25 Jahre »euro-scene« in Leipzig

„Sweat, baby, sweat“
(„Schwitz, Baby, schwitz“)
Tanzstück
Foto: Klaartje Lambrechts, Brüssel

Festivalchefin Ann-Elisabeth Wolff hat sich Freunde und Wegbegleiter zum Jubiläum eingeladen. Dazu gesellen sich jüngere Choreografie-Talente wie Jan Martens und Philip Saire.
Sehr besonders, und gleichzeitig beglückend, ist die Vielfalt der präsentierten Theatergenres. Auf 10, über ganz Leipzig verteilten Bühnen, wird bis zum 8. November Musiktheater neben Performances und Objekttheater präsentiert. Hauptaugenmerk liegt freilich weiterhin auf zeitgenössischem Tanz. Wobei die Genregrenzen eher fließend sind, wie sich gut in »Black out« von Phillipe Saire beobachten lässt. Drei Menschen tanzen und performen ihre scheinbare Selbstauflösung in schwarzem Granulat auf einer weißen Matte. Hier fehlt eigentlich nur noch die Fixierung der eingeriebenenBewegungsspuren zu einem Kunstobjekt.
Jan Martens inszeniert seine Choreografie von Liebe als Duett. Frau hängt hier erst mal klassisch vom Manne ab. Jedoch mit den Füßen um seinen Hals, Kopf nach unten. Wie Kimmy Ligtvoet dies ändert, ist für den Betrachter ein im eigenen Bauch nachfühlbarer Kraftakt. Alles ist hier Wille und dann eigene Muskelspannung. Ihr Partner Steven Michel muss nur seine Position halten, sonst fallen beide. Doch es gelingt, und so steht ihre Beziehung bald auf vier Füßen. Was nicht lange so bleibt, schließlich folgen Betören und Verknäueln und Entwirren und Küssen. »Sweat, baby, sweat« verspricht nicht zu viel. Leider ist Jan Martens bewegende Geschichte einer Vater – Sohn Beziehung »Victor« derzeit nicht auf deutschen Bühnen zu sehen.
Aufbrausende Lachsalven aus dem Publikum sind Lebenselixier für Paolo Nani. Seine 15 Variationen zum Schreiben eines Briefes »Brevet« sind große Mimenkunst.
Für die letzten drei Nächte, falls sie noch Karten an der Abendkasse bekommen können, ist »Das beste deutsche Tanzsolo« auch eine sehr gute Wahl. Im Foyer des Leipziger Schauspielhauses wird dafür ein riesiger Holztisch mit 7 Meter Durchmesser zur Bühne.Je 10 mal 5 Minuten als Booster für eine Bühnenkarriere. Ohne Rücksicht auf akademische Bildung, Alter oder Nationalität. Samstags folgt hierauf endlich die große Jubiläumsparty. Ganz Beflissene tanzen gleich weiter zur letzen Podiumsdiskussion in der Alten Handelsbörse: »Der Tanz auf dem Vulkan«.

Gesamtprogramm:
http://www.euroscene.de/v2/de/festivals/2015/programm/uebersicht/gesamtprogramm-mit-kurztexten.php

Festivalkasse im Englandladen: Gottschedstrasse 12,04109 Leipzig
Kartentelefon: 0341-2154935

Über Löw Jan 27 Artikel
Jan Löw, geboren 1965 in Jena, studierte Kunstgeschichte und Medienwissenschaft in Jena und Weimar. Er war langjähriger freier Mitarbeiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Löw arbeitet als freier Photograph in Berlin und in Thüringen.

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