China: Der 1000 Zeichen-Klassiker

Aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong

Fisherman. Bild von Myriam Zilles auf Pixabay. Freie kommerzielle Nutzung

Der 1000 Zeichen-Klassiker. Aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong, Reclam, Ditzingen 2018, ISBN: 978-3-15-011177-2, 24 EURO (D)

Der Tausend-Zeichen-Klassiker war ein Buch für die Elementarerziehung im alten China. Der Text besteht aus genau eintausend Schriftzeichen in Form eines Gedichts, die auf 250 Versen zu je 4 Zeichen entfallen. Jedes Schriftzeichen taucht dabei genau einmal auf. Als Muster wurde die Kalligrafie Wang Xizhis genommen, des berühmtesten Kalligrafen Chinas. 

Der Tausend-Zeichen-Klassiker wurde über viele Jahrhunderte in China für den Unterricht benutzt: Jeder, der im alten China eine Schule besuchte, musste es beherrschen. Vier Zeichen ergeben jeweils einen Sinnzusammenhang, und acht Zeichen ein kleines Gedicht. Dieser Text erscheint hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung. Für chinesische Leser rufen sie Vorstellungen auf, Bildungsinhalte, einen Spruch der alten Meister Konfuzius oder Laozi, eine ethische Maxime. Und damit vermitteln sie den gesamten Kosmos chinesischen Weltwissens und chinesischer Kultur. Eva Lüdi Kong hat dies erstmals übersetzt und versucht ihn für den deutschen Leser zu erschließen und in einen Sinnzusammenhang zu bringen. 

In einer Vorbemerkung wird die Erläuterung des Textes vorgestellt, dann folgt der Hauptteil mit dem Tausend-Zeichen-Klassiker. Im Anhang findet man ein Nachwort, die kalligrafischen Abschriften, ein Literatur- und Quellenverzeichnis und ein Register der chinesischen Zahlen.

Lüdi Kong überträgt dabei den Text in eine eingängige, ebenfalls vierzählige Metrik. Der chinesische Text kann vertikal in einer Spalte durchgelesen werden, während ihm die Übersetzung auf der rechten Seite in horizontal gesetzten Versen folgt. Links von jedem Schriftzeichen ist eine wörtliche Übersetzung angegeben, die die kontextuell zutreffende Bedeutungsebene des Zeichens wiedergibt. Weiterhin gibt es weitere Erläuterungen in Form von kurzen Kommentaren und kleine Illustrationen mit einem Einblick in die Vorstellungsebene. 

Trotz dieser guten sinngemäßen Erschließung von Lüdi Kong ist es erstmal schwer, den Text richtig zu deuten. Es empfiehlt sich, zuerst die Einleitung und das Nachwort über die Entstehung und Geschichte zu lesen und dann erst mit diesem Hintergrundwissen in die Lektüre einzusteigen. 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.