Brief an Tirol – Der Multi-Kulti-Konflikt und die Parallelwelten

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Lieber Josef, lieber Mustafa,

wie lange lebt ihr, lieber Josef, lieber Mustafa schon nebeneinander und was wisst ihr voneinander? Euch beiden ist bekannt, dass sich das Land Tirol sehr für die türkische Minderheit einsetzt. Sieht man sich das Tiroler Landeskrankenhaus genau an, fällt einem auf, dass alle Stationen in deutscher und in türkischer Sprache angeschrieben sind. Auch an der Volkshochschule werden Kurse wie „Türkisch am Krankenbett“ angeboten, damit Ärzte, Schwestern und Pfleger mit türkischen PatientInnen kommunizieren können.

Man könnte eigentlich erwarten, dass Volksgruppen, die hier wohnen und hier wohnen bleiben wollen, sich mehr bemühen, die Sprache besser zu lernen. Die Frauen leben oft isoliert unter sich.

 In Innsbruck kursiert das Gerücht, dass statt des Kulturzentrums Bierstindl entweder ein Parkplatz für das Bergiselmuseum vorgesehen ist, oder dass dort ein türkisches Kulturzentrum entstehen soll. Eine Moschee umfasst nicht nur Gebetsräume, sondern sie sie beinhaltet üblicherweise ein Café und Shops. Und meistens ein Minarett. Naturgemäß ist die Ansicht der diversen politischen Parteien unterschiedlich. Verwunderlich ist aber bei dieser Frage, warum Wahlen dabei eine Rolle spielen sollte.

Völker einander näher zu bringen, eine gewisse Toleranz anderen Kulturen gegenüber zu entwickeln, ist sinnvoll, es hilft aber nicht weiter, wenn verschiedene Religionen und Kulturen versuchen, sich gegenseitig herabzuwürdigen. Es bringt nichts, wenn Traditionen, Denkmäler und Glaubensgemeinschaften in eine Art Konkurrenzverhältnis treten. Immerhin wurden bereits auch Diskussionen geführt, ob die Jesuskreuze aus den Klassenzimmern entfernt werden müssen.

Insgesamt ist das Zeitalter der Globalisierung, das in der islamischen Welt spätestens mit Beginn der europäischen Kolonialherrschaft im 16. Jh. Einsetzte, zunehmend durch die westliche Welt geprägt. Andererseits gibt es eine Abkehr vom Westen, welche besonders laut durch Fundamentalisten vertreten wird. Auch die Stellung der Frau bringt die Vorstellungen vom „Westen“ im Gegensatz zum „Osten“ ins Wanken.

Wie kaum eine andere Weltreligion prägt der Islam alle Lebensbereich der Gläubigen, auch die Politik und Wirtschaft. Es macht einen Teil der Dynamik islamischer Kultur aus, dass viele Antworten auf die alle Muslime bewegende Frage gegeben werden: „Was ist der richtige Weg zur Unterwerfung unter Gott?“ – Denn „Unterwerfung“ bedeutet der arabische Begriff „Islam“. Bestimmt haben es Ausländer schwierig, weil sie nirgendwo richtig zu Hause sind, Kehren sie in ihre Heimat zurück, werden sie dort genauso als „Ausländer“ bezeichnet. Es geht immer um Integration und Anpassung.

Wie kann von Integration einerseits gesprochen werden, wenn andererseits die Parallelwelten durch die Errichtung weiterer Moscheen gefördert werden, um im Anschluss daran Debatten über das Burka- bzw. Kopftuchverbot zu führen? Identität und Individualität bezieht sich nicht nur auf Menschen, sondern auf Orte, die ihren Charakter und ihre Strukturen verlieren können. Tirol ist ein Land mit einer Hand voll kleiner Städte und Dörfern mit bäuerlichen Strukturen. Und lebt stark vom Tourismus. Touristen sind auch Fremde, aber sie kommen und gehen. Anders verhält es sich mit zugewanderten „Fremden“, die ursprünglich auf Arbeitssuche hierhergekommen sind und sich über die Jahre etabliert haben.

Sor wurden zum Beispiel ernsthafte Diskussionen geführt, ob ein Türke Bürgermeister von Fulpmes werden kann und über die Belange der Tiroler entscheidet.

Das Fingerspitzengefühl der Türken kann Antwort darauf geben, wenn man die Frage umgekehrt stellt: „Was würden sich die Türken denken, wenn ein katholischer Tiroler Bürgermeister im tiefsten Anatolien wird?“

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