Europas Zukunft wird christlich sein – oder sie wird nicht sein

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Was ist der Mensch? Was braucht er? Was macht ihn aus? Wie wird man seiner Würde gerecht? Und überhaupt: Was ist letztlich seine Würde? Können solche Fragen in Corona-Zeiten noch belastbar beantwortet werden? Wer könnte solche Antworten haben und geben? Wer sollte sie geben können – in einer Zeit, in der der Tod so alltäglich seine unbarmherzige Macht in Statistiken und Verboten zu zeigen scheint?

Wer so fragt, kommt um die Frage nach dem Wesentlichen nicht umhin. Vordergründig und hintergründig gleichermaßen. Denn seit dem Beginn der Pandemie, die so unberechenbar ihre Opfer fordert und in einer auf Machbarkeit getrimmten Welt die Ohnmacht gegen die Endlichkeit des irdischen Lebens jedem eiskalt vor Augen führt, wirkt vieles so, als seien sämtliche Koordinaten des Seins und der Sehnsucht verschoben, regelrecht verrutscht. Die Fragilität des Glücks, das planbar gewesen zu sein schien oder manchen nach sie vor scheint, die Zerbrechlichkeit der Sicherheit und die Gefährdung dessen, was als Freiheit empfunden wurde und wird, tritt machtvoll ins – jederzeit bedrohte – Leben. Überall machen sich Unsicherheit und Angst breit. Auch die vermeintliche Sicherheitshoffnung auf einen Impfstoff erweist sich als brüchig. Der jahrzehntelange Glaube daran, dass die körperliche Gesundheit das allerhöchste Gut sei, schwankt zwischen der bedingungslosen Unterordnung aller Wirklichkeit unter diese Fata Morgana und dem Erkenntnisblick auf ein übertünchtes Grab.

Man hätte meinen können, dass die so um sich greifende Totalverunsicherung des Haltlosen im Nichts zu einer Besinnung auf wirkliche Höchstgüter vor allem in der Kirche eine besondere Sehkraft gestärkt haben könnte. Doch diese Haltlosigkeit gehört wohl, um eine gerne entlehnte und auch missbrauchte Formulierung zu bemühen, zur DNA selbst vieler Verantwortlichen in der Christenheit. Nicht wenige Hirten wirken selbst derart verunsichert, dass sie ihrer verpflichtenden Stärkungskompetenz offenbar gar nicht mehr nachkommen können.

Was der Philosoph Robert Spaemann schon vor Jahrzehnten eine fatale Neigung der Kirche nannte, sich selbst als Teil des Ensembles „gesellschaftlicher Kräfte“ zu verstehen, was mit einer Selbstrücknahme des Wahrheitsanspruchs einhergeht und einer Selbstaufhebung dessen bedeutet, was der säkulare Staat als wertvoll dringend braucht, erweist sich jetzt als traurige und erschreckende Wirklichkeit, in der sich eine selbstgemachte und selbst verschuldete Bedeutungslosigkeit manifestiert. Auf tragische Weise wird die Hegelsche Idee, die sich aber nicht nur im allgemeinen, sondern auch vielfach im kirchlichen Bewusstsein eingenistet hat, zum Zirkelschluss der Hoffnungslosigkeit: dass die Geschichte letztlich ihre eigene Synthese bringen werde, gestützt auf eine vom Glauben losgelöste Vernunft. Was immer das sei. Eine kalte und herzlose Vernunft, so möchte man ergänzen.

Bisweilen erschließt die Relecture mancher Texte den Horizont für das Verstehen dessen, was hinter allen Kämpfen gegen ein Virus eben doch an viel größerem Elend schon länger schlummert. In einem Vortrag auf einem Kongress der Hanns-Martin Schleyer-Stiftung und des Päpstlichen Rates für Kultur sprach 1984 Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., in München über „Das europäische Erbe und seine christliche Zukunft“. Er skizzierte die Einseitigkeit des – man könnte sagen – amputierten neuzeitlichen Vernunftbegriffes und erinnerte an Roger Bacon, den „Doctor mirabilis“ aus dem 13. Jahrhundert und daran, dass nur noch die quantitative Vernunft Geltung zugesprochen bekomme, die Vernunft der Berechnung und des Experiments, mit dem Ziel, „dass es schließlich auch zu einer Physik der menschlichen Dinge kommt“. Und er erinnerte an den deutschen Staatsrechtler und Philosophen Martin Kiele (1931-2020), der vor einer Umkehrung des Verhältnisses zwischen Wissenschaft und praktischer Vernunft, „von einer Reduzierung der Ethik und der Politik auf Physik“ kommen werde. Ratzinger wiederum mahnte 1984: „Der Verlust der Transzendenz ruft die Flucht in die Utopie hervor. Ich bin überzeugt, dass die Zerstörung der Transzendenz jene eigentliche Amputation des Menschen ist, aus der alle anderen Krankheiten hervorquellen. Seiner wirklichen Größe beraubt, kann er nur Zuflucht zu Scheinhoffnungen nehmen.“ Und weiter: „Heute wissen wir, daß der Mensch die Transzendenz braucht, damit er seine immer unvollkommene Welt so gestalten kann, daß in ihr menschenwürdig zu leben ist.“

Im Blick auf die Politik und die nicht aus sich selbst lebende und nicht sich selbst fundamental Demokratie sei der Hinweis wichtig, dass das Christentum den Messianismus, also die belastbare und tragfähige Hoffnung auf Leben und Würde, gerade nicht im Politischen angesiedelt habe. Es klingt sehr aktuell, wenn Ratzinger damals sagte: „Die eigentliche Gefahr unserer Zeit, der Kern unserer Kulturkrise, ist die Destabilisierung des Ethos, die darauf beruht, dass wir die Vernunft des Moralischen nicht mehr begreifen können und Vernunft auf das Berechenbare reduziert haben. Der Versuch, den Menschen und die menschlichen Dinge von außen her, vom Quantitativen und Machbaren aus zu stabilisieren oder zu befreien, muss seinem Wesen nach fehlschlagen. Er bedeutet seinem Ansatz nach die Unterordnung des Geistigen unter das Quantitative, die Unterordnung des Geistigen unter das Quantitative, die Unterordnung der Freiheit unter den Zwang.“

Das alles ist keine Absage an alle Bemühungen, ein wie auch immer entstandenes Virus, das schon viele Menschenleben geraubt hat und eine Bedrohung darstellt, zu bekämpfen und der gebotenen Verantwortung zur Vorsicht gerecht zu werden. Aber die hier genannten Gedanken lassen doch ebenso unweigerlich erkennen, dass die Herausforderung für die Kirche und für jene, denen dort eine besondere Treuhänderschaft zur Glaubensstärkung übertragen ist, enorm ist. Man darf zweifeln, ob alle, die dazu berufen und auserwählt sind, ihrer Pflicht in so anspruchsvollen Zeiten, die auch immer etwas mit Klärung zu tun haben, gerecht werden können oder wollen. Gottesdienstverbote etwa, die auch von Bischöfen mit einem stillschweigenden Achselzucken oder mit angsterfülltem Gehorsam quittiert werden, sind wohl kein Zeichen von befreiter Glaubensfreiheit. Für manche drückt sich da eher ein Grund zum Mitleid mit Schwäche und Glaubensverlust aus, zumal dann, wenn die Stärkung des gerade jetzt so notwendigen Blickes auf das Seelenheil fehlt und die Gesundheitspflege der Seele, die als schöpferisches Prägesiegel dem wirklich höchsten Gut, also Gott, entgegen zu leben hat, einer Zustimmung zum Schutz  körperlicher Gesundheit ersatzlos untergeordnet wird und verdunstet.

In dem aktuellen Buch „Wahrheit. Die DNA der Kirche“ (Martin Lohmann und Gerhard Kardinal Müller im Gespräch) antwortet der deutsche römische Kardinal auf die Frage nach dem notwendigen Mut zum Bekenntnis, ob manche Verantwortlichen in der Kirche zu feige seien: „Das würde von sich selber natürlich niemand behaupten. Solche Leute halten sich selbst gerne für mutig. Sie erklären den Gleichklang mit dem Mainstream für mutig und lassen sich vor laufender Kamera unter jubelndem Beifall als kritisch denkende Katholiken feiern. Und sie fühlen sich von denen, die das Bekenntnis fordern, die sie als rückwärtsgewandte und legalistisch gesinnte Pharisäer abstempeln, verfolgt. Das ist natürlich absurd. Dabei gibt es ein objektives Kriterium. Bischöfe wachsen nicht aus dem Boden, gehören keiner Kaste an oder bekommen ihr Bischofssein vererbt. Vielmehr wird man durch die Bischofsweihe vom Heiligen Geist selber zum Lehrer des Glaubens gemacht und zum Zeugen für Christus befähigt.“ Bischöfe seien „Lehrer der Wahrheit und Diener des Wortes“. Man werde als Kandidat vorher deutlich und klar gefragt, „ob man bereit ist, Jesus Christus, die Wahrheit und die Lehre der Kirche zu bekennen und zu bezeugen – und entsprechend ohne Menschenfurcht zu verkünden. Auch das Glaubensbekenntnis wird bei der Bischofsweihe gebetet. Das ist das Grundkriterium des Auftrags.“

In diesem Zusammenhang, so die Frage in dem Gesprächsband, werde gelegentlich kritisch darauf hingewiesen, „dass offenbar der Glaube auch unter Bischöfen verdunstet. Wie kommt so etwas? Warum wird so häufig der soziale Jesus der Gerechtigkeit betont, aber die Gottessohnschaft ignoriert, verschwiegen – oder gar geleugnet? Warum spricht man zwar von Jesus, aber immer weniger von Christus? Gibt es eine eklatante Glaubenskrise bis hinein in den Episkopat? Ist das vielleicht der Rauch des Satans, von dem Papst Paul VI. einst sprach, dass dieser bis hinein in die Spitze der Kirche vorgedrungen sei?“ Die Antwort des ehemaligen obersten Glaubenshüters der katholischen Kirche lässt aufhorchen: „Es gibt immer wieder Anzeichen für Glaubensverlust und mangelndes Glaubenswissen. Es ist nicht Aufgabe der Bischöfe, sich der Welt anzupassen und vor allem auf Applaus aus der Politik und den Medien zu schielen.“

Viele Gläubige fragen sich, warum sie in solchen Zeiten nicht deutlicher vernehmen können, wie wichtig und existenzbedeutend die Sakramente für die Seelengesundheit und die Stärkung der Seele des Menschen sind. Wo sind, so hört man gelegentlich eine bohrende Frage, die nicht frei von Anklage und Entsetzen ist, manche Hirten, manche Bischöfe und Priester eigentlich in diesen Zeiten? Und was ist davon zu halten, wenn ein deutscher Bischof im Blick auf die katholische Kirche gar meint, sagen zu müssen, man sei dort möglicherweise viel zu sehr eucharistiefixiert? Immerhin geht es um die intimste und persönlichste Begegnung mit dem lebendigen Gottessohn, der nach dem Glauben der katholischen Christen im Altarssakrament real, also wirklich persönlich gegenwärtig ist.

Kardinal Müller ist da nicht der einzige, der sich „nur noch wundern“ kann, „was selbst Bischöfen, deren erste Aufgabe es ist, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, so alles einfällt. Und ich kann nur hoffen, dass der Kollege im Amt das nicht so gemeint hat, wie er es über die Medien verlauten ließ. Denn das wäre ja nun wirklich ein eklatanter Glaubensabfall. Die heiligste Eucharistie steht für den Gottessohn selbst, für Jesus Christus, der allein Grund, Kern und Lebensodem der Kirche ist. Wer das leugnet, erst recht als Bischof, der hat das Wesen der Kirche nicht verstanden und den Kern des Glaubens aus dem Blick verloren. Nichts ist wichtiger als eine – jetzt benutze ich dieses Wort einmal – Fixierung auf die Eucharistie, also eine auch sakramental verdichtete ehrfurchtsvolle und andächtige Bindung an Jesus Christus. Nur so wird die Kirche befreit, nur durch Christus empfängt jeder Christ die volle Freiheit und das Leben in Fülle.“

Manchen Bischöfen und Geistlichen könne man nur raten, „erst einmal intensiv zu beten und auf den Herrn zu hören, bevor sie sich öffentlich und höchst fragwürdig äußern, was selten dem Aufbau der Kirche Jesu Christi dient. Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben, heißt es im Buch Sacharja 12,10. Und im 1. Buch der Chronik heißt es: Richtet euer Herz und euren Sinn dar- auf, den Herrn, euren Gott zu suchen (11, 19). Nein, nein, auch wenn es einige wohl vergessen haben oder nicht mehr wissen: Es gibt nichts Wichtigeres, Besseres und Heilenderes als eine Ausrichtung auf den Herrn. Das heutige Problem ist eher ein Zuwenig an Fixierung auf die Eucharistie als ein Zuviel.“ Es sei nicht die Aufgabe der Bischöfe, irgendeinem Konformitätsdruck zu weichen.

Ja, es wäre durchaus gut und hilfreich gewesen, wenn „deutlicher gemacht worden wäre, dass es neben der Notwendigkeit der Ernährung des Leibes ein berechtigtes Ernährungsbedürfnis für die Seele gibt. Man war ja auch in der Lage, die Lebensmittelgeschäfte und sogar Baumärkte unter bestimmten Regeln und Auflagen zu öffnen. Warum war das eigentlich nicht im Blick auf die Kirchen denkbar, wo man ebenfalls Abstandsmaßnahmen hätte treffen können? Staatliche Anordnungen sind zu befolgen, um äußere Sicherheit zu gewährleisten. Aber keinem Bischof darf eine aus der Glaubensverkündigung erwachende Kreativität abgesprochen werden“, so Kardinal Müller.

Es ist immer wieder zu hören, verbunden mit einem ungläubigen Staunen: Das Schweigen und Nichtfragen innerhalb der Kirche war geradezu dröhnend. Und erschreckend entlarvend. Es ist nur normal, ganz deutlich zu fragen, ob in der Kirche in Deutschland, die sich selbst theologisch falsch allzu häufig als „Deutsche Kirche“ (mit ihrem Synodalen Irrweg) versteht, die Prioritäten noch stimmen, ob man sich als mutige Wahrheitsvermittler Gottes noch begreift. Und ob man noch erkennt, dass der Mensch wesentlich – oder sagen wir: wesenhaft – mehr braucht als eine Konzentration auf die Begrenztheit dieser zerbrechlichen und gebrochenen Welt mit all ihren Unsicherheiten und ihrer Unvollkommenheit. Wer jetzt alles auf „eine rein politische Botschaft reduziert“ (Kardinal Müller) und eintaucht in die reine Weltlichkeit, verleugnet letztlich die Wahrheit, die wirklich frei macht. Veritas Liberabit Vos – Die Wahrheit wird ich frei machen, heißt es im Johannes- Evangelium (8,32). Dieser Mut zur Wahrheit und der daraus erwachenden Freiheit ließ Papst Johannes Paul II., den Heiligen und Giganten auf der Cathedra Petri, bei seinem Amtsantritt in die Welt rufen: „Habt keine Angst! Öffnet weit die Tore für Christus!“

Zu den Wunden der Kirche in Deutschland, die der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke benennt, zählt sicher auch die schleichende Erlösungsleugnung des Kreuzestodes Christi und die „Verdunstung des sakramentalen Denkens“. Tatsächlich sind eine gerade jetzt erkennbare fatale Erlösungsvergessenheit und die damit einhergehende Sakramentalblindheit einerseits nicht vom Himmel gefallen und andererseits erschütternd tragisch. Aber ganz hier liegt auch der Schlüssel zur wahren Reform des Glaubens und einer Kirche, die sich nur an der Urform des Menschseins, wie sie sich im Menschensohn geoffenbart hat, orientieren kann. Es geht also um eine echte Re-Form! Wie sehr sie notwendig ist, zeigt sich immer dann, wenn es existentielle Krisen gibt, in denen der Mut zur wahren Demut im Bekenntnis der Wahrheit, die auf die eigentliche Bestimmung des Menschen verweist, gefordert ist. Vor allem von jenen, die dazu den Auftrag haben.

Die junge Frau und Mutter, die – voller Lebenskraft und Glaubensgeborgenheit – sich ein wenig wundert, dass man offenbar panische Angst vor dem Tod hat, den man auf jeden Fall vermeiden wolle, obwohl doch nichts so sicher sei im Leben wie der Tod, ist zu verstehen. Darin drückt sich keine Verharmlosung irgendeiner Todesnot aus, und damit will sie auch nichts schönreden, was an Trauer und Schmerz mit der Pandemie und dem irdischen Verlust von geliebten Menschen verbunden ist. Aber es wird deutlich, dass die Sprachlosigkeit aufgrund einer ins Vergessen geratenen Erlösungswirklichkeit und die einseitige Konzentration auf eine amputierte und lediglich der Physis geschuldeten Vernunft verheerend sein kann. Irgendwie lugt da heute die Herzlosigkeit durch, dass man durch das Abschaffen des Himmels und die Hybris, mit einem gottlosen Baukasten den Himmel selbst zimmern kann, nichts als die Hölle auf Erden schafft.

Zur Jahreswende 2020/2021 erinnerte die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz auf Vatican News daran, dass den Gewaltsystemen des 20. Jahrhunderts, ob rot oder braun, nicht das gelang, was mühelos in kürzester Frist durch einen Verwaltungsakt gelang: das Verbot von Gottesdiensten. Bis in liturgisches Sprechen und Antworten ließen sich die Kirchen weitgehend Verbote und Einschränkungen gefallen. Angstvoll. Klaglos. Gehorsam. Auch deshalb, weil sie sich offenbar dem Mantra „Das Wichtigste und Höchste ist die Gesundheit“ ergeben hatten.

Dass Liturgie kein Spielfeld der Politik ist und sein darf – wer weiß das schon?! Die Speise der Unsterblichkeit wurde allzu häufig – gar mit bischöflichem „Segen“ – der Corona-Todesangst geopfert. Von der Erkenntnis eines Friedrich Schiller von vor 200 Jahren scheinen selbst manche Treuhänder der den irdischen Tellerrand sprengenden Wahrheit weit entfernt zu sein: „Das Leben ist der Güter höchstes nicht.“ Die Philosophin Gerl-Falkovitz formulierte angesichts der Tatsache, dass selbst ein (deutscher) Bischof den Kommunionempfang zu Pfingsten verboten hatte, die unvorstellbare Frage, welcher Art Theologie eine solche freiwillige Verabschiedung von der Eucharistie denn entsprechen könnte. Und nicht zufällig zitiert sie aus dem Alten Testament Hosea (13,9): „Dein Verderben, Israel, ist aus dir selbst.“

Es ist, um einen Gedanken des emeritierten Papstes Benedikt XVI. aufzugreifen, evident, dass es unpassend zu sein scheint, die Wahrheit zu benennen und zu bekennen. Wahrheit ist etwas Störendes. Man meint, sie verführe zur Intoleranz. Viele glauben, sie seien demütig, unsere Wahrheitsunfähigkeit anzunehmen. Dieser mentale Virus hat seine Wirkung auch innerhalb der Kirche. Leider. Und so, wie man gegen ein Corona-Virus zweifellos kämpfen muss, weil es gut, Menschen und deren Leben – übrigens von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug – zu schützen, muss es auf anderer Ebene auch einen Kampf gegen die Pandemie der Wahrheitsleugnung geben. Wer den Mut zur Wahrheit leugnet, verdrängt, vergisst oder verdunsten lässt, dient zweifelsfrei der immer unmenschlicher werdenden Diktatur des Relativismus. Mut zur Wahrheit, Mut zur Verkündigung der Wahrheit – gelegen oder ungelegen – ist immer eine mutige Herausforderung zur wirklichen Demut. Veritas Liberabit Vos. Gerade in trostlosen Zeiten braucht es diesen Mut zum Dienst an und für die Wahrheit. Europas Zukunft wird christlich sein – oder sie wird nicht sein.

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Über Martin Lohmann 41 Artikel
Martin Lohmann studierte Geschichte, Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn. Er war Redakteur der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur", Ressortleiter "Christ und Welt", stellv. Chefredakteur des "Rheinischen Merkur", Chefredakteur der Rhein-Zeitung und Moderator der Livesendung "Münchner Runde" von 1996-2002.