Thomas Karlauf: Stauffenberg. Porträt eines Attentäters

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Thomas Karlauf: Stauffenberg. Porträt eines Attentäters, Blessing Verlag, München 2019, ISBN: 978-3-89667-411-1, 24 EURO (D)

Die neue Stauffenberg-Biografie von Karlauf versucht, aufbauend auf dem aktuellen Forschungsstand und unter Berücksichtigung bisher unbekannter Quellen, die Ideenwelt des Attentäters Stauffenberg zu rekonstruieren. Karlauf stellt die These auf, das nationalsozialistische Regime nicht nur am Anfang unterstützt zu haben. So habe sich Stauffenberg bis zum Herbst 1942 mit Hitlers Politik und Kriegsführung im Einklang befunden. Erst danach begann er umzudenken und die politische Verantwortung des Offiziers höher zu stellen als Pflicht und Gehorsam. Dabei hat Karlauf völlig Recht. 

Seine Beziehungen zu den übrigen Attentätern werden auch intensiv diskutiert. Als er zwei Jahre später das Attentat schritt, fühlte er sich von den meisten seiner Mitverschwörer im Stich gelassen. 

Der Autor bezieht sich bei seiner Untersuchung nach den geistigen Vorbildern für Stauffenberg und sein Handeln vor allem auf den George-Kreis um den Dichter Stefan George. Schon ab 1890 hatte sich eine lockere Gruppe um ihn und ab 1892 um seine Zeitschrift Blätter für die Kunst gebildet, die sich – allerdings mit nur wenigen personellen Kontinuitäten – um die Jahrhundertwende zu einem festen Anhängerkreis Georges verdichtete. George war ihr Mittelpunkt und wurde als „Meister“ und charismatischer Führer von seinen Anhängern verehrt. In den 1910er und 1920er Jahren erreichte der Kreis über die geistes- und kulturgeschichtlichen Veröffentlichungen seiner Mitglieder sowie deren Lehrtätigkeit an deutschen Universitäten auch Einfluss auf die deutsche akademische Jugend. Mit Georges Tod im Dezember 1933 fand der eigentliche Kreis sein Ende.

Der George-Kreis transportierte niemals demokratische Werte. Wegen seiner Naturmystik, seiner Ablehnung der Zivilisation und seines elitären Gestus gehört der George-Kreis auch in den Einflussbereich der antidemokratischen Konservativen Revolution in der Weimarer Republik. Nach Auffassung von Bruno Frei gehörte der George-Kreis mit seinem übersteigert-elitären Ästhetizismus zu den intellektuellen Wegbereitern des Nationalsozialismus. Auch für Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Thomas Mann zählte der George-Kreis zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus. 

Stauffenberg war ein Nationalist, der es wagte, in einer ausweglosen Kriegssituation Hitler umbringen zu wollen. Er leistete keinen Widerstand aus Humanität, für Frieden und Demokratie. Für ein demokratisches Gedenken taugt daher Stauffenberg als Person nur wenig. Dies bestätigt das Buch einmal mehr. 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.