ZUR SZENOGRAFIE DER AUSSTELLUNG „PAUL KLEE. KONSTRUKTION DES GEHEIMNISSES“

Ausstellungsansicht, © Bayerische Staatsgemaeldesammlungen, Foto: Haydar Koyupinar

PINAKOTHEK DER MODERNE

SAMMLUNG MODERNE KUNST 

In der vielbeachteten Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ zeigen sich Besucherinnen und Besucher immer wieder überrascht von der neuartigen Ausstellungsarchitektur in den quadratischen white-cube-Räumen der Pinakothek der Moderne. Die Ausstellung legt den Fokus auf Klees Schaffen der 1920er-Jahre am Bauhaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Klee als Maler und Zeichner auf eine zunehmend technisierte Welt reagierte und ob sein Image als weltabgewandter Künstler oder „Bauhausbuddha“ weiterhin Gültigkeit besitzt. Die außergewöhnliche von Juliette Israël entwickelte Szenografie in den Ausstellungsräumen zitiert nun den geheimnisvollen Ort am Bauhaus, an dem sich diese Auseinandersetzung im Schaffen Paul Klees kristallisiert hat: sein Atelier im Dessauer Meisterhaus. Dieser Raum evoziert mit seiner konstruktiv-geometrischen Anmutung das neue Umfeld, in dem sich Klee als Künstler und Bauhauslehrer bewegte.

Mit dem Wechsel des Bauhauses nach Dessau 1926 bezieht Paul Klee eines der von Walter Gropius neu erbauten Meisterhäuser. Die Farbgestaltung seiner Arbeits- und Wohnräume entwickelte Klee in Zusammenarbeit mit der Klasse für Wandmalerei. Eine Raumansicht, die der Bauhaus-Schüler Fritz Kuhr anfertigte, dokumentiert die Originalfarben der Atelierwände. Diese Darstellung ist der Ausgangspunkt für das Gestaltungskonzept der Ausstellung, das die Kunsthistorikerin und Szenografin Juliette Israël entwickelt hat. Die perspektivischen Farbflächen aus der Zeichnung wurden auf die Wände der Pinakothek der Moderne übertragen und adaptiert.

Diese illusionistischen Raumfluchten ermöglichen einen fokussierten Blick auf die kleinformatigen Werke Klees, da die sechs Meter hohen Wände der Pinakothek der Moderne optisch verkleinert werden und vielfältig variierbare Rahmen und Felder für die ausgestellten Gemälde und Papierarbeiten zur Verfügung stellen. Das collageartige Zitat des Dessauer Meisterhauses bleibt dabei auf einen der zentralen Säle beschränkt. In den weiteren Ausstellungsräumen wird die Atelierperspektive abstrahiert: Geometrische Formen wie Trapeze, Rechtecke und Dreiecke in den Originalfarbtönen rhythmisieren den Rundgang durch die Ausstellung in zentralperspektivischen Variationen. Zusätzlich wird der Rundgang durch die Ausstellung mit diagonal gestellten Wänden sowie pfeilförmigen Sitzgelegenheiten dynamisiert. So entstehen unerwartete Achsen und Durchblicke.

Durch diese Präsentation erhalten die Werke einen eigenen fiktiven Raum und erscheinen durch eine optische Täuschung näher und größer. Auf diese Weise können die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher den realen Raum der Pinakothek der Moderne physisch erleben und assoziativ erweitern.

Die von Oliver Kase und Nadine Engel kuratierte Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ ist noch bis 10. Juni 2018 in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm finden Sie auf unserer Website unter www.pinakothek.de/klee.

 

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