The Washington Post: Amerikanische Wähler haben Trump einen historischen Schlag versetzt – eine Wahlniederlage, wie es sie seit 1974, nach dem Watergate-Skandal, nicht mehr gegeben hat.Trumps Wahl-Albtraum: „Regimewechsel“ innerhalb der USA.
Donald Trump wollte die Weltordnung nach seinen Vorstellungen umgestalten. Doch nun haben die Wählerinnen und Wähler im eigenen Land seiner Machtpolitik einen schweren Schlag versetzt: Die Demokraten haben die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat zurückgewonnen. Für die Republikaner ist das eine empfindliche Niederlage, für Trump ein unmittelbarer Machtverlust. Die letzten beiden Jahre seiner Amtszeit muss er mit einem Kongress regieren, der von der Opposition kontrolliert wird.
Das Ergebnis ist mehr als eine Verschiebung von Sitzen. Zwischenwahlen sind eine Abstimmung über die amtierende Regierung, ihre Politik und ihren Machtanspruch. Die Wählerinnen und Wähler haben der republikanischen Regierung die parlamentarische Kontrolle über beide Kammern entzogen. Damit haben sie Trumps Anspruch, seine Politik nahezu ungehindert durchzusetzen, eine klare Grenze gesetzt.
Besonders schwer wiegt, dass die Demokraten auch dort Erfolge erzielten, wo ein Sieg zuvor als unwahrscheinlich galt. Sie gewannen Senatssitze unter anderem in Texas, South Carolina, Kansas und Iowa. In Texas besiegte James Talarico den Republikaner Ken Paxton. Auch im Repräsentantenhaus eroberten die Demokraten Wahlbezirke, die als sichere republikanische Hochburgen gegolten hatten. Das sind keine bloßen Ausnahmen: Die Ergebnisse deuten auf eine breitere Verschiebung der politischen Stimmung hin. [1][2]
Trump hatte die Wahl selbst zu einer Abstimmung über seine Person gemacht. Er forderte seine Anhänger auf, sich vorzustellen, sein Name stehe auf dem Stimmzettel. Nun, nach der Niederlage, behauptet er, die Republikaner hätten gewonnen, wäre er persönlich angetreten. Das ist ein durchsichtiges Ausweichmanöver. Wer den Wahlkampf zur persönlichen Machtprobe erklärt, kann die Verantwortung für die Niederlage nicht nachträglich von sich weisen.
Die neue Mehrheit der Demokraten verändert die Machtverhältnisse in Washington. Der Kongress kann Vorhaben des Weißen Hauses blockieren oder verzögern; seine Ausschüsse können die Regierung untersuchen und ihre Entscheidungen stärker kontrollieren. Trump bleibt Präsident, doch sein Handlungsspielraum schrumpft. Seine Vorhaben werden auf eine Opposition treffen, die nicht nur einzelne Sitze, sondern beide Kammern kontrolliert.
In diesem Sinne lässt sich von einem „Regimewechsel“ im Inneren der USA sprechen – als politische Metapher, nicht als Sturz der Regierung. Die Institutionen bleiben bestehen, aber die Machtverhältnisse innerhalb dieser Institutionen haben sich verschoben. Die Wahl hat Trumps Präsidentschaft nicht beendet; sie hat jedoch seinen Anspruch auf nahezu unbeschränkte Kontrolle zurückgewiesen.
Der Vergleich mit der Wahl von 1974 nach dem Watergate-Skandal unterstreicht die historische Bedeutung der Niederlage. Die damaligen Umstände sind nicht mit den heutigen gleichzusetzen. Doch in beiden Fällen standen Vertrauen, politische Verantwortung und die Grenzen präsidentieller Macht im Zentrum der Debatte. Es geht nicht nur um verlorene Sitze: Die Wählerschaft hat gezeigt, dass sie einer Regierung die parlamentarische Rückendeckung entziehen kann. [1]
Für die Republikaner ist das Ergebnis auch eine Krise ihrer politischen Identität. Wer seine Partei so eng an einen einzelnen Führungsanspruch bindet, macht sie von dessen Schicksal abhängig. Bei Wahlsiegen Trump die Stärke der Partei zuzuschreiben und bei Niederlagen jede Verantwortung von ihm fernzuhalten, ist politisch bequem, aber unglaubwürdig. Die Verluste in traditionell republikanischen Gebieten zeigen: Persönliche Gefolgschaft ersetzt keine Zustimmung an der Wahlurne.
Auch die Demokraten dürfen das Ergebnis nicht als Freibrief missverstehen. Die Kontrolle über beide Kammern ist ein Auftrag, keine Garantie für eine dauerhafte Mehrheit. Wer Trumps Regierung kritisiert, muss auch die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen und eigene Antworten auf wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Not geben. Sonst bleibt der Wahlerfolg eine bloße Abwehrreaktion gegen Trump – ohne spürbare Verbesserung für diejenigen, die den politischen Wechsel erhoffen.
Die US-Wählerinnen und -Wähler haben Trump nicht nur wegen der horrenden Preise – insbesondere für Energie – und der schlechten wirtschaftlichen Lage eine Abfuhr erteilt. Sie haben auch seine reaktionäre Politik, seine Unterstützung Israels und seine Eskalationspolitik zurückgewiesen. Mit seinen brutalen Angriffen und Drohungen treibt Trump die Welt gefährlich nahe an einen Dritten Weltkrieg. Seine Drohung mit einem Atomangriff auf den Iran könnte zahlreiche Länder und mehr als 150 Millionen Menschen in der Region in einen Krieg hineinziehen.
Das iranische Volk lebt seit 47 Jahren unter dem Druck und der Gewalt der Islamischen Republik. Doch kein Verbrechen des Regimes rechtfertigt, Millionen Menschen in ein neues Kriegsinferno zu treiben. Wenn Trump und Netanjahu über Atomwaffen sprechen, als wären sie Spielzeug, ist das keine Stärke, sondern verbrecherische Verantwortungslosigkeit. Das Schweigen der europäischen Gesellschaft angesichts solcher Drohungen ist beschämend.
Die Rechnung für diese Politik zahlen nicht die Mächtigen, sondern die Menschen – vor allem die Millionen Armen, die bereits unter dem wirtschaftlichen Druck leiden. Trump, Netanjahu und Chamenei stehen für eine Politik, die Menschenleben missachtet und die Welt in Gefahr bringt. Die Generation Z in Europa und anderen Ländern weigert sich, hinzunehmen, dass Kriegstreiberei als Vorwand dient, den Menschen immer neue, unmenschliche Lasten aufzubürden.
Trump wollte die Ordnung nach seinen Vorstellungen umgestalten. Die Wählerinnen und Wähler haben ihm eine Gegenmacht entgegengesetzt: einen Kongress, den seine Partei nicht mehr kontrolliert. Das ist keine vollständige Niederlage seiner Politik und beendet seine Präsidentschaft nicht. Aber es ist ein schwerer Rückschlag und eine deutliche Warnung: Auch ein Präsident, der seine Macht demonstrativ zur Schau stellt, bleibt auf politische Zustimmung angewiesen.
Quellen
1. NPR, Bericht zu den Ergebnissen der US-Zwischenwahlen 2026.
2. Yahoo News, Live-Berichterstattung und Ergebnisse der US-Zwischenwahlen 2026.
