Mit einem Buch über das Aufwachen beweist der habilitierte Amerikanist Christoph Ribbat einmal mehr, dass sich aus nahezu jedem Blödsinn eine „Kulturgeschichte“ stricken lässt. Von Benedikt Vallendar.
Es gibt Bücher, die Sinn machen. Und solche, die das nicht tun; wozu leider auch Christoph Ribbats jüngstes Oeuvre „In den Tag. Eine kurze Geschichte des Aufwachsens“ (Insel Verlag Berlin 2026) gehört. Bei allem Respekt vor der Fleißarbeit des Autors, der einst für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Und uns mitnimmt auf eine Reise in die Geschichte dessen, was Menschen tagein tagsaus, seit Menschengedenken immer wieder tun: Aufwachen nach einer mehr oder minder ruhigen Nacht. Und zu Beginn eines meist anstrengenden Tages, was zu thematisieren vor allem der deutschen Frühstücks- und Kaffeeindustrie in die Karten gespielt hat und wohl kaum der Leserschaft eines für seine Nischenthemen bekannten Verlages.
Doch leider entpuppt sich das vermeintliche Nischenthema bei vorliegendem Buch als „Nicht-“ bzw. „Gar-kein-Thema“. Denn so sehr wir Menschen das morgentliche Aufstehen als Qual empfinden, so zähflüssig, öde und fast langweilig lesen sich auch die 148 Seiten, auf denen uns der Autor Dinge erzählt, deren geistiger Nährwert gegen Null tendiert; etwa wenn wir lernen, dass Mönche im Mittelalter mangels anderweitiger Entladungsoptionen mit morgentlich-sündigen Gedanken aufgewacht sind, und dass der KZ-Überlebende Viktor Frankl die Welt von Auschwitz als „Alptraum“ erlebt hat, was der Leserschaft sicherlich auch schon vor diesem Buch bekannt gewesen sein dürfte.
Immer wieder stellt sich die Frage: Warum über etwas schreiben, was zu den natürlichsten Dingen der Welt, ja auch der Tier- und Pflanzenwelt gehört?! Und damit keiner künstlichen Vertiefung bedurft hätte. Was die Erkenntnis nährt, dass sich am Ende eben aus jedem Blödsinn, jeder Banalität ein Buch, und im Extremfall sogar eine „Kulturgeschichte“ kreieren lässt.
Christoph Ribbat: In den Tag. Eine kurze Geschichte des Aufwachens. Insel-Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-458-64584-9
