33. INTERNATIONALES FILMFEST MÜNCHEN: NEUES DEUTSCHES FERNSEHENDas Politische und das Private

Während Fernsehformate erst seit Kurzem Einzug auf den großen Filmfestivals der Welt halten, reserviert das FILMFEST MÜNCHEN dem besonderen Fernsehfilm schon seit gut 20 Jahren einen festen Platz im Programm. Die Sektion Neues Deutsches Fernsehen hat sich längst zum Publikums- und Branchenmagneten gemausert und wartet mit namhaften Regisseuren und einem dichten Staraufgebot auf dem roten Teppich auf. Auffallend viele Beiträge der diesjährigen Auswahl, die Programmkuratorin Ulrike Frick zusammengestellt hat, beschäftigen sich mit politischen Themen. Für Aufsehen sorgen sollte Kilian Riedhofs Zweiteiler „Der Fall Barschel“, der die Affäre um den früheren Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins beleuchtet, der 1987 tot in einem Genfer Hotel aufgefunden wurde. Erzählt wird das aus der Sicht der beiden Journalisten (gespielt von Alexander Fehling und Fabian Hinrichs), die mit ihren Enthüllungen den Fall erst ins Rollen brachten. Ein heißes Eisen packt Daniel M. Harrich in „Meister des Todes“ an: Im Zentrum steht ein deutscher Waffenhersteller, der sich auf riskante Exportgeschäfte mit fragwürdigen Kunden einlässt. Zum namhaften Ensemble gehören hier Heiner Lauterbach, Hanno Koffler, Udo Wachtveitl, Alina Levshin und Veronica Ferres. Ein großes TV-Event wird „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“. Der Wiener Tragikomödien-Spezialist Wolfgang Murnberger hat ein vielschichtiges Porträt über den Südtiroler Bergsteiger, Regisseur, Schauspieler und Geschichtenerzähler gedreht, den Tobias Moretti im Film verkörpert. Trenker avancierte als Opportunist im Dritten Reich zum Star des deutschen Kinos.
Politisch-sozialkritische Elemente weist auch die Multi-Kulti-Komödie „Leberkäseland“ von Nils Willbrandt auf. Eine Istanbuler Mittelstands-Familie wandert 1962 ins niederrheinische Moers ein und freundet sich unterschiedlich gut mit den dortigen Gepflogenheiten an. Ein Film, der die Brücke zu einem weiteren großen Thema in der Fernsehreihe schlägt: die Familie. Dies wird auf ganz unterschiedliche Weise behandelt, etwa als Krimi in Aelrun Goettes „Im Zweifel“. Eine Seelsorgerin (Claudia Michelsen) in Brandenburg betreut ein Elternpaar nach dem tragischen Tod ihrer Tochter – und vermutet bald, dass ihr Ehemann und Sohn etwas mit der Sache zu tun haben. In Matti Geschonnecks „Der verlorene Bruder“ fliehen die Blaschkes (Charly Hübner, Katharina Lorenz) Anfang der 1960er Jahre aus dem Osten nach Westfalen. Doch die Erinnerung an den auf der Flucht verschollenen Sohn überschattet den Neuanfang. Lars Kraume erzählt in „Das Familienfest“ von der Geburtstagsfeier eines Patriarchen, bei der verdrängte Gefühle und Verletzungen jäh aufbrechen – großes Schauspielkino mit Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Lars Eidinger, Michaela May und Jördis Triebel. Auf ein dramatisches Ende steuert auch „Silvia S. – Blinde Wut“ von Friedemann Fromm zu, das packende Psychogramm einer Amokläuferin, gespielt von Maria Simon.
Doch es geht auch zarter: In „Für eine Nacht…. und immer?“ von Sibylle Tafel beginnt eine Frau Anfang Fünfzig (Juliane Köhler) eine Affäre mit einem 30 Jahre jüngeren Mann (Marc Benjamin) aus einem ganz anderen sozialen Milieu. Trotz aller Gegensätze entwickelt sich eine langjährige Beziehung zwischen den beiden. In Stefan Schallers „Aus der Haut“ spielt Merlin Rose („Als wir träumten“) einen 17-Jährigen, der sein Coming-Out erlebt – ein Film über den Wahnsinn des Erwachsenwerdens mit Claudia Michelsen, Johann von Bülow, Johannes Krisch und Manuel Rubey. Urs Egger hat das Buch „Briefe an mein Leben“ von Miriam Meckel verfilmt, in dem die Medienwissenschaftlerin und Lebensgefährtin von Anne Will ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Burn-Out-Syndrom beschreibt. Ein starker Aufritt für Marie Bäumer.
Auch in diesem Jahr bietet die Sektion Neues Deutsches Fernsehen Stars satt. Erwartet werden u.a. Tobias Moretti, Alexander Fehling, Lars Eidinger, Veronica Ferres, Heiner Lauterbach, Jürgen Vogel, Marie Bäumer, Joachim Król, Brigitte Hobmeier, Alina Levshin, Udo Wachtveitl, Jessica Schwarz, Edgar Selge, Hanns Zischler, Maximilian Brückner und Florian Lukas.
Alle 18 Filme der Sektion konkurrieren um den Bernd Burgemeister Fernsehpreis. Er wird am 28. Juni an den Produzenten des besten Spielfilms verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Gestiftet wird der Preis, der zum 20. Mal auf dem Filmfest vergeben wird, von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF). Die Jury bilden in diesem Jahr die Produzenten Ulrich Lenze („Todesspiel“, „Die Nacht der großen Flut“) und Philipp Worm („Finsterworld“, „Wir waren Könige“) sowie die Regisseurin Dagmar Hirtz („Die Hebamme – Auf Leben und Tod“, „Bella Block“).

Alle Filme der Reihe Neues Deutsches Fernsehen:
Der Äthiopier
Regie: Tim Trageser
mit Jürgen Vogel, Sayat Demissie, Paula Kalenberg, Thomas Thieme, Nina Proll
Moovie für ARD Degeto / WDR
Aus der Haut
Regie: Stefan Schaller
mit Merlin Rose, Claudia Michelsen, Johann von Bülow, Johannes Krisch, Manuel Rubey
UFA Fiction für MDR / ORF
Blütenträume
Regie: Paul Harather
mit Nadeshda Brennicke, Alexander Khuon, Proschat Madani, Corinna Kirchhoff, Falk Rockstroh
Maran Film für SWR
Brief an mein Leben
Regie: Urs Egger
mit Marie Bäumer, Christina Hecke, Hanns Zischler, Annette Paulmann, Petra Morzé
Bavaria Fernsehproduktion für ZDF / ARTE
Das Dorf des Schweigens
Regie: Hans Steinbichler
mit Petra Schmidt-Schaller, Ina Weisse, Simon Schwarz, Helmuth Lohner, Hary Prinz
Network Movie Film- und Fernsehproduktion für ZDF
Der Fall Barschel
Regie: Kilian Riedhof
mit Alexander Fehling, Fabian Hinrichs, Matthias Matschke, Edgar Selge, Antje Traue, Martin Brambach
Zeitsprung Pictures für ARD Degeto
Familienfest
Regie: Lars Kraume
mit Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Michaela May, Lars Eidinger, Jördis Triebel
UFA Fiction für ZDF
Für eine Nacht… und immer?
Regie: Sibylle Tafel
mit Juliane Köhler, Marc Benjamin, Dominic Raacke, Alice Dwyer, Johannes Zirner
Neue Bioskop Television für ARD Degeto
Im Zweifel
Regie: Aelrun Goette
mit Claudia Michelsen, Henning Baum, Thomas Loibl, Thomas Thieme, Jordan E. Dwyer
UFA Fiction für ARD Degeto
Leberkäseland
Regie: Nils Willbrandt
mit Neda Rahmanian, Murathan Muslu, Sascha Özlem Soydan, Katja Studt, Felix Klare
Zieglerfilm für ARD Degeto
Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit
Regie: Wolfgang Murnberger
mit Tobias Moretti, Brigitte Hobmeier, Anatole Taubman, Arndt Schwering-Sohnrey, Barbara Romaner
Roxy Film, epo-film, BR, ORF
Meister des Todes
Regie: Daniel M. Harrich
mit Hanno Koffler, Heiner Lauterbach, Udo Wachtveitl, Alina Levshin, Veronica Ferres
diwafilm für SWR / ARD Degeto / BR
Pampa Blues
Regie: Kai Wessel
mit Sven Gielnik, Joachim Król, Paula Beer, Klaus A. Müller-Oi, Adam Markiewicz
Bavaria Fernsehproduktion für SWR / ARD Degeto
Sara Stein – Shalom Berlin
Regie: Matthias Tiefenbacher
Katharina Lorenz, Katharina Marie Schubert, Itay Tiran, Camill Jammal, Aljoscha Stadelmann
TV60Filmproduktion für ARD Degeto
Schwarzach 23 und die Hand des Todes
Regie: Matthias Tiefenbacher
mit Maximilian Brückner, Friedrich von Thun, Marlene Morreis, Gundi Ellert, Jockel Tschiersch
TV60Filmproduktion für ZDF
Silvia S. – Blinde Wut
Regie: Friedemann Fromm
Maria Simon, Florian Lukas, Sophie von Kessel, Ulrike Kriener, Cornelia Gröschel
UFA Fiction für ZDF / ARTE
Der verlorene Bruder
Regie: Matti Geschonneck
mit Noah Kraus, Charly Hübner, Katharina Lorenz, Matthias Matschke, Johanna Gastdorf
Claussen+Putz Filmproduktion für WDR / ARD Degeto / MDR / BR
Zum Sterben zu früh
Regie: Lars Becker
mit Nicholas Ofczarek, Fritz Karl, Jessica Schwarz, Martin Brambach, Anna Loos
Network Movie Film- und Fernsehproduktion für ZDF

Das komplette Programm des FILMFEST MÜNCHEN finden Sie ab 8. Juni 2015 online unter filmfest-muenchen.de. Der Vorverkauf im WebShop startet am 15. Juni.

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