52 Prozent erwarten eine stärkere AfD – 60 Prozent rechnen mit Verlusten für die Union

AfD im Aufwind, Union unter Druck: Mehrheit erwartet weitere Zugewinne der AfD

AfD Quelle: ChatGPT

Die Erwartungen der Wähler fallen deutlich aus. Während 52 Prozent mit einer stärkeren AfD rechnen, erwarten 60 Prozent, dass CDU und CSU in den kommenden zwölf Monaten an Zustimmung verlieren. Zugleich bleibt umstritten, ob die AfD entsprechend ihrer parlamentarischen Stärke Ämter übernehmen sollte.

Wir werden häufig gefragt, wie die Zustimmung zu den einzelnen Parteien sich in den nächsten Monaten entwickeln wird. Ich sage dann immer, dass wir Meinungsforscher seien und keine Propheten. Wir können serös immer nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Erhebung messen. Das ist aber keine Prognose für das, was in einem Jahr sein wird. Wir können aber diejenigen, die wir interviewen, fragen, welche Entwicklung aus ihrer Sicht die Parteien in den nächsten zwölf Monaten nehmen werden. Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Jeweils acht Prozent rechnen damit, dass CDU/CSU und SPD stärker werden, jeweils 14 Prozent rechnen damit, dass Bündnis90/Die Grünen sowie das BSW stärker werden und 22 Prozent gehen von einer stärker werdenden Linkspartei aus. Am meisten positive Erwartungen im Blick auf die Stärke der Parteien äußern die Befragten jedoch bei der AfD. Die absolute Mehrheit (52 Prozent) rechnet damit, dass diese in den nächsten zwölf Monaten stärker werden wird.

Ebenfalls die absolute Mehrheit der Befragten (60 Prozent) rechnet damit, dass die CDU/CSU schwächer werden wird, 47 Prozent antizipieren eine schwächere SPD, 44 Prozent eine schwächeren FDP, 36 Prozent ein schwächeres BSW, 34 Prozent schwächere Grüne und 30 Prozent eine schwächere Linkspartei. Nur 15 Prozent gehen hingegen davon aus, dass die AfD schwächer werden wird. Interessant ist auch, dass selbst innerhalb der Unionswählerschaft mehr Befragte davon ausgehen, dass die CDU/CSU schwächer wird als dass sie an Stärke zunehmen wird (26 Prozent stärker zu 36 Prozent schwächer). Gut jeder dritte Unionswähler (34 Prozent) geht davon aus, dass die von ihm gewählte Partei in etwa gleich stark bleibt. Die Erwartungshaltung der Wähler ist eindeutig: Man sieht die AfD als stärker werdende, die Union als schwächer werdende Partei. Diese Erwartungen sind in ihrem Ausmaß in den Wählerschaften unterschiedlich, aber sie spiegeln im Trend die Stimmung der Anhänger aller Parteien.

Obwohl man mit einer stärkeren AfD rechnet, gibt es eine relative Mehrheit der Befragten (43 Prozent), die es grundsätzlich eher schlecht findet, wenn die AfD entsprechend ihrer jeweiligen Stärke in den Parlamenten parlamentarische Ämter übernimmt. Gut jeder Dritte (34 Prozent) fände dies hingegen gut, den anderen Befragten ist es egal oder sie wollen bzw. können dazu nichts sagen. Die mittleren Altersgruppen (40- bis 69-Jährige) fänden es mehrheitlich eher gut (40 bis 44 Prozent), die unter 30-Jährigen (45 Prozent) und die über 70-Jährigen (61 Prozent) mehrheitlich eher schlecht, wenn die AfD entsprechend ihrer Stärke parlamentarische Ämter übernehmen würde. Westdeutsche (31 Prozent gut zu 45 Prozent schlecht) fänden dies mehrheitlich schlecht, Ostdeutsche hingegen mehrheitlich gut (44 Prozent gut zu 33 Prozent schlecht). Neben den Wählern der AfD (86 Prozent) sind es die Wähler des BSW (48 Prozent) und der FDP (46 Prozent), die sich mehrheitlich dafür aussprechen, die AfD parlamentarisch angemessen zu beteiligen.

Erfahrungsgemäß orientieren sich die Anhänger hier stark an den Führungsleuten ihrer Parteien. Sobald die Funktionäre der anderen Parteien sich hier öffnen, würde wahrscheinlich auch die Stimmung in der Bevölkerung in dieser Frage umschlagen. Schlägt die Stimmung jedoch um, ohne dass das in den Parteien Konsens ist, würde das die Parteien, die die angemessene parlamentarische Mitwirkung der AfD ablehnen, sehr wahrscheinlich schwächen.

Über Hermann Binkert 631 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.