Fürst Pückler – Ein Leben in Bildern

Eine gelungene und ausführliche Beschäftigung mit Leben und Werk des Fürsten Pücklers

Schloss Bad Muskau. Bild von Wheattree auf Pixabay

Jacob, U./Neuhäuser, S./ Streidt, G. (Hrsg.): Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern, Be.bra Verlag, Berlin 2019, ISBN: 978-3-89809-170-1, 34 EURO (D)

Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871) hatte ein bewegtes Leben als Landschaftskünstler, Genussmensch, Angehöriger des preußischen Militärs, Schriftsteller, Wissenschaftler und Reisender zwischen Okzident und Orient. 

1800 immatrikulierte er sich zum Studium der Rechte an der Universität Leipzig, brach dies jedoch frühzeitig ab und begann eine militärische Laufbahn Als Oberstleutnant und Generaladjutant des Herzogs Karl-August von Sachsen-Weimar-Eisenach nahm er an der Völkerschlacht bei Leipzig teil. In den folgenden Feldzügen gegen Napoleon fungierte er als Verbindungsoffizier zum russischen Zaren Alexander I. und wurde danach kurzzeitig als Militärgouverneur von Brügge eingesetzt. 

1812 bereiste er zusammen mit Leopold Schefer das erste Mal England, wo er angesichts der dortigen Parks seine Berufung zum Gartenkünstler entdeckte. Er bewunderte den Lebensstil des englischen Landadels, den er als das beste Element in der englischen Gesellschaft betrachtete. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel Pücklers Teil der Lausitz von Sachsen an Preußen. 

Am 9. Oktober 1817 erfolgte seine Heirat mit der neun Jahre älteren Lucie von Hardenberg (1776–1854), Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg. 1826 geschah pro forma die Scheidung von Lucie, mit der er dessen ungeachtet lebenslang freundschaftlich zusammen blieb. 

Er unternahm eine Reise über Algier nach Ägypten, wo er vom Khediven Muhammad Ali Pascha als Staatsgast empfangen wurde. Er reiste weiter in den Sudan, bis er 1838 südlich von Khartum entkräftet den Rückweg antrat. 1837 kaufte er sich in Kairo auf dem Sklavenmarkt die etwa 12-jährige Machbuba, die ihn auf der weiteren Reise begleitete. Er nahm sie darauf mit zurück nach Europa, aber sie lebte nur noch kurz als seine Mätresse in Muskau. Das Mädchen verstarb am 27. Oktober 1840 in seinem Schloss und wurde in Muskau begraben. Ferner reiste er in den Nahen Osten, nach Konstantinopel und nach Griechenland. 

Politisch vertrat er liberale Positionen und stand den preußischen Reformern um den Freiherrn vom Stein nahe. So plädierte er für eine politische Selbstverwaltung auf kommunaler Ebene. Dies, dazu sein erklärter Pantheismus und sein extravaganter Lebensstil machten ihn im reaktionären Preußen der Biedermeier-Ära suspekt. Auf der anderen Seite beteiligte Pückler sich jedoch, ganz der offiziellen deutschnationalen Linie folgend, aktiv an der Germanisierung seiner überwiegend sorbischen Untertanen und vernachlässigte die Volksbildung in seiner Herrschaft. 1862 stand er à la suite der Armee und wurde 1863 zum charakterisierten Generalleutnant ernannt. Als solcher gehörte er 1866 zum Hauptquartier des preußischen Königs im Deutsch-Österreichischen Krieg. 

Da er sich mit der Anlage seines ersten Parks in Muskau finanziell übernommen hatte, verkaufte er 1845 die Standesherrschaft Muskau. Er zog auf sein Erbschloss Branitz bei Cottbus. Den Erlös aus dem Verkauf von Muskau verwendete er, um das Schloss Branitz unter starkem Einfluss von Gottfried Semper umbauen zu lassen und um erneut einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, den heutigen Fürst-Pückler-Park, anzulegen. 

Bis zu seinem Tod im Jahr 1871 widmete er sich der Schriftstellerei. Dabei war er der erste deutsche Schriftsteller, der Papier für Durchschläge benutzte bzw. eine Weiterentwicklung der Watt’schen Presse. Den literarischen Nachlass des Fürsten erbte die Schriftstellerin Ludmilla Assing mit der Auflage, die Biographie des Autors zu schreiben und seine ungedruckten Briefwechsel und Tagebücher zu veröffentlichen. 

Leben und Werk des Fürsten erfreuen sich in den letzten Jahren einer wachsenden Popularität und Medienpräsenz. Dafür hat die Ausstellung „Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Muskau, Babelsberg und Branitz“ sowie die Schloss Branitz Ende Mai 2019 eröffnete Dauerausstellung „Fürst Pückler. Ein Europäer in Branitz“ beigetragen. Dies ist eine groß angelegte Biografie über den Fürsten in Wort und Bild.. Dieses „Leben in Bilden wurde aus der Branitzer Perspektive entworfen und basiert im Wesentlichen auf die institutionalisierte Beschäftigung mit dem Vermächtnis des Fürsten auf seinem Alterssitz. Seit 1995 gibt es die Stiftung Fürst-Pückler-Museum-Park und Schloss Branitz, wo ein Gesamteindruck der Pücklerschen Lebens- und Schaffenswelt entsteht. Die dort vorhandenen Kunst- und Gebrauchsgegenstände, Archivalien und die Pückler-Callenberg—Bibliothek bilden den Grundstock dieser Biografie. 

Neben dem „Leben in Bildern“ führen zwölf Essays von verschiedenen Fachleuten in wichtige biografische Phasen, Leitmotive und Hauptwerke ein. Zunächst führt Ulf Jacob in seine Herkunft, Kindheit und Jugend ein. Danach beschäftigt sich Katrin Schulze mit Fürst Pückler als Gartenkünstler und im Speziellen mit dem Muskauer Park. Die spezielle Beziehung zu seiner Frau und Freundin Lucie wird danach von Jana Kittelmann skizziert. Peter James Bowman geht danach auf die Pückler-Rezeption in Großbritannien und Marie-Ange Maillet auf seine Beziehung zu Frankreich ein.

Seine Orientreisen und die dortigen Begegnungen mit hochrangigen Persönlichkeiten stellt Andrea Polaschegg näher vor. Pücklers schriftstellerische Lebensleitung wird von Urte Stobbe, bevor dann Simone Neuhäuser und Anne Schäfer auf sein Leben und seine Beziehung zum Schloss Branitz eingehen. Pückler und seine politische Sicht auf Preußen sowie seine militärische Karriere präsentiert danach Gert Streidt. Die kulinarischen Erfahrungen des Fürsten werden dann von Marina Heilmeyer behandelt. Claudius Wecke stellt den Branitzer Park und seine Anlage vor. Nikolaus Gatter beschäftigt sich noch mit der geplanten Sicherstellung seines Nachruhm durch seinen Freund Carl August Varnhagen und der Schriftstellerin Ludmilla Assing.

Im Anhang findet man noch die Anmerkungen, ein Gesamtliteraturverzeichnis, ein Abkürzungsverzeichnis, ein Personenverzeichnis, Informationen zu den Autorinnen und Autoren und den Bildnachweis. Außerdem stellt Christian Friedrich kurz den Pückler-Bbliographen Walter Drangosch vor.

Hervorgehobene Zitate des Fürsten und seiner Zeitgenossen werden zwischendurch immer wieder abgedruckt. So sind „verschiedene Lektüreformen möglich; chronologisch, an Laufbahn und Entwicklung interessiert, inhaltlich-thematisch, ausgewählte Aspekte von Person und Schaffen vertiefend, sowie spontan, sich am Detail erfreuend und an beliebiger Stelle das biographische Maschenwerk aufnehmend.“ (S. 9)

Dies ist eine sehr ausführliche und arbeitsintensive Beschäftigung mit Leben und Werk des Fürsten Pücklers. Die Melange zwischen Wort und Bild ist gelungen: Die Texte sind informativ und decken Schwerpunkte seiner Persönlichkeit und seiner Schaffensphasen ab. Die Abbildungen sind mit ausführlichen Beschreibungen versehen, die Hintergründe offenlegen. Dies sollte für viele Jahre erstmal das neue Standardwerk zum Fürsten Pückler sein und empfiehlt sich auch als Hintergrundlektüre für einen Besuch des Fürst-Pückler-Museum-Parks und dem Schloss Branitz.

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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.