„Ich bin überzeugt daß eine Weltliteratur sich bilde“ | Goethe- und Schiller-Archiv erwirbt bedeutenden Brief von Johann Wolfgang von Goethe

Goethe und Schiller Denkmal in Weimar, Foto: Constantin Graf von Hoensbroech

 Auf der Auktion der Berliner Autographenhandlung J. A. Stargardt konnte kürzlich ein Autograph von Johann Wolfgang von Goethe für die Klassik Stiftung Weimar ersteigert werden.

Der sieben Seiten lange Brief, der von Goethes Sekretär Johann Christian Schuchardt auf zwei Doppelblätter geschrieben ist, wird nun in die Bestände des Goethe- und Schiller-Archivs eingepflegt. Im Rahmen der historisch-kritischen Goethe-Brief-Ausgabe wird er erforscht, kommentiert und auf der Forschungsplattform PROPYLÄEN digital verfügbar sein. Für das Literaturarchiv ist er von großer Bedeutung, da Goethe darin erstmals den Begriff „Weltliteratur“ verwendet.

Goethe sandte den Brief am 26. Januar 1827 aus Weimar an den Geheimen Oberregierungsrat Adolph Friedrich Carl Streckfuß (1778-1844) nach Berlin. Von Streckfuß sind elf Briefe an Goethe aus einem Zeitraum von 1826 bis 1828 überliefert, die sich allesamt in den Beständen des Goethe- und Schiller-Archivs befinden. Von Goethe an Streckfuß sind bislang nur sechs Briefe bekannt – alle aus dem Jahr 1827. Bei dem jüngst erworbenen Brief handelt es sich um das erste dieser sechs Schreiben

„Der Begriff ‚Weltliteratur‘ diente für Goethe, ähnlich wie ‚Weltverkehr‘ oder ‚Welthandel‘, zur Beschreibung eines dynamischen Prozesses, der sich erst in der Zukunft vollziehen wird und unabschließbar ist. Weltliteratur bezeichnet dabei das Projekt einer (tendenziell weltweit gedachten) internationalen literarischen Kommunikation, des fortschreitenden geistigen Austauschs der Nationen untereinander und der wechselseitigen künstlerischen Beeinflussung ihrer Literaturen“, erläutert Dr. Yvonne Pietsch, die den Brief als zuständige Mitarbeiterin für das Goethe- und Schiller-Archiv auswertet. „Dass er nun bei der diesjährigen Stargardter Auktion zum Verkauf stand und vom Archiv erworben werden konnte, ist ein großes Glück“, freut sich Dr. Silke Henke, die den Brief für das Archiv ersteigert hat.

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