Ausstellung von Wilhelm Sasnal im Espace Louis Vuitton München

GREY EYES. SELECTED WORKS FROM THE COLLECTION. Noch bis 12. September 2026

Wilhelm Sasnal, Untitled (2022). © Wilhelm Sasnal. Courtesy of the artist and Fondation Louis Vuitton, Paris.

Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der Espaces Louis Vuitton sowie des 10-jährigen Bestehens des Hors-les-murs-Programms prasentiert der Espace Louis Vuitton München eine Ausstellung zum Oeuvre des polnischen Künstlers Wilhelm Sasnal. Die Ausstellung findet im Rahmen des Hors-les-murs-Programms statt, dieses zeigt Werke aus den Bestanden der Collection in den Espaces Louis Vuitton in Tokio, Munchen, Venedig, Beijing, Seoul und Osaka. Das Programm verkörpert somit das erklärte Ziel der Fondation Louis Vuitton, durch die Realisierung international konzipierter Projekte ein breites Publikum in aller Welt zu erreichen.

Veranstaltungsort: Espace Louis Vuitton München, Maximilianstr. 2a, 80539 München (Mo-Fr. 12-19 Uhr. Sa 10-19 Uhr)

 

Seit den 1990er Jahren hat Wilhelm Sasnal einen Werkkorpus geschaffen, der unser Verhältnis zu Bildern, Historie und Erinnerung hinterfragt. Seine künstlerische Praxis dreht sich zwar um das Malen, umfasst aber auch zeichnerische und filmische Arbeiten, stets mit einer stringenten Ökonomie der eingesetzten Mittel.

Zum Kern seines Ansatzes gehört eine stete Aufmerksamkeit fur die Bilder, die den Alltag formen, seien es Pressebilder, private Szenen, Filmstills und gefundenes Material. Anstelle zu reproduzieren, transformiert er das Bild durch Vereinfachung, Zuschneiden und Fragmentieren in einen Zustand der Unbestimmtheit: Es ist sowohl erkennbar als auch teilweise zurückgenommen, wodurch ein Spannungsfeld zwischen Sichtbarem und Verborgenem entsteht. Malerei wird zu einem Raum der Neuanordnung, in dem Formen auftauchen, verschwinden und sich der Rahmen verengt oder öffnet. Jedes Werk macht das Angebot einer singularen Sichtweise und ladt den Betrachter dazu ein, eigene Assoziationen hineinzuprojizieren und die Unsicherheit als Teil der Wahrnehmung zu akzeptieren.

Charakteristisch fur Sasnals Malerei ist ausgeprägte formale Freiheit. Der Maler bewegt sich von glatten Oberflachen zu spontanen Pinselstrichen. Porträts, Landschaften, Architekturen und Bruchstucke des Wirklichen bestehen nebeneinander ohne hierarchische Anordnung. Diese Wendigkeit ist kein stilistischer Effekt, sondern eine Methode, die Malweise ihrem jeweiligen Gegenstand anzupassen. Niemals illustrativ, tragt das Werk ein stilles Unbehagen in sich. Die scheinbar alltaglichen Szenen offenbaren geschichtliche, politische oder emotionale Abgrunde. Die Geschichte – besonders die von Polen und vom Europa des 20. Jahrhunderts – tritt als diffuse, in die Sprache der Malerei selbst eingebettete Prasenz hervor.

Grey Eyes bringt Arbeiten aus den letzten beiden Jahrzehnten zusammen. Sie stammen aus der Collection sowie dem Atelier des Künstlers. Von Sasnal selbst zusammengestellt, setzt die Ausstellung intime Bilder in ein Spannungsverhältnis mit weiterreichenden Resonanzen. Das wiederkehrende Motiv des Auges lädt zum Nachdenken ein, was Sehen in der heutigen bildgesättigten Welt bedeutet.

Die weder vollständig opake noch transparente Farbe Grau wird zum Symbol der Ambiguität: Fur vom Sehen ermüdete Augen, für abgewandte Blicke oder für Augen, die zwar offen, aber nicht des Sehens fähig sind. Daher stellt die Ausstellung eine simple Frage: Was bedeutet es heutzutage zu sehen? Sasnal bietet keine eindeutige Antwort. Sein Werk öffnet instabile Wahrnehmungsräume, in denen das Gezeigte und das dem Sehen Vorenthaltene gleichermaßen wichtig sind. Dies bekräftigt die Fähigkeit der Malerei Bedeutung zu generieren, ohne sie zu fixieren.

Zum Künstler

Wilhelm Sasnal (geboren 1972 in Tarnow, Polen) lebt und arbeitet in Krakau, Polen. 1992 begann er sein Studium der Architektur an der Technischen Universitat Krakau bevor er ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Krakau aufnahm, welches er 1999 abschloss. Wahrend dieser Jahre war er Mitbegründer der polnischen Malergruppe Ładnie und trug somit zur Entstehung einer neuen Künstlergeneration im post-kommunistischen Polen bei. Sein akademischer Hintergrund und die frühen Erfahrungen des kollektiven Arbeitens prägten eine künstlerische Praxis, die im formalen Experimentieren sowie einer kritisch-reflektierten Sicht auf die visuelle Gegenwartskultur verwurzelt ist.

Seit den 1990er Jahren hat Sasnal ein umfangreiches Werk geschaffen, das die Zirkulation und Signifikanz von Bildern sowie deren Beziehung zu Historie und Erinnerung hinterfragt. In erster Linie ein Maler, umfasst seine Praxis auch Zeichnung und Film, wobei er in allen Medien auf einer stringenten Ökonomie der eingesetzten Mittel beharrt. Häufig bedient er sich fotografischer Vorlagen – Filmstills, Kunstreproduktionen sowie der Alltagskultur oder Bilder aus dem eigenen Archiv –, die er mittels Vereinfachung, Verzerrung oder Abstraktion transformiert. Seine Motive reichen von intimen Szenen des Alltagslebens bis zu weiterreichenden historischen und politischen Themen, u.a. mit Bezug zur Schoah. Indem sie sowohl seine unmittelbare Umwelt als auch breitere, soziale Narrative reflektieren, sind seine Arbeiten im Laufe der Jahre introspektiver und kontextsensibler geworden. Parallel hierzu hat er in Zusammenarbeit mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Anka Sasnal eine filmische Praxis entwickelt, die vergleichbare Spannungsverhältnisse zwischen dem Persönlichen und dem Politischen erkundet.

Das Werk von Sasnal ist international vielfach gezeigt worden und ist Teil bedeutender, institutioneller Sammlungen. Zu den seinem Schaffen gewidmeten Ausstellungen gehören Prasentationen im Stedelijk Museum, Amsterdam (Niederlande, 2024); im POLIN – Museum der Geschichte der polnischen Juden, Warschau (Polen, 2021); im Kistefos Museet, Oslo (Norwegen, 2018); auf der 31. Biennale de Sao Paulo (Brasilien, 2014); im Haus der Kunst, Munchen (Deutschland, 2012); in der Whitechapel Gallery, London (Vereinigtes Königreich, 2011); im K21, Düsseldorf (Deutschland, 2009); auf der 55. Carnegie International im Museum of Art, Pittsburgh (USA, 2008); in der Zachęta National Gallery of Art, Warschau (Polen, 2007); im Van Abbemuseum, Eindhoven (Niederlande, 2006); sowie in der Kunsthalle Zürich (Schweiz, 2003).

Es finden im Laufe der Ausstellung auch öffentliche Führungen an folgenden Terminen statt:
16. Mai, 16:00 Uhr (Englisch)
20. Mai, 18:30 Uhr
10. Juni, 18:30 Uhr
27. Juni, 16:00 Uhr
Wir bitten um Anmeldung unter Info_espace.de@louisvuitton.com

Zur Fondation Louis Vuitton

Als dem öffentlichen Interesse verpflichtete Institution widmet sich die Fondation Louis Vuitton ausschließlich der Gegenwartskunst und zeitgenössischen KünstlerInnen sowie den Strömungen des 20. Jahrhunderts, die diese maßgeblich beeinflusst haben. Die Sammlung und die von ihr organisierten Ausstellungen folgen der Zielsetzung, Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das beeindruckende, vom kanadisch-US-amerikanischen Architekten Frank Gehry entworfene Museumsgebäude verkörpert das zukunftsweisende künstlerische Statement der Fondation und gilt bereits als emblematisches Beispiel der Architektur des 21. Jahrhunderts. Seit der Eröffnung im Oktober 2014 durfte die Fondation bereits mehr als zwölf Millionen BesucherInnen aus Frankreich und aller Welt begrüßen.

Zum Leitbild der Fondation Louis Vuitton gehört die Realisierung internationaler Projekte sowohl am Standort Paris selbst als auch in Partnerschaft mit öffentlichen und privaten Institutionen, wie u.a. mit dem Moskauer Puschkin-Museum und der Eremitage in Sankt Petersburg (Ikonen der Moderne – Die Schtschukin-Sammlung, 2016, und Die Sammlung Morozov, 2021), dem MoMA, New York (Modern sein: Das MoMA in Paris), dem Courtauld Institute of Art, London (Die Sammlung Courtauld – Eine Vision für den Impressionismus), dem San Francisco Museum of Modern Art und dem Baltimore Museum of Art (Joan Mitchell Retrospektive). Die Fondation entwickelte zudem das  „Hors-les-murs”-Programm, das speziell fur die der Fondation assoziierten Kunsträume – die Espaces Louis Vuitton in Tokio, Venedig, München, Peking, Seoul und Osaka – konzipiert ist, die sich der Präsentation von Ausstellungen mit Kunstwerken aus der Kollektion widmen. Ihre Ausstellungen sind der Öffentlichkeit bei freiem Eintritt zugänglich.

 

 

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