SED-Opfer hat es nie gegeben – Nina Hager leugnet die DDR-Realität

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Die 1968 gegründete „Deutsche Kommunistische Partei“ hatte laut „Verfassungsschutzbericht 2019“ im Jahr zuvor 2850 Mitglieder. Ehrenvorsitzender ist der vor Jahrzehnten verstorbene Altkommunist Max Reimann (1898-1977). Das „Zentralorgan“ ist das wöchentlich in Essen erscheinende Parteiblatt „Unsere Zeit“ mit einer verkauften Auflage von 6000 Exemplaren. Die Zahl derer, die die Zeitung lesen, ist also mehr als doppelt so hoch wie die Anzahl der Parteimitglieder. Chefredakteurin war in den Jahren 2012/16 die aus Ostberlin stammende Nina Hager.

Sie ist die 1950 geborene Tochter Kurt Hagers (1912-1998), eines SED-Spitzenfunktionärs, der 1963/89 als Leiter der „Ideologischen Kommission beim ZK der SED“ die Reinheit der marxistisch-leninistischen Lehre zu überwachen hatte. In den letzten Jahren vor dem Mauerfall 1989 wurde er als „Tapeten-Hager“ verspottet, weil er den Moskauer Reformkurs nicht anerkennen wollte.

In der UZ-Ausgabe vom 24. Juli verhöhnt Nina Hager die SED-Opfer, die es, ihrer Ansicht nach, nicht gegeben hat, weshalb sie das Wort auch in Anführungszeichen setzt. Schon allein das Ansinnen dreier Bundestagsabgeordneter, davon zweier aus den neuen Bundesländern, einen Bundesbeauftragten für die SED-Opfer zu benennen, sobald im Sommer 2021 die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen in Berlin aufgelöst ist, versetzt sie in helle Aufregung.

So nimmt sie es der 1965 in Magdeburg geborenen, heute in Sangerhausen lebenden Katrin Budde, die seit 1917 der SPD-Bundestagsfraktion angehört,übel, sich in dieser Sache zu engagieren, weil sie „noch in der DDR erfolgreich ein Ingenieursstudium abschließen konnte.“

Dass den SED-Opfern, bei sinkender Zahl ehemaliger DDR-Häftlinge, heute erneute Aufmerksamkeit geschenkt wird, kann nur begrüßt werden. Nina Hager ist da ganz anderer Ansicht: „Das Interesse an der Delegitimierung der DDR und der SED bleibt ungebrochen.“

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Jörg Bernhard Bilke
Über Jörg Bernhard Bilke 208 Artikel
Dr. Jörg Bernhard Bilke, geboren 1937, studierte u.a. Klassische Philologie, Gemanistik und Geschichte in Berlin und wurde über das Frühwerk von Anna Seghers promoviert. Er war Kulturredakteur der Tageszeitung "Die Welt" und später Chefredakteur der Kulturpolitischen Korrespondenz in der Stiftung ostdeutscher Kulturrat.