Wir brauchen keine Kohle, wir kaufen unseren Strom im Ausland!

Windräder, Foto: Stefan Groß

Der Leser, der mit dem Begriff „Klimawandel“ etwas anfangen kann, braucht das Buch nicht zu lesen. Die wissenschaftliche Qualität ist niedrig, beinahe beleidigend. Der Leser, der mit dem Begriff „Klimawandel“ nichts anfangen kann, sollte das Buch nicht lesen.

Wütendes Wetter: Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme
von Friederike Otto
Ullstein, 15. April 2019
ISBN-13: 978-3550050923
240 Seiten 18 €

Das Buch liest sich spannend. Ich bin gewillt, alles in einem Zug zu lesen. Der Inhalt des Buches ist packend. Leider unverständlich und mit Schlussfolgerungen, die mit der menschlichen Logik nicht konform gehen.

Es geht um den Klimawandel, der in diesem Buch (wie auch anderswo) nicht verständlich und verbindlich definiert ist. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um den anthropogenen, also um den (allein?) von Menschen verursachten Klimawandel. Die Autorin stellt fest, dass Steigerungen der Welttemperatur um 2°C, vielleicht auch um 1.5°C, unumkehrbar sind. Dabei ist es (wohl nicht) allgemein bekannt, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde vor Urzeiten weit höher gelegen ist. Und trotzdem gibt es uns. Wahrscheinlich meint die Autorin, dass bei einer (durchschnittlichen?) Steigerung der Welttemperatur um 1.5°C – 2°C die Menschheit ausrottet wird. Ich setze dagegen!

Das Buch ist spannend und wenig wissenschaftlich. So wird definiert, wann bestimmte Wettereignisse Folge des menschengemachten Klimawandels sind. Die übrigen Wettereignisse können Folge des Klimawandels, keine Folge des Klimawandels oder nicht sicher Folge des Klimawandels sein. Zudem gibt es ereignisfreies Wetter (Nicht-Ereignis), welches ebenfalls Folge des Klimawandels sein kann (oder auch nicht). Möglich ist auch, dass der menschengemachte Klimawandel da und dort das Wettergeschehen auf Erden für die Menschheit (scheinbar?) verbessert.

Mittels Attributionswissenschaft (Zuordnungswissenschaft) lässt sich bestimmen, ob ein beliebiges gegenwärtiges oder vergangenes Wettergeschehen Ausdruck des menschengemachten Klimawandels ist oder nicht. Da auch nicht-menschengemachtes Normalwetter Teil des Wetters ist, müsste der nicht menschengemachte Klimawandel seit der Entstehung des Klimas existieren. Theoretisch könnte solches Wetter mit Hilfe der Zuordnungswissenschaft dem menschengemachten Klimawandel zugeordnet werden. Wenn bald zukünftige Klimata genau dem menschengemachten Wetter zugeordnet werden können, werden Klimawissenschaftler bei Ausfall menschengemachter Klimawandel prognostizieren können, wann der Mensch ausstirbt.

Doch zunächst lädt uns die Autorin in eine Welt ein, in der es keinen Klimawandel gibt. Dazu sind Wetterdaten notwendig, die es mangels Menschen leider nicht gibt. Erst seit 30 Jahren wird das Weltwetter mittels Satelliten vermessen. Da trifft es sich gut, dass ein Zeitraum von 30 Jahren ausreicht, die natürlichen Wettervariabilitäten zu erhalten. Eine richtige (ausreichend exakte?) geographische Vermessung des Wetters der Erde soll es erst seit Google Earth geben.

Das Buch heitert auf. Ausspruch des Statistikers George Box: Alle Klimamodelle sind falsch, manche sind nützlich. Im Verlaufe des Büchleins erfährt der aufmerksame Leser, für wen Klimamodelle nützlich sind. Wenn wesentliche Merkmale richtig wiedergegeben werden, sind sie durchaus nützlich. NB: Die wesentlichen Merkmale werden à posteriori (im Nachhinein) festgelegt. Außerdem ist bekannt und leider wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Wetter bereits bei minimalen Veränderungen chaotisch reagiert: Der Schlag eines Schmetterlingsflügel kann einen Hurrikan auslösen …

„Das Wetter der nächsten Tage lässt sich überall auf der Welt genau vorhersagen.“ S. 97. So so.
„Über Kälte wird gesprochen, wenn es richtig kalt wird.“ S. 107, einleuchtend wissenschaftlich.

Wegen Reflexionen des Lichtes durch Kleinstpartikel sinkt bei Luftverschmutzung die Temperatur. Das bedeutet, dass saubere Luft zum anthropogenen Klimawandel beiträgt. Diesen wachstumsträchtigen Satz sollen alle Politiker und Umweltschützer 5 x täglich kniend herunterbeten, bis sie fest daran glauben.

Aus politischen und gesellschaftlichen, zuweilen aus religiösen Gründen werden Überschwemmungen dem Klimawandel in die Schuhe geschoben. Eigentlich sind die überschwemmten Häuser nur an der falschen Stelle gebaut worden: Bausünden (Attribution!). Die Ursachen der Attribution sind irrelevant. Menschen sterben in allen Fällen unabhängig der Attribution, ob Bausünden, Klimawandel oder Gott gewollt!

Der Klimawandel wird zum Ersatzgott einer gottlosen Gesellschaft, die übersättigt ist.

Für menschelnde Interessierte: Es gibt so gut wie keine Klimaflüchtlinge. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Migration und Klimawandel. „Klimaflüchtlinge“ ziehen nie weit fort und kehren sobald wie möglich zum verlassenen Ort zurück.

Es fällt auf, dass dort, wo der Klimawandel fassbar ist (z.B. Überschwemmungen), die menschliche Fertilität sehr hoch ist. Wir können nach der hier aufgezeigten Logik schließen, dass der Klimawandel die Fruchtbarkeit steigert.

„Klimagerechtigkeit“, S. 160, ist kein wissenschaftlich fundierter Ausdruck, sondern eine leere politische Worthülse vor Wahlen. Diese Wort hat in einem Buch mit wissenschaftlichem Anspruch nichts zu suchen.

Die Autorin begrüßt Klagen gegen Konzerne, die für den Klimawandel verantwortlich sind. Sie begrüßt also in der Konsequenz den Zusammenbruch des Kapitalismus. Wer wird dann ihre notwendigen Forschungen bezahlen? Ist die Bekämpfung des Kapitalismus der eigentliche Grund, den Klimawandel zu propagieren, ihn gar zu erfinden?

Zum Schluss ein netter Satz auf S. 204:
Mit jedem CO2-Molekül verändern wir Dürren, Überschwemmungen und Hurrikans.
Ein gelungenes Beispiel für die Zuordnungswissenschaft!

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.