Heilige statt Rebellen

Es immer gut, auf die Heiligen zu blicken. In ihnen wird sichtbar, wie Gott das Drama des Menschen zum Guten hin formt. Besonders hilfreich ist dieser Blick aber dann, wenn die säkulare Welt die Kirche zu „knacken“ versucht. Genauer gesagt die säkularen Medien, die sich als „kirchenkritisch“ empfinden – und das sind in Deutschland wie in der gesamten westlichen Welt ja nicht wenige. Den Begriff vom „knacken“ hat übrigens Klaus Berger eingeführt, als er schon vor Jahren analysierte, wie die „kritischen“ Medien mit dem Ulmer Kirchentag von 2004 umgegangen sind. Schon vergessen? Macht nichts. Das Ganze hat sich jetzt beim Ökumenischen Kirchentag in München wiederholt, vorher aber schon bei dem Medienwirbel um die Haltung von Papst und Vatikan zu den Vergehen pädophiler Priester.
Klaus Berger hatte damals – nach Ulm – Vertreter verschiedener Printmedien zu ihrer Berichterstattung über die katholische Kirche befragt. Die Antwort: Berichtet werde nur über Skandale, Abweichler und Negativtrends. Das Publikum erwarte das so – und zwar aus vier Gründen:
Erstens sei die Kirche eine machtvolle Institution. Diese Macht sei aus Prinzip schon mal zu „knacken“, man gehe jedem Haarriss nach, aus dem beim nächsten Frost ein Absprengsel werde. Denn Macht brauche eine kritische Begleitung. Zweiten müsse die Kirche kritisiert werden, weil sie viele Fragen hoch halte, die nicht mehr in die heutige Zeit passten: Nein zur Abtreibung, Keuschheit, die Stellung zur Homosexualität und so weiter. Vor allem sei das Thema Sex sei da sehr wichtig.
Zum Dritten mute die Kirche den Menschen Dinge zu, die vorwissenschaftlich und voraufklärerisch seien, wie etwa Wunder. Und viertens sei die Kirche vordemokratisch. Allein deswegen schon müsse sie bekämpft werden.
Der Exeget Berger befragte die „kritischen“ Journalisten auch nach der Methode ihres Kirchenkampfs. Die Antwort: Hier gelte das Prinzip „Teile und herrsche“. Man müsse die Kirche nicht von außen angreifen, man müsse sich nur auf die konzentrieren, die dies von Innen besorgten: Die Rebellen, Abweichler und Ketzer. Zu den kirchenzerstörenden Elementen, die die Kirche selbst produziere, gehöre natürlich besonders die moderne Bibelexegese, erfuhr der Exeget Berger: Es genüge, so die Printmedienvertreter, zu jedem Hochfest eine Handvoll Bibelforscher zu zitieren. In jedem Fall sei die Rebellenverehrung die beste Methode, um die Kirche von außen, aber doch mit ihren eigenen Leuten in den Grund zu bohren. Jetzt weiß Hans Küng, warum er so viele Interviews geben darf.
Die beständig wiederholte Kirchenkritik der Medien, so Klaus Berger vor sechs Jahren, gehe dann allmählich auf das Kirchenvolk über. Eine Erfahrung übrigens, die sich jetzt auch für uns in Rom wieder bestätigt: Gute Katholiken, romtreu gestimmt, die regelmäßig etwa die „Süddeutsche Zeitung“ lesen, kamen in den vergangenen Wochen zu uns ins Büro und brachten – halb verlegen – merkwürdige Fragen vor. Etwa: Warum schweigt der Papst? Wieso ist der Papst so isoliert? So geht es, wenn man wie per Osmose und fast unbewusst das übernimmt, was der so genannte „kritische“ Journalismus nach der von Klaus Berger beschriebenen Strategie über Kirche streut.
Doch statt der Rebellenverehrung, der sich die Medien in Deutschland verschrieben haben, wollen wir in dieser Ausgabe das tun, was wirklich katholisch ist: die Verehrung der Heiligen. Das heißt zunächst, sie wieder bekannt zu machen. Wer weiß in der Kirche in Deutschland noch, wer Fritz Gerlich war? Richtig, selig gesprochen wurde er nicht. Ein Märtyrer im Kampf gegen Hitlers Ideologie war er doch allemal. Auch an das Schicksal der vielen unbekannten Priester, die Opfer des Terrorregimes während der Französischen Revolution wurden, sei hier nochmals erinnert. Was hat man über die Priester in den Medien nicht alles lesen müssen.
Jetzt, zum Ende des Priesterjahrs, sei auch nochmals der Märtyrer im französischen Klerus gedacht – und jenes bescheidenen Pfarrers von Ars, der eher die schlimmsten Verleumdungen ertrug, als das Beichtgeheimnis zu brechen. Und des Löwen von Münster, des heiligen Nikolaus von Tolentino, des Reformators Franz von Assisi.
Sie alle öffnen den Blick auf das, was Kirche wirklich ist. Auch wenn das die Medien nie verstehen.

Guido Horst ist Chefredakteur des Vatikan-Magazins.

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Über Horst Guido 35 Artikel
Guido Horst wurde 1955 in Köln geboren. Nach dem Studiun der Geschichte und Politologie arbeitete er für die katholische Presse als Journalist. Im Jahr 1998 übernahm Horst die Leitung der katholischen Zeitung Die Tagespost mit Sitz in Würzburg; 2006 gab er den Posten des Chefredakteurs ab und ging wieder nach Rom. Er wurde abermals Rom-Korrespondent der Tagespost und Chefredakteur der zusammen mit Paul Badde konzipierten Zeitschrift "Vatican-magazin".

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