Hitlers prägende Jahre. Kindheit und Jugend 1889-1914

Über Hitlers Familie, Kindheit und Jugend von Hannes Leidinger und Christian Rapp

Bild von Jacek Abramowicz auf Pixabay

Hannes Leidinger/Christian Rapp: Hitlers prägende Jahre. Kindheit und Jugend 1889-1914, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2020, ISBN: 978-3-7017-3500-6, 24 EURO (D)

Im diesem Buch wird Hitlers Familie, Kindheit und Jugend im sozialen und kulturellen Kontext dargestellt. Die Biografie geht bis zum Ende seiner Wiener Jahre 1914 und konzentriert sich auf seine charakterlichen und weltanschaulichen Prägungen. Sie untersuchen Hitlers Werdegang sowie sein. 

Die Autoren werten Beurteilungen und Zeugnisse der von Hitler von 1895 bis 1899 besuchten Volksschulen in Passau und Lambach und der Realschule in Linz aus. Bei letzterer blieb er zweimal sitzen. Er galt als undiszipliniert, jähzornig und geltungsbedürftig. Seine Aneignung und Auseinandersetzung in der Schule mit dem Gründers der rechtsradikalen Alldeutschen Vereinigung, Georg von Schönerer, und seinem Hass auf Juden wird ebenfalls analysiert. Einige seiner Lehrer waren ebenfalls glühende Nationalisten und Antisemiten. Die beiden Autoren weisen auch nach, dass in der Metropole Linz völkische Geistesströmungen eine gewisse Hegemonie um die Jahrhundertwende besaßen. Kultur und Publizistik wie die Linzer Post waren deutschnational und rassistisch geprägt und werden wohl auch auf den jungen Hitler ihre Wirkung entfaltet haben.

Neben bekannten Fakten wie seine Bewerbung für ein Kunststudium an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie und anderer erfolgloser Versuche, Künstler zu werden, werden die oftmalige Verleugnung der Realität und seine Art der Selbstdarstellung als etwas Besseres hervorgehoben. Seine Jahre in Wien waren durch seine Einschätzung als verkannter Künstler und seinen Größenwahn gekennzeichnet. Seine ewigen Prahlereien gegenüber Mitbewohnern im Männerwohnheim werden hier stellvertretend herangezogen. Hitler beschäftigte sich wie in Linz mit völkischem Gedankengut, las deren Zeitungen und Reden. Ein Fixpunkt war dabei der Wiener Bürgermeister Karl Lueger, den er wegen seiner antisemitischen und deutschnationalen Reden sehr schätzte. Lueger war auch eine Art Volkstribun, der massenwirksam auftreten konnte. Dies scheint Hitler auch beeindruckt zu haben. 

Die von den Autoren vorgebrachte These, Ultranationalismus, Rassismus und Antisemitismus seien in seinem gesellschaftlichen Umfeld längst verankert, ehe Hitler und die Nationalsozialisten ihren Aufstieg beginnen, wird mit vielen Fakten unterfüttert. Die detaillierte Recherche seines ihn prägenden Umfeldes und der Entwicklung seines Charakters legt neben schon bekannten Fakten zahlreiche neue frei. Es zeigt sich, dass die Forschung zur Person Hitlers längst nicht als abgeschlossen gesehen werden kann. 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.