Otto Dix und Adolf Dietrich: Zwei Künstler, zwei Welten – Andreas Rüfenachts neues Buch im Fokus

Lausbergs Buchtipp

Nur gut drei Kilometer Luftlinie voneinander entfernt lebten beide Maler am Bodensee – Adolf Dietrich seit seiner Geburt in Berlingen im Kanton Thurgau, und Otto Dix, von den Nationalsozialisten diffamiert, ab Mitte der 1930er Jahre in Hemmenhofen auf der deutschen Seeseite. Ihre Motive fanden beide Künstler in den Szenen und Landschaften rund um den Bodensee. Ob sich Dix und Dietrich je besucht haben, ist nicht bekannt, wahrgenommen haben sie sich.

Worin unterscheiden sich die Künstlerpersönlichkeiten in ihrer Herangehensweise? Wie beeinflusste sie ihre Herkunft und wie reflektierten sie die Umbrüche und Veränderungen ihrer Zeit? Auf solche Fragen will die Ausstellung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen Antworten suchen. Rund 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem eigenen Bestand sowie bedeutende Leihgaben aus 17 renommierten Museums- und Privatsammlungen in der Schweiz und Deutschland ermöglichen einen neuen Blick auf das Werk der beiden Maler.

Das Buch beginnt mit den Verbindungen der beiden Künstler, die bis in die Mitte der 1920er Jahre zurückreichen. Anschließend geht es um Selbstbildnisse von Otto Dix und Adolf Dietrich und deren unterschiedliche Herangehensweisen. Gemeinsame Netzwerke im Kontext der Neuen Sachlichkeit und deren unterschiedliche Präsentation kommen dann zur Sprache. Die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden in Bezug auf Wandel und Konstanz im künstlerischen Werk und Werkphasen werden dann dargestellt und verglichen.

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Herangehensweise in ihren Landschaftsdarstellungen werden danach analysiert. Es folgen noch Kurzbiografien von Dix und Dietrich und eine Werkliste und Literatur.

Oft werden die ungleichen Künstler gegenübergestellt, in Form von Zitaten oder Werken, während im Text die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Die Werke werden in die Essays integriert, es gibt keinen extra Katalog. So gelingt es, ein Panorama der Kunst am Bodensee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Dennoch hätten die Biografien der beiden deutlich ausführlicher ausfallen können.

Andreas Rüfenacht: Otto Dix – Adolf Dietrich. Herausgegeben von: Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Deutscher Kunstverlag 2025, 40 EURO (D)

Über Michael Lausberg 646 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.