Ingelheim am Rhein – Geschichte der Stadt

Ingelheim am Rhein. Geschichte der Stadt von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Der Rhein. Bild von Jörg Vieli auf Pixabay

Ingelheim am Rhein. Geschichte der Stadt von den Anfängen bis in die Gegenwart, NA Verlag, Oppenheim 2019, ISBN: 978-3-96176-082-4, 29,90 EURO (D)

Dieses Buch beschreibt die Stadtgeschichte Ingelheims am Rhein von den Anfängen bis in die Gegenwart. Das Schicksal und die Entwicklung der Stadt waren immer eng verknüpft mit der Lage am Rhein und der wechselhaften Geschichte der Region Rheinhessen. Dieses Projekt wurde von einem Herausgeberkreis, in dem die wichtigsten historischen Einrichtungen der rheinland-pfälzischen Stadt vertreten sind, in Kooperation mit dem Institut für historische Landeskunde an der Universität Mainz verwirklicht. Es umfasst 50 Beiträge von 40 Autoren.

Im ersten Teil „Epochen“ werden Stationen der Stadtgeschichte in verschiedenen Beiträgen deutlich. Von den ersten steinzeitlichen Behausungen über die Römerzeit werden archäologische Funde herangezogen.  Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts befand sich dort die Ingelheimer Kaiserpfalz, die den Kaisern und Königen bis ins 11. Jahrhundert zeitweise als Aufenthalts- und Regierungsort diente. Auf diese Zeit folgte die Herrschaft der Grafen von Ingelheim in Ober-Ingelheim und die Blütezeit des Ingelheimer Oberhofs im Spätmittelalter, von dessen Prozessen die Ingelheimer Haderbücher zeugen.

 Die Reformationskriege, die militärischen Auseinandersetzungen in der Frühen Neuzeit, die Zeit der Aufklärung, die Auswirkungen der Französischen Revolution, der Wunsch nach bürgerlichen Freiheiten folgen danach. Der 1. Weltkrieg, die NSDAP in Ingelheim, der nationalsozialistische Terror und Deportationen, die Zerstörungen des 2. Weltkrieges und der Wiederaufbau und die Entwicklung einer demokratischen Kultur in einem wechselvollen 20. Jahrhundert wird ebenso dargestellt wie Eingemeindungen oder lokalgeschichtliche Höhepunkte. 

Im zweiten Teil werden fokussierende Einblicke in Themen wie Bildung, Kultur, Rechtsprechung, Wirtschaft, Bevölkerung oder Lifestyle gegeben. Dort werden zum Beispiel das Unternehmen Boehringer, lokale Bräuche, Kulturdenkmäler, städtische Institutionen, die Auswanderung im 18. und 19. Jahrhundert, das jüdische Leben usw. vorgestellt. 

Zwischen den Beiträgen in beiden Teilen werden immer wieder prägende Figuren der Stadtgeschichte und überregional bekannte Persönlichkeiten in eigenen Kapiteln vorgestellt. Neben der Beziehung von Karl dem Großen zu Ingelheim sind die der bekannteste Sohn der Stadt, der Humanist Sebastian Münster (1488–1552) Dessen Hauptwerk Cosmographia war die erste wissenschaftliche und zugleich allgemeinverständliche Beschreibung des Wissens der Welt in deutscher Sprache, worin die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften, Landes- und Volkskunde nach dem damaligen Wissensstand zusammengefasst worden sind. Albert Boehringer war ein Unternehmer auf dem Gebiet der Chemie und Pharmazie. Er gründete 1885 in Ingelheim eine Chemiefabrik und legte damit den Grundstein für das heute weltweit operierende Unternehmen Boehringer Ingelheim. Oder Renate Wertheim, die jüngste jüdischen Ingelheimerin, die am 20. September 1942 mit einem Sammeltransport über Mainz und Darmstadt in ein Vernichtungslager im besetzten Polen transportiert wurde.

Im Anhang findet man noch eine Zeittafel zum Nachschlagen, Anmerkungen zu den Kurzporträts, biografische Informationen zu den Autoren, ein Ortsregister, ein Personenregister, den Quellennachweis, ein Literaturverzeichnis sowie ein Abbildungsnachweis nach Beiträgen.

Dies ist eine sehr ausführliche Aufarbeitung der Stadtgeschichte Ingelheims am Rhein, die noch dazu mit vielen Abbildungen versehen ist, was dem Buch Lebendigkeit verleiht. Ein lokalgeschichtlicher Beitrag mit einem sehr guten Anhang, der in der Ausrichtung und Detailfülle vielen anderen Städten und Gemeinden ein Vorbild sein kann. Man vermisst nur ein eigenes Kapitel über die Einwanderung quer durch die Jahrhunderte nach Ingelheim. 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.