Iris Blum: Mächtig geheim. Einblicke in die Psychosophische Gesellschaft 1945-2009

Links - rechts rechts - links Foto: Stefan Groß

Iris Blum: Mächtig geheim. Einblicke in die Psychosophische Gesellschaft 1945-2009, Limmat, Zürich 2016, ISBN: 978-3-85791-821-6, 48 EURO (D)

Die Psychosophische Gesellschaft wird 1945 in Zürich gegründet. Die esoterische Gruppierung will antike Weisheitslehren erforschen und Geheimorden wieder aufleben lassen. Der Gründer des Vereins, Hermann Metzger, baut mit seinen Frauen in appenzellischenStein die Lebens- und Glaubensgemeinschaft «Abtei Thelema» auf. Man betreibt eine Wetterstation, ein alchemistisches Labor, feiert gnostische Gottesdienste und führt ein Hotel und ein Archiv.

Dabei orientierte sie sich an verschiedenen esoterischen Alternativlehren der Zeit, war eng verbunden mit den Illuminaten und den Rosenkreuzern und suchte wie diese nach der höchsten Wahrheit. Wie die meisten Geheimgesellschaften, die sich im Dienst eines uralten, aber von den herrschenden Mächten unterdrückten Wissens verstehen, zeichnete sie sich durch einen missionarischen Eifer aus. Schon der Name der „Abtei Thelema“ führt schnell auf die Lehren des britischen Okkultisten Aleister CrowleyDie Abtei Thelemawurde von ihm 1920 nahe der sizilianischen Stadt Cefalu gegründet wurde. Crowley richtete zusammen mit einigen Anhängern seine „Abtei Thelema“ in einem Bauernhaus ein, das in den Hügeln unweit der kleinen Hafenstadt Cefalù lag. An diesem Ort sollte ein spirituelles Zentrum entstehen, ein Collegium ad spiritum sanctum. Drei Jahre lang lebten Crowley und seine Anhänger hier nach selbstauferlegten Regeln. In dieser Zeit wurde die Gemeinschaft auch von vielen Gästen besucht, die sich für Crowleys magisch-rituelle Praktiken interessierten.

Als sich die Gesellschaft 2009 auflöste, ließ sie ein umfangreiches Archiv zurück, in dem sämtliche Aktivitäten, Beziehungen, internationalen Verbindungen, aber auch ihre geistigen Grundlagen dokumentiert sind.

Nun hat die Historikerin Iris Blum dieses Archiv aufgearbeitet und rekonstruiert daraus die Lebens- und Wirkungsweise dieser Gesellschaft auch für Außenstehende zugänglich, und halbwegs verständlich zu machen.

Zunächst gibt Blum einen allgemeinen Einblick in das Leben in der Gemeinschaft. Dann folgen Lebensgeschichten der einzelnen Mitglieder und andere wichtige Personen, die alphabetisch in einzelnen Kapiteln erzählt werden. Dann werden Bilder aus dem ausgewerteten Archiv der Gemeinschaft gezeigt, die mit einem kleinen Text unterlegt sind. 

Dann gibt Blum Einblicke in Tätigkeitsfelder und Aktivitäten der Gruppe. Dabei werden die verschiedenen Arbeitsgruppen der Psychosophischen Gesellschaft in der Schweiz und die Besuche Metzgers zu ähnlichen Gesellschaften in Europa vorgestellt. Ebenfalls werden die Einrichtung der „Abtei Thelema“: eine Druckerei, alchimistisches Labor, Wetterstation, Geistes- und Lebensschule sowie das Gasthaus Rose. Im Anhang gibt es noch ein Personenglossar und ein Begriffsglossar.

Für den in okkulten Gemeinschaften ungeübten Leser sind die Zusammenhänge am Anfang schwer zu begreifen und nachzuvollziehen. Da sind die beiden Glossare oder Suchfunktionen hilfreich. Es ist ein Ausflug in eine fremde, groteske Welt, die von der Autorin gut rekonstruiert und zusammengetragen wurde.

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Michael Lausberg
Über Michael Lausberg 317 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.