Das Principal-Agent-Problem bei der organisierten Partnervermittlung

Das Bedürfnis in einer intakten Partnerschaft zu leben, wird heute öffentlich thematisiert wie nie. Im world wide web wimmelt es von Partnerbörsen, die dem modernen Partnersuchenden auf möglichst rationale Art und Weise aus dem Dilemma des Singledaseins zu einem ungetrübten Beziehungshappyend verhelfen sollen.

Um die Motivation für die selbst nach vielen Rückschlägen systematisierte Suche zu erklären, scheint es zunächst sinnvoll einen Exkurs in die moderne Motivationspsychologie zu wagen und die Theorie von Abraham H. Maslow heranzuziehen. Seiner Ansicht nach ist davon auszugehen, dass die menschlichen Bedürfnisse, welche die Motivation für jegliches Verhalten, also auch für die Partnersuche, darstellen, in einer bestimmten und angeborenen Reihenfolge befriedigt werden müssen. Als erstes kommen die biologischen Bedürfnisse, die eher existentieller Art sind, hierzu zählt die Zeugung von Nachkommen, aber schon als zweites kommt das Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit. Hier findet man einen wesentlichen Zusammenhang, da Sicherheit, Risikoteilung im täglichen Leben und Unterstützung durch den Partner wesentliche und viel gewünschte Vorteile einer Partnerschaft darstellen und gleichzeitig primitivste Grundbedürfnisse des Menschen befriedigen. Auch alle weiteren Grundbedürfnisse des Menschen, wie Bindung, Selbstwert oder auch kognitive- und ästhetische Bedürfnisse bis hin zur Selbstverwirklichung, lassen sich mit dem Eingehen einer Partnerschaft in Verbindung bringen.

Die Partnerbörse vermittelt hier als formale Organisation, die die Wünsche und Ressourcen einzelner Individuen, die Partnersuchenden also, bündelt und im Sinne einer beiderseitigen Interessenbefriedigung kanalsiert. Dabei entsteht zwangsläufig eine aus der Organisationstheorie bekannte und durch die individualistische Sozialtheorie von James Coleman unterlegte sogenannte Delegationsbeziehung, denn der Partnersuchende delegiert bestimmte Informationen an eine Institution mit dem Ziel einer maximalen Bedürfnisbefriedigung. Im Rahmen dieser entstehen immer die Positionen von Agent und Principal, wobei der Partnersuchende der Principal ist, der die Partnervermittlung als Agent einsetzt. Die ursprünglich, meist zufällige und durch das Gefühl des sich Verliebens induzierte Entstehung einer Partnerschaft wird rationalisiert und professionalisiert, mit dem Wunsch aller Principal Agentbeziehungen möglichst schnell ans ersehnte Ziel zu kommen.

Problematisch wird die Beziehung, ähnlich wie die eventuell daraus resultierende Paarbeziehung, nur, wenn die Interessen des Principals durch den Agenten mangelhaft befriedigt werden. Schlimmstenfalls kommt es also nicht zur gewünschten oder zu einer unglücklichen Partnerschaft, wobei daraus entstehende emotionale Folgen, zum Beispiel Enttäuschung, Beziehungsfrust oder Liebeskummer, einseitig vom Auftrageber verarbeitet werden müssen. Die Weitergabe von möglichst vielen Informationen sowohl über einen selbst als auch über den gewünschten Partner, dient dem Aspekt der Risikominimierung.

Generell versucht der Prinzipal Anreize zu schaffen, die den Agenten dazu veranlassen, gemäß seinen Wünschen möglichst effektiv zu handeln. Innerhalb der Partnerbörsen spielen insbesondere monetäre Anreize in Form von Aufnahme- oder Vermittlungsgebühren eine Rolle. Dabei regiert die weitverbreitete und oft gescheiterte Grundannahme, je mehr man bezahlt, desto positiver ist das Ergebnis. Nicht gefeit ist der Principal auch durch Moral Hazard, einer Informationsasymmetrie zu seinen Lasten.

Dies ist dann der Fall, wenn der Agent Informationen nur mangelhaft oder verfälscht weiterleitet und somit das gewünschte Ergebnis nicht erzielt wird, da die vermittelten Partner ihre Bedürfnisse nicht in dem von ihnen ersehnten Rahmen erfüllt sehen.

Als Fazit bleibt: Die Beziehung fürs Leben zu finden, ist sowohl auf die „althergebrachte“ Art und Weise als auch mittels professioneller Unterstützung ein schwieriges Unterfangen und läßt sich wohl kaum auf eine rein rationale Ebene delegieren. Viele Faktoren spielen eine Rolle, ob zwei Menschen harmonieren und es scheint angebracht, eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln, spontan zu sein und dem Motto „Liebe auf den ersten Blick“ treu zu bleiben.

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