Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft

Leihmutterschaft, Surrogat, Mutter, Quelle: Tumisu, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung, Kein Bildnachweis nötig

Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft, lautet der Untertitel des neuen Buches von Birgit Kelle.

Kelle nennt die Leihmutterschaft eine neue Art von Prostitution. Die „Mädchen“ werden nur nicht von Freiern auf den Strich, sondern von seriös daherkommenden Agenturen in den Kreissaal zum Gebären geschickt. In beiden Fällen geht es um die Ausbeutung der Sexualität der Frau.

Wobei der Begriff Leihmutterschaft die Realität beschönigt. Es geht nicht darum, ein Kind zu leihen, sondern zu kaufen und um das Muttersein geht es schon gar nicht, denn es wird die Gebärmutter lediglich als Brutkasten gebraucht, die Mutter soll das, was sie neun Monate ausgetragen hat, nicht einmal sehen. Das geborene Kind wird sofort von der Frau, die ihm das Leben geschenkt hat, entfernt.

Noch ist Leihmutterschaft in fast allen europäischen Ländern verboten, aber eine mächtige Lobby von Großverdienern am Geschäft mit den gekauften Kindern arbeitet daran, das zu ändern. Das Geschäft mit den Kindern auf Bestellung ist zu lukrativ. Es eröffnet zudem völlig neue Möglichkeiten für den Organhandel und die „Verwertung“ von Embryonen, die für die künstliche Befruchtung erzeugt und anschließend nicht mehr gebraucht werden. Aber der Reihe nach.

In Deutschland herrscht in Bezug auf Leihmutterschaft gesetzliches Chaos. Die künstliche Befruchtung ist nur erlaubt, wenn die Eier einer Frau entnommen werden, die anschließend den Embryo auch austrägt. Die Vermittlung von Leihmutterschaften ist verboten, nicht aber die Leihmutterschaft selbst. So kann es sein, dass in Deutschland „Babymessen“ stattfinden, die über alle Möglichkeiten im Ausland informieren und dass ein Bundestagsabgeordneter sein gekauftes Baby in der Presse präsentieren kann und dafür auch noch gelobt wird.

Aber ist Leihmutterschaft nicht eine gute Sache? Sie hilft doch, Paaren oder Singles einen Kinderwusch zu erfüllen, wenn die nicht in der Lage sind, auf natürlichem Weg ein Kind zu empfangen. Die „Leihmutter“ tut es ja freiwillig, weil sie helfen will, nur gegen Aufwandsentschädigung, oder eben gegen Gebühr. Der schöne Schein hat aber eine unschöne Kehrseite. Die meisten Leihmütter sind arm. Doch von dem 100 000 bis 160 000 Euro (bei Billiganbietern teilweise auch deutlich weniger), die ein Kind kostet, bekommen sie nur einen Bruchteil von 5000 bis 30 000 Euro. Den Rest stecken Ärzte und Agenturen ein.

Man kümmert sich noch leidlich um die Gesundheit der Kindsausträgerin bis zur Geburt, danach hört die Fürsorge auf. Entspricht das ausgetragene Kind nicht der Erwartung der Besteller, wird die Leihmutter oft nicht bezahlt, das Kind nicht abgeholt.

Das große Geschäft mit den künstlich erzeugten Kindern begann in Asien. In Indien konnten die Mütter aus den Slums oft nicht mal die Verträge lesen. Nachdem die üblen Seiten dieses Geschäfts, das tatsächlich, wie Kelle ausführt, ein moderner Menschenhandel ist, sichtbar wurden, verbot Indien die Leihmutterschaft wieder. Auch Georgien, zeitweilig ein Großlieferant von Kindern, entschloss sich zum Verbot. Es finden sich bis heute aber immer wieder arme Länder, die menschliche Brutkästen zur Verfügung stellen. In Europa ist die Ukraine weltweiter Lieferant von bestellten Kindern, trotz des Krieges. Inzwischen ist das Geschäft auch in Afrika angelangt. Es gibt bereits mindestens eine schwarze Leihmutter, die das weiße Kind eines weißen schwulen Paares ausgetragen hat. Liegen da alle falsch, die an eine moderne Form des Kolonialismus denken? Allerdings vermisse ich die Stimme der europäischen Antikolonialisten gegen diesen Missbrauch.

Anders als bei Adoptionen gibt es keine Regeln, was die Besteller betrifft. Für heterosexuelle oder schwule Paare, Singles oder Mitgliedern der LGBT-Community gibt es keine Altersgrenze. Die Frage, warum sich ein 76-jähriger alleinstehender Mann ein Baby bestellt, wird nicht gestellt. Was mit den Kindern passiert, wenn sie gekauft sind, wird nicht untersucht. Man muss befürchten, dass nicht alle verkauften Kinder von ihren Bestellern geliebt und gewertschätzt werden. Manche mögen als bloße Organlieferer oder als Sexspielzeuge enden. Was sagt das über eine Gesellschaft, die sich darüber keine Gedanken macht?

Ungeregelt und damit äußerst fragwürdig ist auch der Umgang mit den erzeugten, überflüssigen Embryonen, die in den Kühlschränken der Welt gelagert werden. Die Begehrlichkeiten der Kosmetik- oder Arzneimittelindustrie sind groß. Es gibt schon die Möglichkeit, sich in China mit Medikamenten behandeln zu lassen, die aus abgetriebenen Föten hergestellt wurden. Auch in Deutschland wird von betuchten Künstlern und Politikern davon Gebrauch gemacht. Warum also nicht die überflüssigen Embryos zu Forschungs-, oder Nutzzwecken einsetzen? Sie würden damit einen Solidarbeitrag für die Gesellschaft leisten, argumentieren einige Befürworter allen Ernstes. Nur, wenn „überflüssige“ Embryonen für die Forschung verwendet werden dürfen, warum nicht welche für Forschungszwecke erzeugen? Es dient doch der guten Sache, oder? Es besteht die reale Gefahr, dass die Grenzen immer weiter verschoben werden und am Ende auch geborene Kinder, die sich als nicht absetzbar erweisen, zu Solidaritätsleistungen für die Gesellschaft herangezogen werden. Undenkbar? Leider nicht, denn es werden bereits Hirntote zu Forschungszwecken benutzt, indem man ihnen eine Schweineleber ans Bein operiert, um zu beobachten, ob in Zukunft Schweinelebern in Menschen eingesetzt werden können.

Es gab auch schon das Gedankenspiel, nachdem es gelang, für ein hirntotes Unfallopfer die Austragung ihrer Schwangerschaft zu bewerkstelligen, dass Gebärmüttern von hirntoten Frauen Embryonen eingesetzt werden könnten. Die Gefahr besteht, dass der Tag nicht mehr weit ist, dass es nicht beim Gedankenspiel bleibt.

Bei der Lektüre von Kelles verdienstvollem Buch wurde mir klar, wie weit Ärzte und Forscher, angetrieben von verdienstgeilen Lobbyisten schon in kürzlich Undenkbares vorgedrungen sind.

Kelle resümiert am Schluss ihres Buches:

„Die Büchse der Pandora wird gerade im Namen von ‚Toleranz und Antidiskriminierung‘ geöffnet, heraus strömen die Ausbeutung von Frauen, der Verkauf von Kindern, global organisierter Menschenhandel, organisierte Kriminalität, Einfallstore für die Verquickung von Kinderhandel und Organhandel und nicht zuletzt servieren wir sogar Pädophilen Kinder, inklusive Sorgerecht auf dem Silbertablett. Man kann Leihmutterschaft nicht gesetzlich regeln, sondern nur international ächten und verbieten. Alles andere ist Heuchelei und Selbstbetrug.“!

Kelle hat eine Forschungsarbeit geleistet, die nicht nur eines Doktortitels würdig wäre, sondern ein dringend notwendiger Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit ist.

Ihr Buch muss eine größtmögliche Verbreitung erfahren!

Anmerkung: Die Links zum Buch in diesem Artikel sind, wie bei allen meinem Rezensionen, Amazon Partner-Links. Die Einnahmen daraus dürften sich im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen und stehen in keinem Zusammenhang mit meinem eindringlichen Apell, dieses Buch zu verbreiten.

Quelle: Vera Lengsfeld

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