Die Problematik der Philosophie des Geistes

Sonnenuhr, Foto: Stefan Groß

Noch vor wenigen Jahrhunderten waren Theologen und Philosophen die einzigen, die Gott und die Welt erklären konnten. Das änderte sich im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte durch die Naturwissenschaften, die immer mehr Wissen schafften, das nicht nur geglaubt, sondern auch bewiesen und verstanden werden konnte. Fakt ist, dass es heute nur noch wenige Themen gibt, die naturwissenschaftlich nicht erklärt werden können. Dazu zählte bis vor kurzem auch noch der menschliche Geist, der – weil er geheimnisvoll und unsichtbar wie ein Geist in uns aktiv ist, nicht nur von den Theologen, sondern auch von den Philosophen schon immer als etwas Göttliches aus einer anderen Welt angesehen wurde. Noch heute wird er gelegentlich zusätzlich in Verbindung mit einer hypothetischen Seele gebracht, die angeblich den körperlichen Tod überlebt. Jedoch weder die Theologen noch die Philosophen können uns erklären, wie das gehen soll, sowie was die Seele und der Geist des Menschen eigentlich sind, welche Eigenschaften sie unterscheiden und warum angeblich nur wir Menschen eine Seele haben. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Hauptproblemen der Philosophie des Geistes, die heute naturwissenschaftlich erklärt und verstanden werden können.

 

  1. Einführung

Alles, was von Geisteswissenschaftlern zu den Themen Gott und menschlicher Geist kommuniziert wird, basiert seit Urzeiten allein auf Glaubensvorstellungen, in denen erst in jüngster Zeit nach und nach naturwissenschaftliche Erkenntnisse einfließen. Mehr als die Hälfte der Menschen wird geschätzt, glauben deshalb heute immer noch, dass in ihnen eine unsterbliche Seele wohnt, die sie sich als etwas rein Geistiges, also Unsichtbares und Nichtmaterielles vorstellen, was alle Erinnerungen an das Leben des jeweiligen Menschen trägt und was deshalb auch gerne in Zusammenhang mit dem menschlichen Geist und der menschlichen Psyche gebracht wird. Daher werden die Begriffe seelisch, psychisch und geistig fälschlicherweise auch gerne gleichbedeutend verwendet. Der Ursprung dieses uralten Glaubens ist die Hoffnung, dass nach dem unvermeidbaren körperlichen Tod wenigstens das Geistige des Menschen irgendwie erhalten bleibt.

Bis vor wenigen Jahrhunderten glaubten die Menschen, dass alles, was unsichtbar agiert, durch einen Geist zustande kommt. Wenn ein Urmensch ein Auto fahren sehen würde, dann wäre er überzeugt davon, dass in ihm ein Geist für die Bewegung des Fahrzeugs sorgt. Wenn er sehen könnte, was ein Computer oder ein Smartphone auf den Bildschirm zaubert, würde er ebenfalls an überirdische Geister glauben, die dafür sorgten, dass bekannte Gesichter aus dem Gerät zu ihm sprechen könnten. In allen modernen Geräten, Maschinen und Automaten würde er das Wirken von Geistern vermuten. Der Ursprung des Begriffes Geistes ist damit zweifellos mit dem Wirken unsichtbarer Kräfte verbunden, denen man in der Vergangenheit schnell einen göttlichen Ursprung bescheinigte.

Aus diesem Grund erklärte man aus tiefer Religiosität bis vor wenigen Jahrhunderten mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse alles Geschehen auf dieser Welt als Folge göttlichen Wirkens. Unter diesem Eindruck versuchte auch noch der Philosoph René Descartes die Seele des Menschen zu verstehen und sprach vom Leib-Seele Dualismus, der noch heute als Körper-Geist Dualismus unter den Philosophen heiß diskutiert wird. Die durch nichts belegte Grundannahme ist dabei der irrige Glaube, dass Körper und Geist trennbare unterschiedliche Sachen wären und dass sowohl der Geist als auch die Seele eine unsichtbare Sache aus einer anderen göttlichen Welt seien, die als unser geistiges Ich, als Geistiges oder Geist in unseren Körper kamen und ihn nach dem Tod auch wieder verlassen könnten.

Vor allem die Erkenntnisse der Naturwissenschaft haben jedoch in den letzten Jahrzehnten belegt, dass alles Geschehen auf der Welt und damit auch alles was unsichtbar ist und unsichtbar wirkt, durch eindeutig begründbare Gesetzmäßigkeiten erklärt werden kann. Dazu zählen auch die unsichtbaren Mechanismen, die in Computern, Smartphones und Maschinen wirken, sowie auch die, die in biologischen Systemen wie in unseren Körperzellen und in unserem Gehirn mit Informationen arbeiten. In dem Tabula Rasa Artikel von Hans Sixl zum Thema „Physik des menschlichen Geistes“ wird auf Basis von naturwissenschaftlichen Fakten erklärt, was der Geist des Menschen ist, was er macht, mit was er umgeht und welche Aktivitäten er wie ausführt. Dabei ist kein göttlicher Einfluss erkennbar, wie auch im Folgenden erläutert wird.

 

  1. Die Probleme der Geisteswissenschaften

Die Hauptprobleme der Geisteswissenschaften beruhen auf der Tatsache, dass ihr Gedankengebäude auf Annahmen oder Offenbarungen beruht, die geglaubt werden müssen. Zu den Fragen, was der menschliche Geist eigentlich ist und was er wie macht, gibt es seit der ersten klassischen Formulierung des Leib-Seele Problems durch Descartes fast so viele Vorstellungen, wie es Philosophen gibt. Dieser äußerst unbefriedigende Zustand kann nur durch die Naturwissenschaften behoben werden, deren Erkenntnisse auf experimentell beweisbaren und jederzeit überprüfbaren Fakten basieren. Mit ihnen kann man inzwischen nicht nur qualitativ das Geschehens auf der Welt verstehen, sondern es auch quantitativ mit den Gesetzmäßigkeiten der Physik erklären und deshalb auch in allen Details berechnen. Alles wird dabei ohne göttlichen Einfluss mit physikalisch klar definierten Größen, wie Masse, Kraft, Energie, Zeit und Raum erklärt.

Veränderungen eines Zustandes werden ausschließlich durch Kräfte verursacht. Sie sorgen mit unterschiedlichen Mechanismen durch die Beschleunigung von Massen für eine Dynamik, die auch die Zeitabhängigkeit des Geschehens ins Spiel bringt. Die Kräfte selbst stellen dabei für die Philosophen noch heute das größte Problem dar, die zwar wissen, dass sie Massen beschleunigen und dabei Arbeit leisten aber auch fälschlicherweise annehmen, dass sie durch Massen entstehen. Mit dieser Annahme ordnen sie dem Geist, der in unserem Gehirn Kräfte entstehen lässt und mit ihnen die geistige Arbeit leistet, eine rein materielle Eigenschaft zu. Naturwissenschaftlich betrachtet kann allerdings rein Materielles keine Arbeit leisten, so wie auch rein Geistiges dazu nicht imstande ist.

Alles, was in technischen Geräten, also in Fernseher, Computer, Maschinen, Autos usw. physikalisch, elektrisch oder chemisch für Dynamik sorgt und Kräfte entstehen lässt, sind Mechanismen. Sie sind die Akteure, die die Kräfte entstehen lassen, Prozesse ablaufen lassen und mit ihnen die gewünschte Arbeit leisten. Dies gilt auch für die geistige Arbeit bei der Informationsverarbeitung in technischen Geräten und lebenden biologischen Systemen. Descartes konnte natürlich noch nichts davon wissen und auch die zeitgenössischen Philosophen haben damit noch immer ihre Schwierigkeiten. Darüber hinaus konnte sich Descartes natürlich 200 Jahre vor Charles Darwin unmöglich vorstellen, wie sich der Geist evolutionär entwickeln konnte, was erst in den letzten Jahrzehnten durch die Genetik und die Hirnforschung endgültig verstanden werden konnte.

Das erste große Problem der Geisteswissenschaftler ist damit die Frage, was denn der Geist in unserem Gehirn eigentlich ist. Das nächste ist, wie er in unserem Gehirn die Kräfte entstehen lässt, die unsere geistige Arbeit leisten und damit in unserem Körper etwas bewirken. Philosophen wollen diesem Geist entweder eine materielle oder geistige Entität zuordnen. Er ist aber weder etwas Materielle oder Immaterielles, sondern ein spezieller biologischer Mechanismus, vergleichbar mit den speziellen technischen Mechanismen in unseren Maschinen, Computern und Smartphones, die wir beherrschen und deshalb auch sehr gut verstehen. Mechanismen verstehen wir gut, denn sie allein lösen Kräfte aus. Heute wissen wir, dass die Signale, die über die Nervenbahnen geleitet werden, durch Kräfte entstehen, die auf die Ionen unserer Zellflüssigkeit wirken. Es handelt sich dabei natürlich um elektrische Kräfte, die wie die Gravitationskräfte über unsichtbare Kraftfelder wirken. Was die unsichtbaren Kräfte entstehen lässt, ist damit der Schlüssel zum Verständnis der Arbeit des menschlichen Geistes. Dies wurde in dem kürzlich erschienenen Tabula Rasa Artikel von Hans Sixl mit dem Titel „Die Rolle der Information bei der Entstehung von Kräften“ erklärt.

Ein weiteres damit zusammenhängendes Problem ist auch die Frage, aus was, warum und wie sich der Geist des Menschen entwickelt hat, was heute durch die Ergebnisse der Evolutionsforschung beantwortete werden kann. Dazu zählt auch die Frage, wie sich der Geist von Mensch und Tier unterscheidet, da ja auch Tiere ein Nervensystem und ein Gehirn haben, in dem ein Geist Sinnesinformationen und interne Informationen über ihre körperliche Befindlichkeit so verarbeitet, wie es die Tiere brauchen.

Das nächste, was den Geisteswissenschaftlern erhebliche Probleme bereitet, ist der Begriff der Information, mit dem sie wenig anfangen können und ihn deshalb auch vermeiden, obwohl klar ist, dass der Geist, der im Gehirn aktiv ist, mit Informationen umgeht, die ihm unsere Sinnesorgane zur Verfügung stellen, sie im Gedächtnis abspeichert und sie so nutzt, wie wir es brauchen. Wissen, Erfahrungen und Erinnerungen kommen durch Informationen zustande, die über unsere Sinnesorgane und unser Nervensystem in unser Gehirn gelangen. Mit ihnen hängt unmittelbar die Arbeit des menschlichen Geistes zusammen.

Eine klare Aussage darüber, was der menschliche Geist im Gehirn eigentlich ist und macht, hat noch kein Geisteswissenschaftler formuliert. Sie lautet aus naturwissenschaftlicher Sicht:

Der Geist des Menschen ist ein biologischer Mechanismus, der in einem speziell konstruierten biologischen System, das wir als Gehirn bezeichnen, externe und interne Informationen verarbeitet, die er über die Nervenbahnen von seinen Sinnesorganen vorwiegend bewusst und andererseits vom Inneren seines Körpers vorwiegend unterbewusst empfängt. Er speichert sie im Gehirn ab und nutzt sie ebenfalls teils bewusst und teils unterbewusst so, wie wir es brauchen.

Da in unserem Gehirn, in Zellen und in Computern immer ein Mechanismus die Informationen verarbeitet, können wir generell alle Mechanismen, die dies bewerkstelligen, in Analogie zu unserem menschlichen Geist auch als Geist bezeichnen. Die Bezeichnungen Geist und Mechanismus sind also gleichbedeutend, wobei die naturwissenschaftliche Bezeichnung Mechanismus der historischen Bezeichnung Geist, die etwas Geisterhaftes und Gespenstisches impliziert, die Realitäten zumindest in technischen Geräten besser beschreibt.

Ein weiteres Problem der Geisteswissenschaften ist die Frage, was den bewussten und dem unterbewussten Geist des Menschen unterscheidet und warum unser Geist ohne unser bewusstes Zutun Informationen speichert und sie beim Denken und Handeln für uns reaktiviert. Die Frage ist damit, wer lässt den unterbewusst arbeitenden Geist, unser unterbewusstes Ich, in uns agieren, und wer ist außerdem der völlig andere unterbewusst in unseren Körperzellen arbeitende Geist, der uns entstehen und leben lässt. Die Existenz dieses Geistes, der die Arbeit der Körperzellen steuert, ist den Geisteswissenschaftlern deshalb noch nicht bewusst, weil die Verarbeitung der genetischen Informationen erst in den letzten Jahrzehnten naturwissenschaftlich aufgeklärt werden konnte.

Damit stellen sich folgende grundlegenden Fragen:

Wer sind wir körperlich und geistig überhaupt?

Welcher Geist/Mechanismus sorgt dafür, dass wir ein körperliches Leben haben und welcher Geist/Mechanismus ist für das geistige Leben zuständig?

Wie unterscheidet sich unser bewusstes von unserem unterbewussten geistigen Ich?

Gibt es auch ein bewusstes und ein unterbewusstes körperliches Ich?

Wie entsteht unser Bewusstsein und wer trifft unsere Entscheidungen?

Sind wir ein biologischer Vollautomat?

Haben wir einen eigenen Willen oder sind auch unsere Entscheidungen vorprogrammiert?

Folgende Probleme, die eng zusammenhängen, machen damit den Geisteswissenschaftlern das Leben schwer:

  • Die Natur des menschlichen Geistes, der vor Jahrtausenden als rein göttlich gesehen wurde und der bei seiner geheimnisvollen Arbeit als unser geistiges Ich in unserem Gehirn für unser geistiges Leben sorgt und uns denken, träumen, rechnen, unhörbar mit uns selbst sprechen lässt , unsere Bewegungen steuert usw.
  • Die Natur des Geistes, der dafür sorgt, dass körperliches Leben in allen Lebewesen funktioniert.
  • Die evolutionäre Entwicklung des menschlichen Geistes aus primitiven Urformen der Tiere.
  • Die Natur der Informationen, mit denen unser Geist arbeitet, die rein geistig und materiefrei sind. Was Informationen sind und wie sie entstanden sind, wurde von Hans Sixl in dem Tabularasa Artikel „Evolution der Information“ vom 4. April 2016 beschrieben.
  • Die Grundlagen der Informationsverarbeitung, da ja rein Geistiges keine Kräfte erzeugen kann, mit denen etwas bewegt und damit die geistige Arbeit in unserem Gehirn geleistet werden kann. Damit hängt die Frage zusammen, ob rein Geistiges überhaupt allein existieren kann und wie deshalb Informationen auf unseren Körper Einfluss nehmen können.

 

  1. Informationsverarbeitung

Technische Informationsverarbeitung spielt erst seit wenigen Jahrzehnten in unserer Gesellschaft eine große Rolle. Was Informationen sind, wie sie zustande kommen, technisch gespeichert und weiterverarbeitet werden, ist heute bestens bekannt und wird in großem Umfang genutzt. Heute wissen wir, was Computer sind und wie in ihnen Informationen elektronisch verarbeitet werden. Schließlich haben wir sie ja auch hergestellt. Ferner wissen wir, dass in ihnen ein elektronischer Mechanismus mit Bildern, Sprachen und Zahlen umgeht, sie über ein Eingabemedium von einem Informationsträger übernimmt, die darin enthaltene Information nutzt, sie nach Bedarf abspeichert mit ihnen neue Informationen wieder in Bild oder Ton mit den entsprechenden Ausgabemedien entstehen lässt.

Technische informationsverarbeitende Systeme können damit etwas, was auch unser menschlicher Geist kann, denn auch er nimmt mit unseren Sinnesorganen Informationen von außen auf, speichert und verarbeitet sie nach Bedarf und nutzt sie so, wie wir es wollen.

Die Kognitionswissenschaft, die sich zwischen 1950 und 1970 konstituierte, basiert als interdisziplinäre Wissenschaft auf dem „Computermodell des Geistes“, das damals noch unter Philosophen wie alles andere sehr umstritten war. Nach den Vorstellungen der Kognitionswissenschaft, die sich mit zu vielen leider auch pseudowissenschaftlichen Themen befasst, lasse sich die Unterscheidung zwischen Geist und Gehirn analog zu der Unterscheidung zwischen Software und Hardware verstehen, was in Wikipedia nachlesbar ist. Das ist aber physikalisch nicht richtig, da die Software aus einem Datenpaket besteht, das die Programme beschreibt, nach denen der Mechanismus Informationsverarbeitung abspult. Ein Datenpaket besteht aber aus Informationen und ein Geist besteht nicht aus Informationen, sondern er ist der Mechanismus, der mit ihnen arbeitet und für alle Aktionen verantwortlich ist.

Richtig ist: Der Geist des Menschen verarbeitet also Informationen wie ein Computer, nur eben nicht elektronisch. Er speichert sie ab, holt sie nach Bedarf aus dem Memory/dem Gedächtnis und versendet Signale an einen Empfänger/an Muskeln und an ein Ausgabemedium/Stimmbänder, technisch z. B an einen Plotter, einen Bildschirm oder einen Lautsprecher. Das sind Aussagen, mit denen Physiker und Informatiker etwas anfangen. Wie so etwas über Signalleitungen und Verstärker abläuft, ist bekannt. Wie bei technischen Geräten beziehen Muskeln ihre Energie nicht aus den Signalen, die sie steuern, sondern aus einer davon unabhängigen Energieversorgung. Nur für die Steuerung ist ein biologischer Mechanismus erforderlich, der die richtigen Signale aufgrund von empfangenen oder abgespeicherten Informationen produziert und an die richtigen Adressaten absendet.

Verarbeitung und Kommunikation von Informationen geschieht immer durch einen speziellen Mechanismus, der in einem mit Energie versorgten System physikalisch, chemisch, biologisch oder technisch, also elektrisch, ionisch … aktiv ist. Beim Menschen werden im Gehirn, einer speziellen biologischen Konstruktion, Informationen empfangen, verarbeitet und neue Informationen abgesandt. Der in diesem speziellen System arbeitende zugehörige Mechanismus wird als menschlicher Geist bezeichnet. Ein Mechanismus arbeitet immer in einem speziell konstruierten System. Auf die Art, wie der Mechanismus (unser Geist) dies macht, haben wir keinen Einfluss. Das meiste läuft vollautomatisch ohne unser Zutun ab.

Der Mechanismus, der in unserem Gehirn vorwiegend unterbewusst aktiv ist, ist ein genetisch vererbter Mechanismus/Geist, der eigenständig (quasi wie ein anderes geistiges Wesen) in uns unabhängig von unserem bewussten Geist, also unserem bewussten geistigen Ich arbeitet und ihn laufend mit den Informationen versorgt, die er beim Denken gerade benötigt. Bei unserem unterbewussten Geist handelt es sich allerdings nicht um einen Homunkulus, also um einen kleinen Menschen oder ein anderes alienartiges oder göttliches Wesen aus einer anderen Welt, das in unserem Gehirn arbeitet, sondern um einen genetisch vererbten automatisch arbeitenden Mechanismus, der auch in allen Tieren arbeitet, die ein Gehirn haben. Unser Gehirn arbeitet mit ihm wie ein vorprogrammierter biologischer Automat, der mit speziellen Informationen und speziellen Informationsträgern/Signalen arbeitet.

 

  1. Wer ist der Akteur in unserem Gehirn?

Philosophen sind schnell geneigt, den Akteur in unserem Gehirn, also unseren menschlichen Geist, als Homunkulus zu bezeichnen, da er für uns geheimnisvoll die geistige Arbeit leistet, ohne dass wir wüssten, wie er es macht. Unser Geist arbeitet in unserem Gehirn ähnlich wie der technische Mechanismus, der in einem Computer arbeitet, nur mit sehr viel mehr und völlig anderen Informationen und Signalen/Informationsträgern. Er denkt, träumt, fantasiert, plant, formuliert unsere Sätze und er weiß, was unser Körper will, welche Gefühle er entwickelt und natürlich auch wie er ihn bewegen soll, wie er uns sprechen, essen, trinken und pinkeln lässt usw.

Da alles, außer gewisse Aspekte beim Denken und Entscheiden, die wir unserem bewussten geistigen Ich zuordnen, ohne unser Zutun vollautomatisch abläuft, gibt es in uns außer unseren bewussten Geist noch einen unterbewussten Geist, der ihm zuarbeitet, der also als fester Bestandteil unseres bewussten denkenden Geistes mit ihm verkoppelt ist und die eigentliche geistige Arbeit unterbewusst wie ein Vollautomat leistet. Das ist auch ganz gut so, denn wir müssen ja auch nicht wissen, wie in unserem Gehirn, unserem Videorecorder oder PC das Abspeichern oder Reaktivieren der Erinnerungen bzw. der abgespeicherten Filme in Bild und Ton abläuft. Hauptsache, es funktioniert. Und weil es für unser Leben auch nicht wichtig ist, diese internen Abläufe zu kennen, hat auch die Evolution dafür keine innere Sensorik bereitgestellt, die uns diese Informationen liefert.

Den in unserem Gehirn automatisch und perfekt arbeitenden biologischen Mechanismus, der ununterbrochen unsere Sinnesinformationen aber auch die Informationen verarbeitet, die ihm unser Körper zuspielt und mit ihnen denkt, also die feste Einheit aus unserem unterbewusst und bewusst arbeitenden Geist, bezeichnen wir als unseren Geist oder als unser geistiges Ich. Dass ein Mechanismus unser geistiger Akteur ist, mag für Geisteswissenschaftler unverständlich sein, ist aber als technisches Analogon in allen informationsverarbeitenden Geräten Fakt.

In allen Lebewesen, die ein Nervensystem, ein Gehirn und Sinnesorgane haben, arbeitet von Anfang an, ausschließlich ein unterbewusster Mechanismus/Geist vollautomatisch und mit höchster Perfektion mit den Informationen, die ihm die Sinnesorgane liefern. Dieser Geist macht Tieren und Menschen nach gewisser Zeit bewusst, in welchem Umfeld sie sich befinden, was sie können und mit welchen Muttertieren/Eltern sie aufgewachsen sind. Auch das Bewusstsein des Menschen entwickelt sich erst Monate nach der Geburt, nachdem das Gehirn unterbewusst gelernt hat, mit den in seinem Gehirn vollautomatisch abgespeicherten Informationen umzugehen.

Der biologische Mechanismus, der alles, was in unserem Körper vom Gehirn aus über unser Nervenzellen mittels der im Gehirn abgespeicherten Informationen (Sprachen, Wissen, Erfahrungen, Erinnerungen …) sowohl unterbewusst als auch bewusst steuert, repräsentiert unser geistiges Ich und charakterisiert damit unsere geistige Leistungsfähigkeit. Nur ein kleiner Teil davon, unser bewusstes Ich, mit dem wir denken, hängt vorwiegend von dem ab, was wir abrufbar erfahren, erlebt und gelernt haben.

Da die eigentliche geistige Arbeit, das Abspeichern und Reaktivieren von Informationen ohne unser bewusstes Zutun abläuft und da unser Gefühl gelegentlich etwas anderes möchte, als unser denkender Geist als vernünftig und sinnvoll erachtet, wirkt es so, als sei dieser unterbewusst arbeitende Geist von unserem bewussten Geist, unserem denkenden Ich, entkoppelt. Daher haben einige Philosophen ein Problem damit, unseren unterbewusst und bewusst arbeitenden Geist als einen einzigen Geist, der unser geistiges Ich ist, zu bezeichnen.

Der überwiegende Teil der Arbeit unseres Geistes, der immer aktiv ist, erfolgt vollautomatisch ohne unser Zutun, so wie auch der überwiegende Teil der Arbeit, die unser Körper in unserem Inneren leistet, ohne unser Zutun erfolgt.

Alles geschieht in unserem Körper. Die Informationsverarbeitung kann nicht außerhalb unseres Gehirns stattfinden, so wenig wie sie außerhalb eines Computers stattfinden kann. Das System, in dem alles abläuft, also Körper und Geist sowie Computer und Mechanismus gehören untrennbar zusammen und bilden eine Einheit. Alles, was in uns unseren Geist betrifft, repräsentiert unser geistiges Ich, unsere geistige Identität und Leistungsfähigkeit, so wie alles, was unseren Körper betrifft, auch unser körperliches Ich, unsere körperliche Identität und Leistungsfähigkeit repräsentiert. Auch alles, was in einem androiden Roboter den Mechanismus betrifft, der die Informationen seiner Sensoren verarbeitet, repräsentiert seine geistige Identität und Leistungsfähigkeit und alles was die Mechanik seinen Körper und sein Aussehen betrifft, bezieht sich auf seine körperliche Identität und Leistungsfähigkeit.

 

  1. Wer ist der Akteur in unserem Körper?

Drei unterschiedliche Mechanismen, die sehr unterschiedliche Arbeiten leisten, sind in unserem Körper aktiv. Sie sind deshalb auch die Akteure in unserem Körper.

  • Der erste ist ein genetischer Mechanismus, der von mir auch als genetischer Geist oder Zellgeist bezeichnet wird. Er verarbeitet die genetischen Informationen in den Zellen aller Lebewesen auf rein chemische Art und Weise und sorgt damit primär für das körperliche Leben aller Lebewesen. Er ist damit auch in uns für das Leben von Milliarden einzelner Körperzellen verantwortlich. Dieser Mechanismus war der einzige Akteur in der ersten lebenden Zelle.
  • Der zweite Mechanismus sorgt dafür, dass in Vielzellern auch die Zusammenarbeit zwischen den Körperzellen gut abgestimmt verläuft. Dazu müssen die notwendigen Informationen zwischen den Zellen und ausgetauscht und genutzt werden. Dies kann nur durch Diffusion von Botenmoleküle erfolgen.
  • Der dritte Mechanismus regelt in höher entwickelten Lebewesen, die einen Blutkreislauf und ein Gehirn besitzen, die Zusammenarbeit zwischen den vielen Organen des Körpers einerseits durch Botenmoleküle über den Blutkreislauf und andererseits durch elektromagnetische Signale, die über das vegetative Nervensystem in das Gehirn gelangen und dort zur Steuerung genutzt werden. Dieser Mechanismus/Geist, der diese Informationen verarbeitet, ist damit der evolutionär älteste Teil unseres unterbewusst arbeitenden menschlichen Geistes, der evolutionär schon vor den Menschen aktiv war.

Der Körper aller höher entwickelten Lebewesen funktioniert mit diesen Mechanismen wie ein biologischer Vollautomat, der einerseits mit uralten vererbten genetischen Informationen arbeitet, aber auch mit interner Sensorik dafür sorgen muss, dass sie einzelnen Zellen und Organe je nach der aktuellen Lebenssituation gut zusammen arbeiten. Mit diesen drei Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, wird unser körperliches Leben sichergestellt. Dass wir diese Mechanismen brauchen, wird leicht vergessen, da wir es gewohnt sind, dass unser Körper auch ohne unser Zutun richtig funktioniert und da er es uns nicht mitteilt, wie er es intern regelt.

Die genetischen Mechanismen und damit die Aktionen des Zellgeistes laufen auch bei uns Menschen bereits in der befruchteten Eizelle ab, die lebend aus lebenden Zellen entstanden ist. Der Akteur/Geist/Mechanismus, der dies veranlasste, entstand also nicht erst in der Eizelle, sondern war schon vor ihr da. Alle Zellen entstehen immer aus lebenden Zellen, die winzigen vorprogrammierten vollautomatisch arbeitenden chemischen Fabriken gleichen, in denen genetische Mechanismen perfekt ablaufende chemische Prozesse garantieren. Sie sorgen dafür, dass die einzelnen Körperzellen wachsen, sich vermehren und sich entsprechend den abgespeicherten genetischen Informationen spezialisieren, Organe bilden und im Lauf der Zeit ein Lebewesen entstehen lassen.

Dieser Akteur, der in den einzelnen Körperzellen die vorprogrammierte vollautomatische Arbeit fehlerfrei abspult, folgt präzise den genetischen Informationen, die in der DNS des Zellkerns abgespeichert sind. Jede Zelle unseres Körpers ist damit quasi ein winziges Lebewesen, das keinen freien Willer entfalten kann, da alles, was es mit seinem Zellkörper macht, vollständig vorprogrammiert ist. Damit unterscheiden sich unsere Milliarden Körperzellen kaum von den heute noch existierenden bekannten Einzellern, die sich allerdings selbständig ernähren und bewegen können.

Der biologische Mechanismus, der genetische Informationen verarbeitet, ist für alles verantwortlich, was die organische Zusammensetzung und Struktur der einzelnen Zellen und ihre Spezialisierung beim Aufbau unseres Körpers betrifft. Er steuert damit alles, was uns als Mensch von anderen Lebewesen unterscheidet und damit auch unser individuelles Aussehen und die Leistungsfähigkeit unseres Körpers, die über die Struktur unseres Gehirns auch die Grundlage für unsere geistige Leistungsfähigkeit bildet. Natürlich wird die Leistungsfähigkeit unseres Körpers auch noch durch andere Faktoren bestimmt, wie z. B. durch unsere Ernährung und unser körperliches und geistiges Training.

Sobald das Lebewesen, das ein komplexes organisches System darstellt, Sinnesorgane, Nervenzellen und ein Gehirn entwickelt hat, kann es in diesem Nervensystem den uns bekannten unterbewussten Geist entwickeln, der auf Basis der genetischen Informationen dafür sorgt, dass es über die interne Kommunikation, vorwiegend über das vegetative Nervensystem aber auch über den Blutkreislauf wie ein Vollautomat als Ganzes intern richtig abgestimmt funktioniert – dass beispielsweise die für die Verdauung notwendigen internen Bewegungen im Magen, Darm usw. sichergestellt sind und auch die Bewegungen des ganzen Körpers kontrolliert erlernt wird.

 

  1. Die Rolle der Evolution

Die ersten Lebewesen auf dieser Welt waren Einzeller. Ihr Körper bestand aus einer einzige Zelle, aus der sich viel später alle Pflanzen und Tiere entwickelten. Auch in ihnen arbeitete ein Geist, der sie leben ließ. In allen pflanzlichen und tierischen Zellen arbeitet, so lange sie leben, ein Mechanismus, den wir als Zellgeist bezeichnen, der mit genetischen Informationen arbeitet, die molekular auf der DNS im Zellkern abgespeichert sind. Der Umgang mit diesen Informationen sorgt dafür, dass die Chemie in der Zelle richtig funktioniert, was die wichtigste Voraussetzung für das Leben der Zelle ist. Dieser Zellgeist hat damit eine völlig andere Aufgabe als unser menschlicher Geist und nutzt auch völlig andere Informationen, auf die unser denkender Geist nicht zugreifen kann.

Aus Einzellern entstanden Vielzeller und schließlich nach den Tieren die Menschen. Der Geist, der die Einzeller sich bewegen, ernähren und vervielfältigen lässt, ist ein genetisch vorprogrammierter vollautomatisch arbeitender Geist, der für das körperliche Leben des Einzellers zuständig ist. Auch Tiere und Menschen bestehen aus Milliarden von Zellen, in denen ein Zellgeist ohne unser Zutun und völlig entkoppelt von unserem denkenden Geist für das Leben unseres Körpers sorgt. Von unserem Körper wissen wir, wie er aufgebaut ist, wie er aussieht und was wir mit ihm machen können. Unser Körper ist unser körperliches Ich und wir müssen für die Gestaltung unseres persönlichen Lebens auch nicht wissen, wie der Zellgeist in unseren Zellen im Einzelnen die genetischen Informationen verarbeitet.

So wie die Aktivität des Zellgeistes für das körperliche Leben der Zellen sorgt, so sorgt die Aktivität des Geistes in der speziellen Struktur des Gehirne zusätzlich für das geistige Leben des Lebewesens. Die Informationsverarbeitung in biologischen Systemen ist direkt vergleichbar mit der Informationsverarbeitung in technischen Systemen. Natürlich handelt es sich dabei um völlig verschiedene Informationen und völlig verschiedene Mechanismen, die die zugehörige Arbeit leisten. Die Systeme, die Zelle bzw. das Gehirn, sind die Hardware, das Körperliche, vererbte Programme sind die Software. Alle Informationen, das Geistige wird immer durch einen speziellen Mechanismus so verarbeitet, wie es notwendig ist. Daher gilt:

Nicht die Zelle, das Gehirn oder der Computer leistet die geistige Arbeit, wie man gerne unsauber formuliert, sondern jeweils der zugehörige ganz spezielle Mechanismus, ein biochemischer in einer Zelle, ein biophysikalischer im Gehirn und ein elektronischer im Computer, leistet die Arbeit. Ohne den zugehörigen Mechanismus geschieht gar nichts, da die Zelle, das Gehirn und der Computer speziell konstruierte Systeme sind, in denen ohne einen speziellen Mechanismus, der grundsätzlich mit Energie versorgt werden muss, keine Dynamik entwickeln werden kann.

Da sowohl der unterbewusst arbeitende Geist als auch der bewusst denkende Geist des Menschen mit elektromagnetischen (ionischen) Signalen arbeitet, ist er direkt mit dem Mechanismus in einem Computer vergleichbar, der ebenfalls mit elektromagnetischen (allerdings elektronisch produzierten) Signalen arbeitet. Der Zellgeist hingegen bearbeitet rein chemisch abgespeicherte Informationen ebenfalls rein chemisch ohne eine Kommunikation mit Signalen. Stattdessen benutzt er Moleküle als Informationsträger, die durch Diffusion ihre Adressaten erreichen.

Für die Arbeit in einer vollständig vorprogrammierten automatisch arbeitenden Chemiefabrik braucht man keinen Steuermann, ebenso wenig wie man in einer winzigen genetisch vorprogrammierten lebenden Zelle keinen Homunkulus benötigt. In allen automatisch arbeitenden Systemen erledigt ein Mechanismus mit Informationen und einem vorgegebenen Programm alles, was geschieht. Dies gilt auch für die geistige Arbeit, die unser Geist seit jeher primär vollautomatisch über ein vorgegebenes Programm abspult, das evolutionär auf die genetisch vorgegebene spezielle Struktur des Gehirns abgestimmt ist. Dies gilt von den ersten primitiven Lebewesen an, die ein zentrales Nervensystem, ein Gehirn und Sinnesorgane entwickelten. Sie alle benötigen aufgrund ihrer Programmierung keinen Homunkulus, der in ihnen alle lebenserhaltenden Prozesse steuert.

 

  1. Schalten von biologischen bzw. technischen Prozessen

Technische Geräte kann man an- und ausschalten. Bei einem Computer kann man sorglos die Energieversorgung und mit ihr den Mechanismus/Geist abschalten, denn er besteht aus extrem stabilen anorganischen Materialien im Gegensatz zu lebenden Zellen, die aus extrem instabilen organischen und daher leicht verderblichen Materialien bestehen. Wenn man bei Menschen die Sauerstoffversorgung des Gehirns abschaltet, dann unterbricht man die Energieversorgung des Gehirns und schaltet damit auch den menschlichen Geist ab. Dabei verliert der Mensch sein Bewusstsein. Nur wenn es nicht zu lange dauert, kann der Mensch wieder sein Bewusstsein erlangen, weil sich dann die Neuronen noch nicht zersetzt haben. Bei Sauerstoffmangel sterben die Neuronen des Gehirns schneller ab als die Körperzellen, deshalb kann ein Mensch noch leben, aber sein Geist bereits erloschen sein, was als Hirntot bezeichnet wird.

Wenn man Maschinen, Autos, Computer oder Smartphones anschaltet, dann sorgt man dafür, dass sie „leben“. Dann entsteht in ihrem Inneren durch einen speziellen Mechanismus Dynamik, die etwas äußerlich Sichtbares oder Hörbares bewirkt, dass sich beispielsweise das Auto bewegt, Musik ertönt oder auf einem Bildschirm Bilder entstehen oder ein Film abläuft. Lebewesen kann man aber nicht einfach an- oder ausschalten. Lebende Zellen sind schon bei ihrer Entstehung angeschaltet, da sie grundsätzlich immer aus lebenden Zellen entstehen und daher nicht extra angeschaltet werden müssten. Sie sind im Gegensatz zu den technischen Systemen immer an, bis der Zelltod eintritt. Das Leben geht aber in den Zellen und den Lebewesen weiter, die zuvor schon vervielfältigt wurden.

Beim menschlichen Geist ist es etwas komplizierter, denn er arbeitet wie der Computer in einem speziellen System, das nicht von Anfang an in der Eizelle da war, sondern zuerst konstruiert werden muss, wie ein Computer, der in der Fabrik entsteht. Erst wenn das Gehirn, die Nervenleitungen und die Sinnesorgane nach uralten genetischen Vorgaben in einem Lebewesen funktionstüchtig entstanden sind, erst dann kann der menschliche Geit von Null an mit Null Informationen mit seiner Arbeit beginnen und nach und nach ein Bewusstsein erlangen. Da die Struktur des Nervensystems aus lebenden Zellen besteht, die bereits aktiv sind, ist die Energieversorgung der Zellen immer sichergestellt und sie können auch so mit den speziellen Informationen arbeiten, die über die Sinnesorgane bereitgestellt werden, wie es genetisch vorprogrammiert ist. Der menschliche Geist entsteht also quasi angeschaltet, zusammen mit dem Aufbau unseres Gehirns, da die Lebensprozesse in den Zellen immer angeschaltet sind. Die für seine Arbeit notwendige Energie stellen ihm die Zellen seines Körpers zur Verfügung.

 

  1. Fazit

Was der Geist des Menschen ist und was er macht, kann heute naturwissenschaftlich in den Grundzügen bestens verstanden werden. Dieses Wissen ersetzt alle Spekulationen der Philosophen, deren Überlegungen auf unhaltbaren Prämissen aufgebaut sind. Unser Gehirn ist ein mit Nervenzellen speziell konstruierter Teil unseres Körpers, in dem ein biophysikalischer Mechanismus, den wir als unseren Geist bezeichnen, vollautomatisch vorprogrammiert mit Sinnesinformationen und Informationen aus dem vegetativen Nervensystem arbeitet.

In unseren Körperzellen arbeitet ein völlig anderer biochemischer Mechanismus mit genetischen Informationen und in Computern arbeitet wiederum ein völlig anderer technischer Mechanismus mit elektronischen Informationen. Ganz allgemein geschieht in allen angesprochenen Systemen etwas Vergleichbares. Sie verarbeiten alle mit speziellen Mechanismen in speziell strukturierten Systemen sehr spezielle Informationen. Der menschliche Geist entspricht deshalb einem Mechanismus, der Informationen verarbeitet und mit ihnen Aktionen bewirkt. Es werden dabei nicht nur Sinnesinformationen, sondern auch Informationen aus dem Körperinneren verarbeitet, die unser körperliches Befinden charakterisieren.

Jede Art von Leben in Pflanzen, Tieren und Menschen, sowohl rein körperlich als auch rein geistig, beruht damit auf sehr unterschiedlichen speziellen Mechanismen der Verarbeitung von sehr unterschiedlichen speziellen Informationen (genetische bzw. Sinnesinformationen) in entsprechend sehr unterschiedlichen Systemen (Körperzellen bzw. Gehirnen). Das ist analog zu jeder Art der Dynamik, die in technischen Systemen (Computer bzw. Maschinen) durch spezielle Mechanismen (elektronisch, chemisch …) der Verarbeitung von speziellen Informationen entsteht, die in optischen, akustischen, elektromagnetischen oder chemischen Signalen enthalten sind.

Die Naturwissenschaften, die speziell in den letzten Jahrzehnten die Grundlagen für die rasanten technologischen Entwicklungen speziell in der Informationsverarbeitung aber auch in der Bio- und Gentechnologie auf Basis ihrer durch Fakten belegten Erkenntnisse geschaffen hat, ist damit auch in der Lage, die grundlegenden Probleme der Philosophie des Geistes zu lösen, die durch Denken allein ohne zusätzliche unwiderlegbare Informationen nicht geklärt werden können.

Die Naturwissenschaften erlauben eine klare Trennung zwischen den Begriffen Seele, Geist und Psyche. Der Geist des Menschen ist der biologische Mechanismus, der Informationen verarbeitet und der nur in dem dazu speziell konstruierten Gehirn mit den darin gespeicherten Informationen arbeiten kann. Das ist völlig analog zu dem technischen Mechanismus, der nur in einem speziell dafür konstruierten Computer mit den darin gespeicherten Informationen arbeiten kann.

Das Verhalten eines Menschen wird allerdings nicht nur durch Sinnesinformationen bestimmt, sondern auch durch Informationen aus seinem Körperinneren, die über das vegetative Nervensystem in sein Gehirn gelangen. Sie führen zu Emotionen, Gefühlen, Empfindungen usw., die neben seinen rationalen Überlegungen seinen Geisteszustand bestimmen. Die Psyche des Menschen ist daher ein Ergebnis der Gesamtleistung des menschlichen Geistes, in die neben der Leistung des denkenden Geistes auch alle vollautomatisch ablaufenden Arbeiten des unterbewussten Geistes einfließen.

Die Seele des Menschen betrifft heute als historischer Begriff eine hypothetische rein geistige Sache, die angeblich ohne körperlichen Träger, quasi als unsichtbarer Geist“ alle Erinnerungen eines Menschen enthält. In allen Glaubensvorstellungen der monotheistischen Religionen ist die Seele mit der Hypothese verbunden, dass sie sich als „Geist“ des Menschen, speziell nach seinem Tod vom Körper lösen kann. Man spricht dann auch gerne von einem „geisterhaften“ Seelenleben der gesamten geistigen Identität des Verstorbenen.

Was Geisteswissenschaftler nicht sauber trennen, ist das Gehirn des Menschen, das rein körperlich ist, und der Geist des Menschen, der als biologischer Mechanismus in der Lage ist, mit Sinnesinformationen umzugehen und damit eine geistige Arbeit zu leisten. Nicht das Gehirn leistet die Arbeit, in der Computersprache weder die Hardware noch die Software, sondern ein Mechanismus leistet die Arbeit. Er ist der Geist, der im Gehirn aktiv ist. Bei ihm handelt es sich um einen speziellen biologischen Mechanismus der in einem speziell konstruierten biologischen System arbeitet. Dieser Mechanismus bewirkt etwas, setzt damit Kräfte frei, was physikalisch quantitativ verstanden wird, und schickt mit ihnen beispielsweise Signale über Nervenbahnen und leistet damit eine geistige Arbeit, die wie jede körperliche Arbeit Energie benötigt. Nur ein aktives Gehirn, in dem ein Geist aktiv ist und damit ein Gehirn das lebt, kann eine geistige Arbeit leisten.

Hans Sixl
Über Hans Sixl 49 Artikel
Dr. Hans Laurenz Sixl, Jahrgang 1941, arbeitete als Professor für Physik an den Universitäten Stuttgart und Frankfurt und als Visiting Professor in Durham (UK) und Tokyo (J). Von 1986 bis 2001 war er Forschungsdirektor in der Chemischen Industrie und Vorstandsmitglied der deutschen Physikalischen Gesellschaft. Seine Arbeitsgebiete waren Spektroskopie und Materialforschung. Er hat die Molekularen Elektronik in Deutschland begründet und lehrte an der Universität Frankfurt.