Interview mit Christiane Grün, Managing Director der DACH-Region bei 3M: „Die transatlantische Partnerschaft ist das Rückgrat des internationalen Geschäftes unseres Unternehmens!“

Europa-Fahne in Muenchen, Foto: Stefan Groß

Frau Grün, welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Demokratische Grundwerte sind für mich das unverrückbare Fundament des Zusammenlebens. In meiner Heimat, dem Münsterland, bin ich mit für mich ganz selbstverständlichen Werten wie gegenseitigem Respekt, Toleranz, sozialem Engagement, Suche nach Konsens und kompromissloser Achtung meiner Mitmenschen aufgewachsen. Für mich gibt es keine Alternative dazu. Und wird es auch in Zukunft nicht geben.

3M wurde 1902 in Minnesota gegründet und hat dort seinen Hauptsitz. Wie beurteilen Sie die Entwicklung in der transatlantischen Partnerschaft unter Präsident Trumps „America First“-Politik?

Der Erfolg von 3M basiert seit über einem Jahrhundert auf internationaler Zusammenarbeit und globalem Warenverkehr. Den Großteil unseres weltweiten Umsatzes erwirtschaften wir im Übrigen außerhalb der Vereinigten Staaten. Seit 1952 gibt es die deutsche 3M Niederlassung. Die transatlantische Partnerschaft ist das Rückgrat des internationalen Geschäftes unseres Unternehmens. Und diese Partnerschaft basiert auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Werten für die wir uns alle gemeinsam weiter einsetzen sollten. All dies sollte uns ermutigen, für ein selbstbewusstes Europa einzutreten, uns häufiger der gemeinsamen Geschichte mit Amerika zu besinnen und konsequent Protektionismus und Handelsbarrieren die Stirn bieten.

Bei seiner Grundsatzrede hat Frankreichs Präsident Emanuel Macron zum Teil weit reichende Vorschläge zur Zukunft der EU gemacht. Erwarten Sie ein „Weiter so!“ oder steht Europa vor einem Wendepunkt?

Unsere Welt verändert sich so rasant. Weder ein Unternehmen, noch eine Staatenbund kann sich meines Erachtens Unbeweglichkeit und fehlende Offenheit für Veränderung leisten. Es ist ein zentrales Wesen von Demokratie, um die besten Lösungen engagiert und manchmal emotional zu ringen. Das müssen nicht immer dramatische Kurswechsel sein. Regelmäßiges – auch selbstkritisches – Hinterfragen und Kursanpassungen bei Bedarf halten Organisationen agil und modern.

Sie waren zuletzt Managing Director von 3M im Vereinigten Königreich und Irland. Wie haben Sie das Brexit-Votum vor Ort erlebt und wie beurteilen Sie den Verlauf der Verhandlungen über den EU-Austritt?

Ich möchte das mit dem Begriff „Sprachlosigkeit“ beschreiben. Vor dem Votum gab es kaum Zweifel, dass es keinen Brexit geben wird. Ich denke, viele konnten sich den tatsächlichen späteren Ausgang des Votums nicht vorstellen. Nach der Entscheidung dann habe ich dann schon in den Gesichtern meiner Mitarbeiter die Stimmungslage erahnen können. Da war von tiefer Enttäuschung über Frust bis hin zu Freude alles dabei. Die Belegschaft eines Unternehmens ist eben auch ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Auf welche CSR-Schwerpunkte fokussiert sich 3M in Deutschland und welchen Beitrag leistet Ihr Unternehmen zur Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt?

Für uns ist Bildung ein Schwerpunkt unseres gesellschaftlichen Engagements. Seit vielen Jahren fördern wir zum Beispiel an ausgewählten Gymnasien die Schüler in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Und zwar vor allem durch das Engagement unserer Forscher und Entwickler, die bei uns an den Standorten und in den Schulen mit ganz viel Herzblut versuchen, die Schüler für diese Themen zu begeistern. Wir unterstützen aber auch Flüchtlinge, die hier in Deutschland Fuß fassen wollen. Mittlerweile machen zwei junge Männer aus Syrien und Sri Lanka eine Ausbildung zum Industriekaufmann bzw. Industriemechaniker bei uns. Beide haben sich in unseren Auswahlverfahren durchgesetzt. Das Erlernen der deutschen Sprache ist sicher das A und O der Integration von Flüchtlingen. Auch hierbei unterstützen wir, wo immer wir können.

Apropos CSR: Sie sind seit über 65 Jahren die erste Frau an der Spitze des 3M-Geschäfts in Deutschland. Welche Rolle spielt „Gender Diversity“ in der CSR-Strategie von 3M?

Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, Positionen nur nach Eignung zu vergeben. Dabei spielt es für uns keine Rolle, welches Geschlecht der Kandidat hat. Ich bin froh, dass das so ist, denn es ist ein gutes Gefühl, wenn tatsächliche Leistung über die Karriere entscheidet. Deshalb bin ich auch kein Freund von Quoten. Im Übrigen bin ich im Management von 3M nicht alleine, zwei weitere Frauen gehören unserem Leitungsgremium in der DACH Region an.

Frau Grün, zuletzt sagten Sie: „Ich freue mich sehr, wieder in meiner Heimat zu sein“. Was bedeutet Heimat für Sie und welche beruflichen und privaten Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?

Heimat ist für mich der Ort, an dem mir die Menschen wirklich nah sind. Das sind natürlich in erster Linie meine Familie, unsere Freunde, Verwandten und Nachbarn. Wir haben durch die verschiedenen Auslandsaufenthalte auch viele Freunde außerhalb von Deutschland, aber es ist immer wieder schön ins Münsterland zurückzukehren. Das könnte aber auch irgendwo anders auf der Welt sein, wenn man sich mit den Menschen dort besonders eng verbunden fühlt. Ganz klar, die gleiche Sprache zu sprechen, erleichtert das Heimatgefühl enorm.

Ich freue mich auf die Zukunft, weil ich neugierig bin. Ich lerne gerne Menschen kennen, unbekannte Orte – ich bin aber auch neugierig zum Beispiel auf digitale Entwicklungen in den nächsten Jahren. Wenn diese Neugier auch in den nächsten Jahren – sowohl beruflich, als auch privat – gestillt wird, dann wäre das sehr schön.

Vielen Dank für das Interview Frau Grün!

 Das Gespräch führte Sven Lilienström

Quelle: Initiative Gesichter der Demokratie

Über Gesichter der Demokratie:

Seit Gründung der Initiative Gesichter der Demokratie im Februar 2017 haben bereits mehr als 150.000 Menschen die Selbstverpflichtung zum Schutz und zur Stärkung der demokratisch-zivilgesellschaftlichen Grundwerte unterzeichnet. Mediale Aufmerksamkeit erhält die privat organisierte Initiative durch zahlreiche prominente Interviewpartner – darunter EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, Bundesminister Heiko Maas und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Andreas Voßkuhle.

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