Friedrich Merz hat seine Aussage, die so verstanden wurde, dass die gesetzliche Rente in Zukunft nur noch das Nötigste abdecken soll und nicht mehr den bisherigen Lebensstandard garantieren wird, wieder ein Stück weit zurückgenommen, uminterpretiert. Möglicherweise hat er von Umfragen – wie der unsrigen – erfahren, dass nicht einmal jeder Vierte (23 Prozent) dafür ist, dass die gesetzliche Rente nur noch eine „Basisabsicherung“ ist. Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) sind dafür, dass die Rente ein „Alterslohn für Lebensleistung“ bleibt. Hierfür gibt es – mindestens relative – Mehrheiten über alle soziodemografischen Merkmale hinweg.
Vielleicht hätte der Bundeskanzler aber auch einfach seine mutmaßlich ursprüngliche Meinung erläutern sollen? Auf die Frage, ob der Befragte davon ausgeht, dass die gesetzliche Rente auf Dauer ein „Alterslohn für Lebensleistung“ bleibt oder eine „Basisabsicherung“ wird, antwortet eine klare Mehrheit von 54 Prozent, dass sie davon ausgeht, die gesetzliche Rente werde eine „Basisabsicherung“. Nur 28 Prozent gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente ein „Alterslohn für Lebensleistung“ bleibt. Auch hier finden sich über alle soziodemografischen Merkmale hinweg Mehrheiten, die davon ausgehen, dass die gesetzliche Rente eine „Basisabsicherung“ wird.
Vielen Bürgern ist ganz offensichtlich bewusst, dass vieles, was wünschenswert wäre, auf Dauer nicht mehr leistbar ist. Von verantwortlicher Politik wird meines Erachtens erwartet, den notwendigen Transformationsprozess gerecht und erträglich zu gestalten, ihn aber nicht zu leugnen. Dass der Bundeskanzler erstmalig in unserem 20-köpfigen Politikerranking auf den letzten Platz rutschte und auch in der eigenen Wählerschaft deutlich an Zuspruch einbüßte, zeigt, dass ihm schwere Zeiten bevorstehen. Nicht nur in der politischen Sonntagsfrage, auch beim zusätzlich möglichen Potential und bei den sicheren Stimmen hat die Union schon deutlich bessere Werte gesehen. Wenn nicht nur die CDU-Wahlkämpfer dieses Jahres, sondern auch die des kommenden Jahres um ihre Ämter und Mandate bangen, wird es für Friedrich Merz sehr ungemütlich.
