James Baldwin: Von dieser Welt

Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika, Foto: Stefan Groß

James Baldwin: Von dieser Welt. Roman, dtv, München 2018, ISBN: 978-3-423-28153-9

Das Buch erzählt die Geschichte des intelligenten Teenagers John Grimes, der in den 1930er Jahren in Harlem groß wird, und seine Beziehung zu seiner Familie und seiner Kirche. Der Roman enthüllt auch die Hintergrundgeschichten von Johns Mutter, seinem leiblichen Vater und seinem gewalttätigen, religiösen, fanatischen Stiefvater Gabriel Grimes. Der Roman konzentriert sich auf die Rolle der Pfingstkirche im Leben der Afro-Amerikaner, als eine negative Quelle der Unterdrückung und moralische Heuchelei und auch als eine positive Quelle der Inspiration und Gemeinschaft.

Es ist auch ein Roman mit stark autobiographischen Zügen. James Baldwin wuchs in Harlem auf und kannte seinen biologischen Vater nie. James Baldwins Jugend im Ghetto war vor allem durch die Erfahrung von Armut, Depraviertheit und Diskriminierung ebenso wie durch den religiösen Fanatismus der Holiness– Bewegung geprägt, der seine Familie angehörte. Sein Vater konnte die große Familie kaum ernähren und suchte als fanatischer Laienprediger Trost und Kompensation in seinem Erwähltheitsbewusstsein und den Verheißungen eines besseren Lebens im Jenseits,

Zu seinem Stiefvater hatte James schon in früher Jugend ein äußerst angespanntes und schwer gestörtes Verhältnis. Nach einem visionären Erweckungserlebnis als Vierzehnjähriger, fand James Baldwin ab 1938 bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr in der Pfingstgemeinde des Stiefvaters Anerkennung als jugendlicher Prediger. Diese Ablehnung und der sittenstrenge religiöse Fanatismus David Baldwins spiegelten sich später als dominierende Themen in James Baldwins Werken wider.

Hier präsentiert er die Folgen, die das Individuum aufgrund gesellschaftlicher Normen betreffen. John Grimes ist ein verwirrter, heranwachsender Junge, aber der größte Teil seiner Verwirrung ist darauf zurückzuführen, dass er sich selbst in Frage stellt. Zu diesen Fragen gehören seine Sexualität und die Gründe, warum er mit seinem Vater nicht auskommt.

Der Roman ist auch ein Spiegelbild eines Landes, das von Rassendiskriminierung geprägt ist. Dort werden die Gefühle von John Grimes genau geschildert: seine Resignation und Wut über den tagtäglichen Rassismus sowie die Intensität, die dieser Glaube für die Afroamerikaner hat und ihnen hilft, mit dem Leben zurechtzukommen. Durch diese emotionale Sprache werden die Personen authentisch und die Handlung macht sehr nachdenklich. Ein aufwühlender Roman, keine leichte Strandlektüre.

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.