensstandard künftig nicht halten zu können.

Niedrige Werte für Regierung und Kanzler

Parallel zur allgemeinen Beunruhigung sind die Zufriedenheitswerte der Bundesregierung niedrig. Nur zehn Prozent waren mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden, 88 Prozent unzufrieden. Verteidigungsminister Boris Pistorius erreichte dagegen 50 Prozent Zustimmung. In der Sonntagsfrage lag die AfD im Deutschlandtrend bei 27 Prozent, die Union bei 20 Prozent.

Wenige Tage später sah Insa die AfD bei 30 Prozent und die Union bei 18 Prozent. Beide Erhebungen nutzen unterschiedliche Methoden und sind nicht direkt identisch. Sie weisen jedoch in dieselbe Richtung: Die politischen Zustimmungswerte für Regierung und Union sind derzeit niedrig.

Sorge ist kein einheitliches politisches Lager

Die 86 Prozent Beunruhigung umfassen Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen Ansichten. Nach Angaben von Infratest dimap ist die Sorge sowohl unter Anhängern der AfD als auch der Linken besonders hoch. Die Gründe können gegensätzlich sein. Deshalb lässt sich aus der allgemeinen Stimmung keine einheitliche politische Forderung ableiten.

Ein Schwerpunkt der Befragung war außerdem die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. Nur eine Minderheit traut der Bundesregierung zu, diese dauerhaft zu stabilisieren. Der Bericht über die Gerechtigkeitsdebatte bei Krankenversicherungen und der Beitrag zur Rentenreform greifen zwei dieser Sachfragen auf. Der Deutschlandtrend selbst bleibt ein Stimmungsbild mit statistischer Schwankungsbreite.

Methodik der Befragung

Der Deutschlandtrend kombiniert Telefon- und Onlinebefragungen. Für die Oktober-Erhebung wurden 777 Interviews telefonisch und 526 online geführt. Die Ergebnisse werden nach soziodemografischen Merkmalen und früherem Wahlverhalten gewichtet. Infratest dimap nennt eine Schwankungsbreite von etwa zwei Prozentpunkten bei kleineren und drei Prozentpunkten bei größeren Anteilswerten.

Damit sind Unterschiede von wenigen Punkten zwischen zwei Erhebungen nicht zwingend politisch bedeutsam. Der hohe Wert von 86 Prozent Beunruhigung liegt jedoch weit außerhalb dieser Schwankungsbreite und beschreibt eine sehr breite Stimmung. Welche politischen Konsequenzen einzelne Befragte daraus ziehen, ist eine andere Frage. Die Sonntagsfrage und die Bewertung einzelner Politiker erfassen diese Entscheidungen getrennt.