Lost Places Baden Württemberg

lost places kloster vergangenheit gemäuer, Quelle: Tama66, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Benjamin Seyfang: Lost Places Baden Württemberg. Die Faszination verlassener Orte, Silberburg Verlag, Tübingen 2019, ISBN: 978-3-8425-2200-8, 39, 99 EURO (D)

In einst blühenden Orten blieb oft alles so zurück, wie es einst verlassen wurde. Nur die Natur veränderte im Laufe der Zeit diese Lost Places. Der Fotograf und Urban Explorer Benjamin Seyfang zeigt in diesem Bildband Aufnahmen dieser verlassenen Orte in ganz Baden-Württemberg.

Es geht sich nicht um eine die museale Bewahrung dieser vergessenen Orte oder um umweltpolitisches Engagement, sondern die künstlerische Erlebbarmachung steinerne Zeugnisse, wo die Vergangenheit und die Spuren des menschlichen Handelns in der Vorstellung des Betrachters wieder lebendig werden können. Seyfang will die Faszination des Vergänglichen und die bizarre Schönheit verlassener Orte abbilden und eine „Archäologie der Neuzeit“ veranschaulichen. (S. 5)

Dies sind verrostete in der Natur abgestellte Automobile, verlassene ehemalige Hotels oder Höfe, eine nicht mehr genutzte Eisenbahnbrücke, alte Schienenbusse, ein Schwimmbad unter Wasser, ein Kino bei Kirchheim unter Teck, eine alte Papierfabrik bei Pforzheim, die Reste eines alten Schlachthofs am Schwarzwaldrand, ein Supermarkt bei Reutlingen, die Reste des ehemaligen Tübinger Zoos oder ein Zugfriedhof.

Manche Gebäude sind von außen und von innen zu sehen, teilweise sogar mit der kompletten verwitternden oder manchmal sogar noch recht gut erhaltenen Wohnungseinrichtung.

Die Bilder sind mit einem kurzen Informationstext über das Vorgefundene und den Ort belegt. Um manche Objekte vor Plünderungen oder Zerstörungen zu bewahren, sind einige der Orte mit Phantasienamen versehen, einige extra nur vage beschrieben.

Die Bilder sind großformatig und nehmen mindestens eine Seite ein, manchmal sogar eine Doppelseite.

Die abgebildeten Motive funktionieren wie Schlüssel zu einer verschwindenden Welt und zu Geschichten, die vielleicht bald nicht mehr erzählt werden können. Oft handeln diese von verblichenen Träumen, von einer rasanten Transformation und einem dramatischen Bedeutungswandel. Der Charme des Morbiden versinnbildlicht symbolische Zeugnisse vergangener Epochen und Denkmäler.

Die Bilder schildern eine eigentümliche, unheimliche und geheimnisvolle Aura. Diese schaurig-schönen Restbestände der Zivilisation, die mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind, sind eine spannende Spurensuche der Zeitgeschichte.

Über Michael Lausberg 418 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.