Die Bindung an die einstigen Volksparteien schwindet, politische Überzeugungen werden immer seltener von den Eltern übernommen. Zugleich spricht sich eine deutliche Mehrheit dafür aus, die christliche Prägung Deutschlands zu bewahren. Überraschend ist vor allem der vergleichsweise hohe Gottesdienstbesuch der unter 30-Jährigen.
Die Bindung an die Volksparteien schwindet
Die politische Landschaft in Deutschland, das wird durch vieles Wiederholen nicht falsch, hat sich dramatisch verändert. Vor 50 Jahren errangen CDU/CSU und SPD noch 91,2 Prozent der Wählerstimmen, nach unserer aktuellen Sonntagsfrage sind es für Union und SPD zusammen noch 33,5 Prozent. Und die Wahlbeteiligung lag 1976 bei über 90 Prozent!
Der Niedergang der früheren großen Volksparteien und die Unzufriedenheit mit der aktuellen Bundesregierung sind demoskopisch gut dokumentiert. Es muss viel passiert sein, dass politische Haltungen, die frühere Generationen wohl geprägt haben sollen, sich so deutlich ändern. Wir wollten deshalb wissen, ob es eine grundsätzliche Übereinstimmung zwischen der politischen Haltung der Befragten und der ihrer Eltern gab beziehungsweise gibt.
36 Prozent verneinten das. Knapp jeder Vierte, 24 Prozent, wollte oder konnte keine Antwort darauf geben. 26 Prozent sagen, dass es eine Übereinstimmung mit der politischen Haltung beider Elternteile gab beziehungsweise gibt, 15 Prozent eine Übereinstimmung mit einem Elternteil.
Insgesamt stimmen also nur zwei von fünf Befragten, 41 Prozent, zu, dass es zumindest mit einem Elternteil eine grundsätzliche Übereinstimmung der politischen Haltung gibt. Die politische Bindung an eine Partei oder ein Lager nimmt offensichtlich ab. Das sollten politische Akteure aber nicht nur als Gefahr, sondern auch als Chance begreifen. Man stimmt zwar nicht mehr selbstverständlich für eine Partei, aber man lässt sich überzeugen. Das könnte die Politik auch als Herausforderung sehen.
Mehrheit will die christliche Prägung bewahren
In einer weiteren Frage sind die Befragten ebenfalls eindeutig. 55 Prozent bejahen die Frage, ob Deutschland seine christliche Prägung bewahren sollte. Nur 22 Prozent verneinen die Frage.
Nur in der jüngsten Altersgruppe, den 18- bis 29-Jährigen, spricht sich eine relative Mehrheit gegen das Bewahren der christlichen Prägung aus, 33 Prozent antworten mit Ja, 38 Prozent mit Nein. In allen anderen Altersgruppen gibt es absolute Mehrheiten von 52 bis zu 69 Prozent, die sich dafür aussprechen, die christliche Prägung des Landes zu bewahren.
Außer in der Wählerschaft der Linkspartei gibt es auch bei den Anhängern aller anderen Parteien deutliche Mehrheiten, die die christliche Prägung des Landes bewahren wollen. Der Wunsch nach der christlichen Prägung Deutschlands verbindet mehrheitlich übrigens auch West- und Ostdeutschland. Diejenigen, denen die Bewahrung der christlichen Prägung wichtig ist, meinen am häufigsten, dass CDU/CSU, 41 Prozent, und AfD, 24 Prozent, dafür einstehen.
Junge Menschen gehen häufiger zum Gottesdienst
Nicht einmal jeder Fünfte, 19 Prozent, sagt uns, dass er regelmäßig einen christlichen Gottesdienst besucht. 77 Prozent verneinen diese Frage.
Interessant ist, dass 29 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass sie regelmäßig Gottesdienste besuchen. Von den über 60-Jährigen sagen das nur zwölf Prozent. Die jüngste Erwachsenengruppe ist skeptischer als die Älteren gegenüber einem Kulturchristentum, aber ganz offensichtlich offener, wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu praktizieren.
Auch das würde ich vor allem als Chance sehen und als eine Herausforderung für die Kirchen.
